Atomic Rocket; Archiv Eugen Reichl Platz zwei wurde beim SF-Wettbewerb von VFR, DLR und Astrium zweimal vergeben. Beide Stories erreichten exakt die gleiche Punktzahl.

Und beide Erzählungen sind wirklich unterhaltsam zu lesen und mit originellen Einfällen gespickt. Beginnen wir mit Bernd Holzhauers Geschichte über einen Berufszweig, den man sich für das Ende des 21. Jahrhunderts durchaus vorstellen könnte. Dabei handelt es sich nicht um einen langweiligen Bürojob, wie Sie gleich sehen werden. Informieren Sie sich jetzt über die wirtschaftlichen Möglichkeiten - und die damit verbundenen Gefahren - eines "Fischzugs" in der Region zwischen Erde und Mond.

Satellitenservice

Bernd Holzhauer

Tom, der rothaarige Lockenkopf, war groß und breit, und für einen Raumfahrer eher zu massig. Wenn er im Schott zum Cockpit der Bonanza auftauchte, war dieses fast komplett ausgefüllt. Auf Grund seines Erscheinungsbildes, würde man Tom eher für einen irischen Whiskybrenner halten, als für einen feinfühligen Kommunikationsingenieur. Joy dagegen

wirkte, typisch für ihre asiatische Herkunft, klein und zierlich und sah neben dem bulligen Tom eher zerbrechlich aus. Wobei dieser Eindruck täuschte, denn sie war gut trainiert, flink und sehr kräftig.

Tom und Joy hatten sich beim Militär kennengelernt. Am Ende ihrer Dienstzeit hatten sie gemeinsam einen ausgemusterten Truppentransporter gekauft, ihn entsprechend umgerüstet und sich damit selbständig gemacht. Nicht nur weil die Außenhaut durch die goldbraunen, flexiblen Solarzellen im Sonnenlicht wie Gold glänzte, sondern auch weil es für sie eine Goldgrube werden sollte, hatten sie ihr Boot auf den Namen "Bonanza" getauft.

Die Bonanza war ursprünglich ein Universaltransporter, primär für den Einsatz im Weltraum und als Landungsboot für atmosphärelose Planeten konstruiert. Sie hatte während der Mondkriege als senkrecht startender Transporter, Truppen und Nachschub auf dem Mond abgesetzt.

Über ihre Beziehungen aus der Militärzeit hatten Tom und Joy auch die ersten Aufträge für Wartungsaufgaben an Satelliten im Erdorbit erhalten und sie machten ihren Job so gut, dass sich daraus ein kleines, lukratives Unternehmen entwickelt hatte. Mit dem verdienten Geld hätten sie sich längst zur Ruhe setzen können, aber das Schiff war ihr Zuhause und ihnen gefiel das Leben im Weltraum.

Der Dritte im Team war Dotan. Ein auf den ersten Blick eher verstört wirkender, schwarzer Wuschelkopf, israelischer Abstammung. Er besaß die Fähigkeit sich sehr schnell in Technik aller Art einzuarbeiten. Manchmal hatte man den Eindruck, er könnte mit Computern und Satelliten reden oder gar persönliche Beziehungen zu ihnen aufbauen.

Dotan war ein hervorragender Praktiker, der seiner Intuition mehr vertraute als Logik und Technik. Und er verfügte über einen sechsten Sinn, mit dem er Dinge im Weltraum aufspürte, lange bevor sie von einem Ortungssystem erfasst wurden. Damit hatte er die Bonanza schon des Öfteren vor herumfliegendem Weltraumschrott bewahrt. Er war auch in der Lage, selbst gut getarnte Satelliten ohne deren genauen Standort bzw. Umlaufbahn zu kennen, aufzuspüren.

Die drei waren ein gut eingespieltes Team. Sie galten allgemein als sehr vertrauenswürdig, so dass sie neben Aufträgen der Industrie auch immer wieder für die Nordallianz militärische Satelliten betreuten.

Zu dritt hatten sie die Bonanza nach ihren Vorstellungen für Serviceeinsätze umgebaut.

Die hervorragenden Flug- und Manövriereigenschaften hatten Dotan und Tom noch verbessert und damit war die Bonanza ideal zur Aufnahme und zum Absetzen von Satelliten.

Der Bug der Bonanza bestand aus einem Druckkörper mit Cockpit, großem Aufenthaltsraum und mehr Kabinen als sie eigentlich brauchten. Tom und Dotan hatten einige davon als Lagerraum und Werkstatt umfunktioniert und trotzdem konnten sich an Bord noch bis zu 10 Leute bequem aufhalten.

Zwischen Druckkörper und Heck war die große Mittelplattform. Sie konnte Objekte bis zu 50 Meter Länge und 20 Meter Breite aufnehmen. Moderne Raumanzüge hatten zwar mit den unförmigen Teilen aus der Pionierzeit der Raumfahrt nichts mehr gemeinsam. Sie waren deutlich flexibler und beweglicher geworden und trotzdem war es oft notwendig, einen Satelliten ohne störenden Raumanzug bearbeiten zu können. Daher konnte man die Plattform mit einem aufblasbaren, luftdichten Zeltdach in eine Art Hangar wandeln.

Reparaturen an den Objekten konnten dort mit entsprechend feinerem Werkzeug und empfindlicheren Messgeräten durchgeführt werden.

Im anschließenden Heck waren leistungsfähige Vorschub-Triebwerke, mit denen die Bonanza auch mit modernen Raumjägern mithalten konnte.

* * * * *

Auf ihrer jetzigen Tour hatten sie mehrere geostationäre Satelliten zum Betanken und für Routineservices angeflogen. Anschließend waren von ihnen zwei Überwachungssatelliten aufgenommen worden, die sie zur NASS-Alpha bringen sollten. Wie meistens auf ihren Flügen, hatten sie zusätzlich etwas gefährlichen Weltraumschrott eingesammelt, von dem es seit den Mondkriegen in dieser Region mehr als genug gab. Gefährlicher Schrott deshalb, weil dessen unregelmäßige Bahnen öfters Kollisionen mit regulären Raumfahrzeugen verursachte. Jährlich waren ein paar Zwischenfälle dieser Art zu beklagen, die aber zum Glück meist glimpflich abliefen. Der Schrott war aber nicht nur gefährlich, sondern er brachte, zumindest die größeren Teile, auch gutes Geld.

Während sie die Überwachungssatelliten zur Aufnahme suchten, hatten sie durch besonderes Glück und Dotans Gespür, noch ein Hurenkind gefunden. Hurenkinder nannte man verlorenen gegangene Satelliten, von denen weder Aufenthaltsort oder Existenz bekannt war. Das Eigentum ging automatisch an den Finder über. Je nach Erhaltungsstufe war ein solches Hurenkind ein Vermögen wert. Entweder löste es der ursprünglich Eigner aus oder man brachte es zur Versteigerung.

Wo es wertvolles zu finden oder einzusammeln gab, gab es auch Menschen, die am Rande oder jenseits der Legalität damit ihr Glück suchten.

Raumpiraten, während der Mondkriege offiziell von beiden Seiten als Störenfriede eingesetzt, wurde mittlerweile von der Nordallianz (NA) als Terroristen gejagt. Es war ein offenes Geheimnis, dass die Mitte-Ost-Union (MEU), den Piraten Unterschlupf auf ihren Mondbasen bot. Den Rest an Sicherheit konnten die Piraten mit Schmiergeldern bei den entsprechenden Verwaltungen erkaufen.

Die Piraten hatten in der Vergangenheit gut von gekaperten Satelliten gelebt. Dabei waren sie so dreist gewesen, dass sie speziell Militärsatelliten direkt aus ihren Umlaufbahnen geklaut hatten. Selbst für so heiße Ware fanden sich immer wieder Abnehmer.

In Folge wurden militärische Satelliten und Flugkörper neben Tarneinrichtungen auch mit Selbstverteidigungs- und Selbstzerstörungsanlagen ausgerüstet. Letztere zerstörten die beim unbefugtem Öffnen oft auch die direkte Umgebung. Wenn die Crew um Joy solche Satelliten betreuen sollten, wurden sie mit entsprechenden mechanischen und elektronischen Schlüsseln versehen.

Die Bonanza befand sich mittlerweile auf dem Weg zur NASS-Alpha um dort die beiden Satelliten abzuliefern. Die Alpha selbst war eine Art militärisches Fort mit einer starken Bewaffnung, die noch aus den Mondkriegen stammte. Derzeit wurde die Raumstation mehr als Ausbildungscamp und zur militärischen Forschung benutzt.

Joy wusste um die Brisanz der Ladung und würde erst aufatmen, wenn sie die beiden alten SATs an der Alpha abgeliefert haben würden.

Die Bedrohung durch Piraten ließ die Crew der Bonanza wachsam sein. Wenn jemand wusste ... und die Piraten verfügten über Informanten in allen möglichen Stellen ... dass sie drei alte Schätze an Bord hatte, dann war schon mehr als ein Piratenschiff auf ihren Fersen. Mit den zwei Satelliten und dem Hurenkind wären sie auch eine außergewöhnlich wertvolle Beute.

Wegen der permanenten Gefahr durch Piraten hatten sie die ehemaligen Geschütze des Bootes modernisiert und Dotan hatte die Zielcomputer selbst entsprechend modifiziert. In weniger als einer Stunde würden sie in die Reichweite der Geschütze von NASS-Alpha kommen und diese würden ihnen einen zusätzlichen Schutz bieten.

Joy hatte ihre Ankunft schon vor geraumer Zeit bei der Alpha-Anflugkontrolle gemeldet.
Einen großen Teil ihrer Servicetour waren sie mit einem gefakten Transponder-Code geflogen, damit niemand Rückschlüsse auf ihre Tätigkeit oder gar ihre Fracht schließen konnte.
Man weiß ja nie. Jetzt im Anflug auf die NASS-Alpha strahlten sie den gültigen Transponder-Code der Bonanza mit einer verschlüsselten Sicherheitssignatur ab. Verschlüsselte Signaturen hatte man eingeführt, nachdem die Piraten falsche Transponder-Codes zu ihrer Tarnung nutzten.

Auf dem Longrange-Sensor hatte Dotan einen verdächtigen Blip in der Nähe ihres geplanten Kurses ausgemacht. Das konnte ein größeres Stück Schrott sein oder aber ein Schiff mit Tarnkappe. Es sendete auf jeden Fall kein Transponder-Signal.

Er markierte das Echo: "Würde mich interessieren, was das ist. Mit Unterstützung durch den Computer würde er jetzt das Teil genauer untersuchen. Das Radar war wenig aufschlussreich. Die Ursache des Blips lag im Erdschatten, so dass eine normale Teleskopkamera es nicht zeigen würde. Aber Tom und Dotan hatten vor einiger Zeit aus einem alten Satelliten einen phantastischen Restlichtverstärker ausgebaut und an das Teleskop gekoppelt. Da half auch Verstecken im Erdschatten nichts.

Der Computer richtete die Kamera aus und zoomte das Etwas heran. Deutlich waren die Umrisse eines schnellen Raumbootes zu erkennen. Joy markierte das Bild und schaltete verschlüsseltes Intercom ein: "Alpha-Control für Bonanza ..."

"Hallo Joy, hier Bob, Alpha-Control". Auf dem Bildschirm erschien das Bild von Bob, einem gutem Bekannten und altem Freund der Bonanza Crew.

Joy startete die Datenübertragung: "Bob, hier sind ein Bild und die Koordinaten eines UFOs. Wir sehen es deutlich in unserer Optik, aber es versteckt sich unter einer Radartarnung und sendet keinen Transponder. "

"Ok, verstanden, ich schicke die Jäger raus. Die werden sich die Sache ansehen. Auf unseren Schirmen ist nichts zu erkennen. Laut unserem Leitsystem werden wir die Bonanza in 16 Minuten in Sichtkontakt bekommen und in 25 Minuten seid ihr in unserer Sicherheitszone".

Joy ahnte, dass jetzt auf der Raumstation die Sirenen heulten und die Crews der Jäger einen Alarmstart durchführen würden. Auch die Geschütze der Alpha würden jetzt gefechtsbereit gemacht und zwar nicht, wie sonst auf der Station üblich, für einen Übungsdrill, sondern für das, was durch die Übungen immer wieder trainiert wurde.

Joy und Dotan sahen die Angelegenheit trotz aller Anspannung ziemlich gelassen. Es war nicht ihre erste Begegnung mit Piraten und sie wussten, dass sie sich sowohl auf den Bordcomputer, als auch auf ihr Waffensystem und erst recht auf die Beschleunigung der Bonanza verlassen konnten.

"Soll ich ein Mock setzen?  fragte Dotan in die angespannte Stille.

Joy blickte ihn kurz an: "Besser ist's."

Dotan aktivierte ein paar Schalter und hämmerte auf seine Tastatur ein: "Na, dann schauen wir mal, ob die uns von unserem Projektionsbild unterscheiden können".

Tom war durch den hochlaufenden Generator auf die Situation aufmerksam geworden und in das Cockpit gekommen: "Ist was besonderes?"

"Naja, wir haben vor uns ein UFO und vermuten, dass es Piraten sind. Ein Mock ist bereits aktiv."

"Setz bitte noch einen zweiten und schalte unsere Tarnung ein. Vielleicht fallen sie ja drauf rein. Ich werde versuchen dem Transpondersignal einen Offset zu verpassen, dann sieht es so aus, als würde es aus einem der Mocks abgestrahlt."

Die Bonanza verfügte Über ein Tarnsystem, das jedoch durch ihre große Konstruktion nicht sehr wirksam war. "Eine gute Idee. Ich werde die beiden Mocks so setzen, dass sie weit genug von uns weg sind, aber trotzdem unser Restsignal verdecken. Dann sollten wir kein Ziel für ihre Geschütze abgeben.

Joys Blick sollte Tom beruhigen: "Unser größter Vorteil ist, dass sie wahrscheinlich von den beiden Satelliten wissen und sie unbeschadet haben wollen. Also werden sie keine Raketen oder ähnliches einsetzen. Außerdem ist Alpha bereits informiert und die Jäger sind unterwegs. Die dürften das UFO schneller erreichen als wir in dessen Reichweite kommen".

"Sicher ist sicher", entgegnete Tom und modifizierte den Transponder.

Dotan schaltete die Waffensteuerung zum Bordcomputer durch. Der zweite Generator sprang an, um die Laserbatterien zu laden.

"Wenn die da drüben schlau sind, können sie unsere hochlaufenden Generatoren anpeilen", murmelte Joy.
"Falls die schlau sind, verpissen sie sich. Dann sollten sie durch die Peilung erkennen, dass wir gewarnt sind und nicht auf ihr Versteckspiel reinfallen".

"Ich habe zwei Jäger in der Peilung ... die fliegen ja völlig ohne Tarnung! " staunte Dotan.

"Vielleicht wollen die ihre Macht demonstrieren und hoffen darauf, dass das UFO aufgibt und verschwindet", gab Tom zu bedenken "Ich würde es jedenfalls so machen, wenn ich drüben das Kommando hätte".

Joy blitzte ihn an: "Hast du aber nicht! Und ich würde, soweit ich könnte, mich unter Tarnung an das Teil ranschleichen, um ihm gezielt einen Schuss in die Haupttriebwerke zu verpassen. Aber wir sind hier und sollten uns nur um uns selbst kümmern". Und an Dotan gewandt: "Ist der Buglaser klar?"

"Und hat das Ziel schon im Visier, Chefin! ", so nannte er sie manchmal, wenn sie ihm eine aus seiner Sicht unnötige Frage stellte.

Plötzlich blitzte vor ihnen etwas auf. Der Restlichtverstärker der immer noch ausgerichteten Optik übersteuerte hoffnungslos...

"Hoffentlich ist der nicht kaputt gegangen",  kommentierte Tom den Vorgang. "Was meinst du?" Joys Augen verrieten, dass sie Tom nicht folgen konnte. "Wäre doch gut, wenn sie das UFO erwischt hätten".

"Ich meine doch den Restlichtverstärker. Das UFO ist mir egal".

"Ich habe jetzt eine Radarortung". Dotan blickte gespannt auf seinen Monitor. "Der Schuss kam aber von keinem der beiden Jäger. Da muss noch was anderes sein".

Die Regelung fing sich langsam wieder und auf dem Bildschirm konnte man erkennen, dass das Boot im Bereich der Triebwerke einen deutlichen Schaden aufwies ... es trat

irgendeine Flüssigkeit aus, die sofort gefror. Das Boot driftete ab und die Elektronik der Kamera folgte seiner Bewegung.

Dotan verringerte die Zoomstufe und vergrößerte somit das Sichtfeld. "Das war schlau, die haben einen dritten Jäger mit Tarnung direkt an das Boot manövriert. Die beiden anderen waren nur ein Ablenkungsmanöver".

In diesem Moment traf ein fetter Laserstrahl das rechte der beiden Mocks. Das Licht im Cockpit flackerte kurz, dann brach die getroffene Projektion zusammen.

 

"Whow, das mit der Ablenkung scheint nicht nur die eine Seite zu beherrschen". Man konnte die Überraschende Anerkennung in Joys Gesicht lesen. "Wo ist das Teil, das uns beschossen hat?" Dotan schien die Ruhe selbst. Und während er mehrere Monitorperspektiven gleichzeitig änderte, bestätigte er bereits: "Ich hab's schon, gleich mach ich denen Feuer unterm Hintern".

Er setzte einen Marker auf dem Schirm an eine Stelle, an der rein gar nichts zu bemerken war. Die Entladung des Buglasers ließ die Bonanza erzittern. Der Bordcomputer glich die durch den Schuss entstandene kleine Kursabweichung sofort aus.

In der Ferne war das Auftreffen des energiereichen Laserstrahls auf ein bis dahin unsichtbares Hindernis zu sehen. Der Strahl fraß sich hinein und löste mehrere Explosionen aus. Ein gespenstisches, jedoch aus der Sicht der Bonanza lautloses Inferno.

"Gratuliere, der saß!" Tom staunt immer wieder über Dotans Fähigkeiten. "Ich hoffe nur, dass die nicht noch mehr versteckte Boote hier draußen haben".

Joy nahm einen einlaufenden Funkspruch entgegen: "Bonanza ready".

"Hallo Bonanza, hier ist Eagle Leader. Haben Sie irgendwelche Schäden? "

"Nein, die haben nur unser Mock getroffen. Die Bonanza ist unversehrt".

"Freut mich zu hören. Ich denke, wir haben die Piraten erwischt. Unsere Sensoren zeigen als Fremdkörper nur die beiden Boote, ansonsten noch nicht mal Weltraumschrott in der Nähe an. Wir werden uns um die Beiden kümmern. Bitte fliegen sie weiter zur NASS-Alpha".

"Danke, Eagle Leader, wir werden unseren Anflug fortsetzen".

"Copy and out".

Die NASS-Alpha stieg über den Horizont und Joy forderte den Leitstrahl an: "Alpha Control, hier Bonanza, haben Sichtkontakt. Bitten um Landerlaubnis und Leitstrahl."

Bob hatte scheinbar schon auf den Anruf gewartet: "Bonanza, Erlaubnis erteilt. Leitstrahl für Dock 7A aktiviert".

"Copy, Anflugautomatik ist auf Leitstrahl 7A gerastet. Bob vielen Dank für die prompte Hilfe".

"Bin froh euch heil zu sehen. Außerdem sind es unsere SATs. Die lassen wir uns doch nicht entführen. Bleibt ihr länger auf der Alpha, oder wollt ihr sofort zur NASS-Bravo weiterfliegen? In ein paar Stunden ist mein Dienst zu Ende und mein großes Break beginnt.

Die sieben Tage Freizeit würde ich gerne für einen Kurzurlaub auf der Bravo nutzen und ihr könntet mir die Passage spendieren."

"Wir bleiben nur ein paar Stunden. Haben noch eine Besprechung mit dem Chief. Mal sehen wie lange die dauert ... aber wir nehmen dich auf alle Fälle mit".

"Ok, dann bis später."

"Roger und out."

Joy hatte die Landeautomatik eingeschaltet. Sie war schon zu oft geflogen, als dass sie noch den Ehrgeiz für eine manuelle Landung gehabt hätte. So konnte sie die Unterlagen für die Besprechung noch ergänzen und sich ein wenig frisch machen.

Tom und Dotan verzogen sich nach hinten, um die letzten Kontrollen bei der Fracht zu machen. Auch das Hurenkind musste versteckt werden. Das war ihre Beute und die ging keinen etwas an. Und schon gar nicht die Dockarbeiter der NASS-Alpha.

* * * * *

Das Andocken war problemlos verlaufen. Dotan hatte mit den Dockarbeitern die beiden SATs entladen. In der Besprechung hatten Tom und Joy kurz einen Bericht über ihre Arbeit und den kleinen Zwischenfall abgegeben und anschließend Termine für neue Aufträge besprochen.

Tom hatte sich mit Arbeit entschuldigt und das Meeting vorzeitig verlassen. Er hatte einen Blick in das Kasino geworfen um nach alten Bekannten Ausschau zu halten. Dort hatte er allerdings kein Glück und bei seiner vorzeitigen Rückkehr zur Bonanza traf auch schon Bob ein. "Habt ihr noch Platz für einen weiteren Passagier? Das hier ist Alex, unsere netteste Technikerin. Sie möchte mal wieder ein richtiges Essen von richtigen Tellern in der Gravitation auf der Bravo-Station genießen."

Tom schaute Alex an. Sie trug einen der typischen Stationsoveralls. Nicht gerade vorteilhaft für die Figur. Trotzdem sah sie darin blendend aus. "Einer so hübschen jungen Frau kann ich das nicht abschlagen", schmunzelte er, "dafür riskiere ich sogar einen Rüffel von Joy. Selbstverständlich darf Alex mitkommen. Willkommen an Bord" Dotans erstaunter Blick war Tom aufgefallen: "Dotan, zeigst du den beiden bitte die Kabinen?"

Dotans Erstaunen und Freude über die unerwartete Gesellschaft war deutlich ersichtlich und begeistert sagte er: "Natürlich. Alex, Bob, hier entlang."

 Und an Alex gewandt: "Wenn du willst, zeige ich dir gerne die Bonanza ... Bob kennt sie ja schon".

"Oh gerne. Bob hat mir viel über euer Boot erzählt, aber ich hatte mir das doch kleiner vorgestellt".

"Wir haben einen zusätzlichen Gast", begrüßte Tom die zurückkehrende Joy. "Ich glaube, Dotan ist etwas aus dem Häuschen."

Er zwinkerte Joy zu, die ihn verständnislos anschaute.

"Bob hat Alex mitgebracht. Du weißt doch seine Nichte ... und die ist verdammt hübsch."

"Tom! ... ", Joy knuffte ihn in die Seite, "dafür bist du doch viel zu alt".

"Zu alt ist man nie. Aber ich stehe bei dir ja unter Dauerkontrolle und Bob ist unser Freund und..."

"Lass mal gut sein."

"... na, und nach all den Jahren bist du doch immer noch meine Nummer zwei."

"Die Zwei?" Joys Stimme erhob sich, "die Zwei? Und wer ist die Eins?"

"Na unsere gute alte Bonanza", beendete er lachend den kleinen Disput.

Joy schlang ihm die Arme um den Hals. in der Schwerelosigkeit war der Größenunterschied der beiden kein Hindernis: "Ok, das ist die Einzige, die du neben mir haben darfst. Damit kann ich leben ... obwohl die Nummer Eins..."

Der Rest ging in dem Kuss unter, den Bob ihr verpasste.

Sie schwebten ins Cockpit. Joy stieg wieder in den Pilotensitz. Tom ließ sich auf dem Platz des Flugingenieurs nieder: "Ich glaube nicht, dass Dotan kommt. Du wirst schon mit mir als Copilot fliegen müssen."

"Ok, dann schließ die Schotten und wir fliegen zur Bravo." Den Flugplan hatte Joy schon auf dem Rückweg beim Control-Team hinterlegt. Sie programmierte den Kurs, meldete sich kurz ab und überließ dem Computer den Abflug. Der würde sie auch sicher zur Bravo bringen.

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