Die Ringe des Saturn; Credit: NASA / Cassini Wie schon erwähnt wurde Platz zwei wurde beim SF-Wettbewerb von VFR, DLR und Astrium zweimal vergeben. Beide Stories erreichten exakt die gleiche Punktzahl.

Nach Bernd Holzhauers "Satellitenservice" jetzt also Karoline Lukascheks Story über Piraten im Ringsystem des Saturn. Die Geschichte ist dramatisch, spannend und sehr lebendig geschrieben. Sie hat eine überraschende Pointe und landete bei allen Juroren ganz weit vorne. Wir schreiben das Jahr 2100. Und auf uns kommen ganz besondere soziale Probleme zu...

Save our Future, save our World

Dr. Karoline Lukaschek

Die „Glaspalast“ näherte sich dem Ziel ihrer Reise: Dem Saturn mit seinem atemberaubenden Ringsystem. Nun würde sie in einem Swing-by Manöver die Schwerkraft des Ringplaneten nutzen, um sich zur Erde zurückkatapultieren zu lassen. Der Kurs war so berechnet, dass das Weltraumkreuzschiff durch die Cassini-Teilung in den Kernschatten des Saturns eintauchte, damit beim Herausfliegen das Sonnenlicht diffus zwischen den Saturnringen hindurch schimmerte und dem Planeten eine eigene Aura zu geben schien. Durch die großen, umlaufenden Fenster des Kreuzers konnten die Passagiere dieses eindrucksvolle Schauspiel beobachten.

Das kleine, wendige Raumschiff hielt sich zwischen den Trümmern der Saturnringe versteckt. Wie ein Raubtier auf Beute lauerte es auf den schweren, trägen Kreuzer, der vor den Saturnringen manövrierte. Captain Torben Lind freute sich bereits auf die  „Ladung“ des großen Schiffes: steinreicher Erdprivilegierter, denen eine gewitzte Agentur für viel Geld die Illusion vorspiegelte, mit dem Flug zum Saturn ein richtiges Abenteuer zu erleben. Für die Menschen des vereinigten Siedlungsraumes All, die das Geld und den Einfluss hatten, immer noch auf der Erde zu leben, war es wohl eine willkommene Abwechslung zu der behüteten Normalität ihres Alltags auf dem Blauen Diamanten wie die Erde von Nichtbewohnern genannt wurde, weil sie für die meisten so unglaublich schön und ebenso unerreichbar war wie einer jener Edelsteine.

Dank zahlreicher, teils sehr drastischer und rigoros durchgeführter Maßnahmen war es den Menschen vor fast hundert Jahren gelungen, die drohenden Klimakatastrophe auf der Erde zu stoppen und den Planeten nicht nur zu retten, sondern in das zu verwandeln, was er jetzt war: Von ferne die blauschimmernde Verheißung von Wasser, dem wertvollsten Handelsgut des Siedlungsraumes, die sich beim näher kommen in das Paradies für Menschen schlechthin verwandelte: nirgendwo sonst im Siedlungsraum waren die Werte so perfekt für die Lebensform Mensch. Die Zusammensetzung der Luft war genauso, wie es der Mensch brauchte (nicht etwa zu dünn, wie etwa im Lunaseum), die Schwerkraft genau richtig und die Strahlung…. Lind dachte mit Grauen an die Menschen (waren das denn noch Menschen?), die auf dem Mars einer erhöhten Strahlung ausgesetzt waren.

Obwohl Lind als Mitglied der unabhängigen Piratenflotte einiges gewöhnt war, war der Anblick der verwachsenen, formlosen Fleischmassen, die einige der Marsbewohner anstelle von Gesichtern, Armen oder Füßen hatten, für ihn nur schwer zu ertragen. Zu den Primärmaßnahmen bei dem Projekt „Save our World, save our Future“ hatte die Reduzierung der Bevölkerung der Erde gehört. Dies wurde durch strikte Geburtenkontrolle mittels fragwürdige Abtreibungen um der Menschheit willen und Gebärlizenzen an die Meistbietenden versucht, aber auch durch Reduzierung des vorhandenen Menschenbestandes, indem man unerwünschte oder unbrauchbare Elemente der Bevölkerung abschob – auf neu eingerichtete extraterrestrische Camps, in denen das Überleben Sache der Campbewohner war. Einige wenige Verrückte waren sogar freiwillig „in das größte Abenteuer ihres Lebens“ gestartet, wie es die Werbung hatte weismachen wollen. Viele von ihnen hatten auf eine bessere Zukunft gehofft und waren mit der Erinnerung an eine glorifizierte Vergangenheit an das Leben auf der Erde im Dreck eines Aussiedlercamps gestorben.

Einige Camps hatten nicht lange existiert, aus anderen hatten sich lebensfähige Gemeinschaften entwickelt, deren Bewohner dem Aussehen nach noch Menschen waren, ihrer ethischen und moralischen Werte nach aber irgendetwas anderes. So entstanden auch die Piratenflotten. Lind selbst stammte aus einer Mülltonne auf Enceladus, aus der ein Eisminenarbeiter das halbtote Baby gefischt und  später an die Händlerallianz verkauft hatte.  So jedenfalls hatte es ihm Säbelzahn erzählt, die mit ihren Männern das Händlerschiff überfallen und das Baby zusammen mit den anderen Waren an Bord eines Piratenschiffes gebracht hatte. 

Aus Gründen, die sie bis zu ihrem Tod nicht genannt hatte, hatte sie Lind einen Namen gegeben und ihn bei sich aufgenommen. Da sie Captain  bei den Unabhängigen Piraten war, wuchs Lind also bei selbigen auf und wurde selbst zum Captain eines kleinen Schiffes, das nun zwischen den Saturnringen versteckt auf Beute lauerte. Linds Plan war einfach: Im Kernschatten des Saturns herrschte völlige Finsternis, so dass kein visueller Kontakt möglich war. Außerdem näherte sich der Kreuzer auf der Ringebene des Saturns, wo das Magnetfeld am stärksten war, so dass mit Sicherheit die Sensoren gestört werden würden. Das kleine Piratenschiff würde man erst bemerken können, wenn es zu spät war – wenn er mit seinen Leuten das Schiff geentert hatte und dabei war, seine Arbeit zu tun.

Chris Donat war nicht wohl bei dem Manöver. Durch das starke Magnetfeld der Äquatorebene des Saturns waren die Sensoren der Glaspalast gestört, ein Umstand, den Donat nicht müde geworden war der Agentur und den Offiziellen immer wieder vorzuhalten. Außerdem hatten sie während ihres Fluges im Kernschatten des Saturns auch keine visuelle Sicht. Ein kleines Schiff – wie es z.B. die Piraten gerne benutzten -  könnte es unter einem erfahrenen Captain  schaffen, an einer der hinteren Schleusen der Glaspalast anzudocken. Die Sicherheitscodes der Schleusen zu knacken war keine große Kunst – trotz der wertvollen Passagiere waren die Sicherheitsstandards nicht erhöht worden – und bis die Sicherheitsleute den hinteren Teil des Schiffes erreicht hatten, wären etwaige Eindringlinge schon zu weit ins Schiff vorgedrungen.

Welche Sicherheitsleute eigentlich, fragte sich Donat. Gut, es gab ihn  und Hannah Suttner, die Copilotin, außerdem noch  Dillan Bach, Offizier für Navigation und Kommunikation. Im Bauch der Glaspalast schwirrte noch eine drei Mann starke Technikcrew um Chefmaschinistin Laila Banderlow herum, aber das waren auch schon alle Besatzungsmitglieder der Glaspalast. Zwar wussten sie alle mit Waffen umzugehen und hatten auch die entsprechende Ausbildung genossen, aber um in einer Krisensituation wirkungsvoll agieren zu können, waren sie einfach zu wenige, da ja auch jeder im Ernstfall mit seinem Hauptaufgabenbereich genug zu tun hatte. Man hatte es nicht für nötig gehalten, ihnen Sicherheitspersonal mitzugeben, da die Offiziellen und die Siedlungsraumpolizei das Gebiet für sicher erklärt hatten. Zwar hatten die Patrouillen das Gebiet erst kürzlich von Piraten gesäubert, aber er glaubte nicht, dass sie alle erwischt hatten. Auch der Umstand, dass die Glaspalast ohne Eskorte fliegen musste, weil die Agentur bestimmte Sicherheitsbestimmungen aus Kostengründen nicht so ernst nahm, wurmte ihn.

Er würde keinen weiteren Flug für diese Agentur mehr machen, schwor sich Donat nicht zum ersten Mal auf dieser Reise. Sobald er konnte würde er kündigen und dann…. Die Sensoren erwachten wieder zum Leben.

Während Suttner routiniert die Checkliste durchging, überprüfte Donat die Sicherheitssysteme des Schiffes. Alles schien innerhalb normaler Parameter zu arbeiten – außer Schleuse 7. Laut den Systemen lag hier eine Störung vor. Donat brach der kalte Schweiß aus. Komm schon, Junge, eine Störung kann vieles sein, machte er sich Mut. Vielleicht liegt es immer noch am Magnetfeld des Saturns, vielleicht war der Sensor ja komplett ausgefallen oder anderswie beschädigt.

„Laila, schick mal einen Deiner Jungs zu Heckschleuse sieben“, schickte Donat seinen Befehl durch das schiffsinterne Kommunikationssystem an die Technikerin.

„Laila, hast Du verstanden?“

Die Stille nagte an Donats nerven. Konnten die Kommunikationssysteme ebenfalls beschädigt sein?

„Bach, was ist los mit dem System?“ Der Offizier drehte sich zu ihm um:

„Gar nichts, Sir, ich habe keine Fehlermeldung.“

„Warum antworten die dann nicht?“ Selbst die sonst unerschütterliche Hannah wirkte besorgt.

„Bach, kontaktieren Sie den Passagierraum, ich will wissen. ob da alles in Ordnung ist!“

Bis jetzt war alles einfach gewesen. Fast schon zu einfach. Sie hatten den Sicherheitscode der Luke geknackt, waren in das Schiff eingedrungen und hatten sich ihren Weg durch das Innere gebahnt, ohne Widerstand vorzufinden. Lind würde nie verstehen könne, warum man auf diese teueren Reisen keine Sicherheitsleute zum Schutz der wohlhabenden Reisenden abstellten. Erst im Maschinenraum waren sie auf zwei Mitglieder der Besatzung gestoßen, die aber zu überrascht waren, um sich wehren zu können. Allerdings hatten die Schüsse eine Frau in der Schaltzentrale aufgeschreckt, die sie mit ihrer C13 unter Beschuss nahm. Richtig brenzlig wurde es, als ein dritter Mann von irgendwo auftauchte und sie mit der Frau zusammen ins Kreuzfeuer nahm. Doch sie hatten Glück  - die C13 war ein altes Modell, bekannt dafür, hin und wieder Ladehemmungen zu haben, genau wie jetzt.

Nachdem die Frau ausgeschaltet war, war es nicht mehr schwer, den Mann ebenfalls außer Gefecht zu setzen. Gerade, als Lind über die Leiche des Maschinisten stieg, um das Schiff weiter zu erkunden, schaltete sich die Sprechanlage an.

„Laila, schick mal einen Deiner Jungs zu Heckschleuse sieben“ ertönte eine Stimme blechern durch die Halle.

„Laila, hast Du verstanden?“

Die gleiche Stimme, nun deutlich besorgt.

„Beeilen wir uns“, sagte Lind zu seinen Männern,

„Sie wissen, dass etwas nicht stimmt. Selbst diese verwöhnten Muttersöhnchen können eins  und eins zusammenzählen, viel Zeit haben wir nicht mehr“.

Sam, einer seiner Männer, hatte nach der Einnahme der Schaltzentrale die Pläne des Schiffes gefunden. Nun deutete er wild in eine Richtung; sprechen konnte er nicht, da man ihm bereits in jungen Jahren die Zunge herausgeschnitten hatte.

„Zum Passagierraum, Sam – so schnell es geht, verstanden?“, vergewisserte sich Lind. Der Stumme eilte voraus.

„Ja bitte?“

Die Stimme der Schwester klang zögerlich; zwar hatte man vor der Reise ihr und ihren vier Kolleginnen erklärt, wie man die Kommunikationssysteme der Glaspalast benutzte, aber dennoch schien sich die Schwester ihrer Sache nicht sicher.

„Hier spricht ihr Captain, Chris Donat. Ich wollte mich nur erkundigen, ob bei ihnen alles in Ordnung ist. Wir befinden uns nun wieder auf dem Rückflug.“

„Ja, danke, wir sind alle wohl auf. Unsere Schützlinge könne es kaum erwarten …“

Der Rest ihrer Worte ging in einem lauten Knall, angsterfüllten Schreien und dem Geräusch von Schüssen unter.

Sie hatten den Passagierraum schnell gefunden. Sie hatten wie immer die Sicherheitsroutinen der Automatictür überschrieben. Sie waren in das Abteil gestürmt,  ziellos Schüsse abgebend und wie wahnsinnig brüllend. Nun standen sie da wie erstarrt und blickten auf die Leichen zweier Frauen in Schwesterntracht. Drei weitere Schwestern hatten sich trotz ihrer Todesangst mit weit ausgebreiteten Armen schützend vor die Passagiere gestellt – eine Gruppe von Kindern im Alter von vielleicht 9 bis 15 Jahren. 

„Kinder?“

Lind fel aus allen Wolken.

„Ja, Mann, na und? Die schrei’n zwar mehr, wenn man ´se abknallt und quieken wie die Surrwürmer, aber braucht man nich so viel Munition, was? Sind ja kleiner, hahahaha“, mit einem dreckigen Lachen wollte Srebka an ihm vorbei stürmen und seiner Arbeit nachgehen. Lind hielt ihn mit einer schnellen Bewegung zurück.

„Was’n los, Mann?“ Srebka quengelte.

Er wollte Beute machen, dafür waren sie doch hier. Wieso plötzlich beim Anblick der Bälger Bedenken bekommen?

„Das sind Kinder, glaubst Du, die haben das große Geld? Glaubst Du, die haben Schmuck dabei?“

„Dann haben ihre Eltern Geld, sonst wären sie nicht hier.“ 

„Wir können keine Geiseln nehmen, dafür ist unser Schiff zu klein“.

„Dann lass uns den Kreuzer mitnehmen.“

„Bist du blöd, Mann, mit dem Riesenteil haben wir keine Chance gegen die Patrouillen, und Waffen haben wir auch keine.“

„Dann zieh’n wa wieder ab, oder was?“

„Sie haben uns gesehen, wir können uns keine Zeugen erlauben, lasst sie uns töten“.

„Leute, Leute, ganz ruhig!“ unterbrach Lind die Diskussion in der Mannschaft. Zuerst müssen wir…“

Weiter kam er nicht, denn ein Strahl schoss ganz knapp an seinem Kopf vorbei und brannte sich in die gegenüberliegende Wand. Das Chaos brach los.

„Verdammt, verdammt, macht die Tür zu, schnell, sie sind da!“

„Los, beeil Dich doch!“ Pat, die für so etwas zuständig war, arbeitet hektisch an dem Sicherheitscode der Tür.

„Geht das nicht schneller?“

„Ich arbeite am liebsten unter Druck“ fauchte Pat.

Durch den Gang sahen sie, wie die Mannschaft der Glaspalast heranstürmte, immer wieder feuernd. Durch die Wucht eines Treffers wurde einer seiner Männer, Srebka, an die Wand geschleudert, wo er bewegungslos liegen blieb. Wie in Zeitlupe schien sich die Tür zu schließen. Als sie endlich zu war, arbeitet Pat verbissen daran, den Code zu ändern, damit die Tür zumindest vorerst geschlossen blieb. 

„Hannah, sie sind bei den Kindern im Passagierraum, und wir sind draußen und können nicht rein, sie haben den Türcode geändert. Ich denke, wir haben einen erwischt, aber es sind noch mindestens vier von ihnen übrig“.

Donat gab seinen Bericht an die Brücke weiter, wo Hannah zurückgeblieben war.

„Ich schicke Dir Dillan hoch. Versucht irgendwie irgendwen zu erreichen, wir brauchen Hilfe, und zwar schnell.“ „

Was willst Du tun?“

„Ich versuche es mit Verhandlungen“, sagte Donat wenig überzeugend.

„Chris - Laila und die anderen….?“

Donat schüttelte den Kopf, obwohl er wusste, dass Hannah ihn nicht sehen konnte. „Ich spreche jetzt mit den Piraten“, sagte er nur.

Lind ließ seinen Blick über die verängstigten Kindergesichter schweifen. Verängstigt? Nein, verängstigt waren die Schwestern. Die Kinder wirkten seltsam ernst und gefasst. Der älteste von ihnen, ein wohl 15-jähriger Junge, erwiderte seinen Blick sogar direkt, anstatt auszuweichen oder auf den Boden zu starren. Sehr ungewöhnlich. Dass Srebka tot war, war gar nicht so schlecht. Er war das labile Element in der Mannschaft gewesen, ein Sadist, der weder sich noch seine Gefühle beherrschen konnte, und den er kaum hatte bändigen können. In dieser Situation konnte er keine Hitzköpfe gebrauchen.

„Was haben Sie nun vor?“, die Stimme des Jungen holte ihn aus seinen Gedanken. Wütend starrte Lind ihn an; wenn er das nur selber wüsste!

„Hier spricht Chris Donat, der Captain dieses Schiffes. Wir sind zu Verhandlungen bereit. Nennen Sie ihre Bedingungen.“

Lind tauschte verwunderte Blicke mit seinen Männern. Verhandlungen? Normalerweise wurde mit Piraten nicht verhandelt. Nun gut, sie waren hier in einer ziemlich guten Position bei den Kindern, aber nichts wäre leichter als ein entsprechendes Gas in den Raum zu leiten, bis alle bewusstlos wären, dann zu stürmen, mit ihnen kurzen Prozess zu machen und eventuellen Verluste bei den Geiseln – den Kindern – in Kauf zu nehmen. Es sei denn….

“Wer seid ihr?“ Lind wandte sich an den Jungen, der ihn angesprochen hatte.

„Das geht dich gar nichts an“, fauchte ein kleines Mädchen mit roten Locken und klammerte sich an den Jungen. Beruhigend legte dieser seinen Arm um sie. Mit der anderen Hand zeigte er mit einer weit ausladenden Geste auf die anderen Kinder. 

„Wir sind die Zukunft, die Zukunft der Erde.“ 

Lange Zeit hatte das Kommunikationssystem geschwiegen. Wie ein Tiger im Käfig war Donat auf der Brücke auf und ab gelaufen, bis Hannah in angezischt hatte, endlich Ruhe zu geben. Zwar hatte er sich gesetzt, aber immer wieder gereizt mit den Fingern auf die Lehne seines Aerosessels getrommelt.

„Warum melden die sich nicht?“

„Lasst uns den Raum fluten“, schlug Dillan halbherzig vor.

„Idiot – wenn auch nur einem Kind was passiert, bringen uns die Offiziellen, die Eltern und wer weiß ich noch alles um!“

„Sprich noch einmal mit ihnen“, schlug Hannah vor.

„Vielleicht…“

„Hallo!“

Diese Stimme kannten sie noch nicht.  Donat drückte die Kommunkationstaste.

„Wer zum…?“

„Hier spricht Dorian Green, Erstgeborener des Hauses Green der Ersten  Klasse von Erdenbürgern, Sohn und Nachfolger des rechtmäßigen Regenten. Wir haben mit Captain  Torben Lind freies Geleit und ungehinderten Rückzug für seine Leute vereinbart. Wir erbitten Bestätigung.“

Donat blickte Hannah und Dillan verständnislos an. Selbstverständlich kannte er das Haus Green, und die Bitte eines Mitgliedes dieses Hauses glich eher einem Befehl, dem man sich nicht widersetzen sollte, aber in diesem Fall...

„Erbe Green, wir haben wohl nicht richtig verstanden. Sagtet Ihr  freies Geleit und ungehinderten Rückzug für Piraten und Mörder?“

„Captain  Lind wird sich auf der Erde vor einem Gericht für seine Taten verantworten müssen. Er hat zugestimmt, mit uns zurückzukehren. Seine Leute haben nur auf seine Befehle hin gehandelt und sind nicht zu belangen. Es wird Ihr Schaden nicht sein, Captain  Donat, wenn sie tun, was ich verlange. Man Vater kann sehr großzügig sein, vor allem wenn man ihm seinen Sohn und Erben zurückbringt.“ 

Lind sah zu, wie das kleine Schiff, das einmal seines gewesen war, in den Ringen des Saturns verschwand. Die Besatzung der Glaspalast hatte Wort gehalten und seine Leute ziehen lassen. Er konnte noch immer nicht glauben, was er getan hatte und warum. Er hatte lange mit  Dorian Green geredet. Die Kinder an Bord des Schiffes waren die Erben der einflussreichsten Personen der Erde aus Politik, Kultur und Wirtschaft. Später würden sie alle die Aufgaben ihrer Väter oder Mütter übernehmen, worauf sie in jahrelangem Training vorbereitet wurden.

Die Reise zum Saturn hatte dazu gedient, den Siedlungsraum All aus der Nähe kennen zu lernen: Seine Planeten, seine Handelswege, seine Siedlungsformen, alles, was man von Bord eines Schiffes aus kennen lernen konnte. Die sozialen Probleme und die Klassengegensätze, die diese Welt beherrschten, standen nicht auf dem Stundenplan und hätten es auch niemals getan, wenn sie sich nicht selbst in Form von Torben Lind und seinen Piraten an Bord geschlichen hätten. Lind hatte den Kindern von dem Leben in den Camps berichtet, vom täglichen Kampf ums Überleben, von den zahlreichen Versuchen, genug Geld und Wasser zu beschaffen, um eine Aufenthaltsgenehmigung auf der Erde zu bekommen, von der wachsenden Verzweiflung, wenn man es wieder nicht schaffte.

Zunächst hatten die Kinder ungläubig und fasziniert gelauscht, wie man einer spannenden Geschichte zuhört, dann war ihr Unglaube in Verständnis umgeschlagen und schließlich in Ärger. Ärger über das bestehende System, die Offiziellen, ihre Eltern, alle, die es soweit hatten kommen lassen. Sie hatten gemeinsam den Beschluss gefasst, etwas zu verändern, spätestens dann, wenn sie selbst ein Amt bekleideten. Dorian hatte dabei so ernst und entschlossen gewirkt, dass Lind ihm tatsächlich zutraute, etwas zu bewirken. Wenn er sich vor einem Erdengericht verantworten musste, schien das ein geringer Preis dafür zu sein, dass es den Menschen im Siedlungsraum All eines Tages besser ging. Er war froh, dass den Kindern nichts passiert war.  Die Kinder sind unsere Zukunft, dachte Lind mit einem Lächeln, als er durch die großen Fenster der Glaspalast ins All blickte.

Save our Future, save our World.

 Alle Rechte bei der Autorin