Aufbau der Raumstation Neues Universum Nr. 67 1950; Credit: Klaus Bürgle Führung durch die Raumstation  

Detailreich, technisch machbar, anschaulich. Recht sauber im Stil. So das Urteil der Jury über Bernd Holzhauers Beitrag.

Und realistisch, denn so könnte eine Raumstation im Jahre 2100 tatsächlich aussehen. Der einzige kleine Nachteil der Story: Sie ist fast handlungsfrei. Es ist ein Urlaubsbericht aus der Zukunft, hat aber wegen seiner Beiläufigkeit seinen Reiz.

Nachdem sich die meisten der Jury-Mitglieder jedoch ein wenig "suspense" von einer SF-Geschichte erwarteten, landete Bernd Holzhauer, zumindest mit dieser Story (auf einen weiteren Beitrag von ihm kommen wir noch) nicht ganz vorne.

Was aber nicht heißen soll, dass er sich nicht einiges hat einfallen lassen. Machen Sie doch einfach mit bei Lisas und Fritz's Tour durch NASS-Bravo. Es kommt Ihnen vor, als wären sie mit dabei.

Führung durch die Raumstation 

Bernd Holzhauer

Lisa und Fritz wollten den anstehenden Wechsel zum 22. Jahrhundert auf der NASS-Bravo verbringen. Sie hatten sich für ihren Neujahrsurlaub im Holiday Inn der Raumstation eingebucht.

Am Vorabend hatten sie an der Rezeption Tickets für eine Führung durch die Station erstanden. Also waren sie zeitig aufgestanden und hatten gut gefrühstückt. An die mit etwa einem Fünftel der Erdschwere viel geringere, künstliche Schwerkraft auf der Station hatten sie sich sehr schnell gewöhnt.

Fritz hatte während seiner Militärzeit lange Zeit in der Schwerelosigkeit verbracht und die Vorteile künstlich erzeugter Schwerkraft sehr schnell erfasst. Sie definierte ein Oben und ein Unten. Fritz wusste, es waren die kleinen und kleinsten Partikel, die einem den Aufenthalt in der Schwerelosigkeit zur Qual machen konnten. Hier schwebten sie nicht endlos umher, sondern fielen einfach wie Staub zu Boden und wurden von den allgegenwärtigen Robocleanern aufgesaugt.

Lisa und Fritz saßen in der Lobby des Hotels, deren Ausgang direkt auf den Platz der Kosmonauten führte und warteten auf den Beginn ihrer Tour. 

"Fritz? "

Er hatte sich an der Rezeption eine Art Reiseführer mit vielen Abbildungen und Fotos der Raumstation auf seinen Digital Reader geladen und blätterte nun zum Zeitvertreib darin herum.

"Fritz! Gut dass du mich zu diesem Urlaub Überredet hast. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen und hatte geglaubt, das hier oben sei alles sehr eng, nur Blech und Kunststoff, und wir müssten hier auf jede Annehmlichkeit verzichten. Nun finde ich es hier oben komfortabler als auf unserer letzten Kreuzfahrt. Und erst die Aussicht auf die Erde. Sie sieht von hier so anders aus. Von hier erkennt man, dass auch die Erde nur eine Art Raumschiff für uns Menschen ist. Das einzige was mir hier oben im Vergleich zur Kreuzfahrt fehlt, ist das Sonnenbad am Oberdeck."

"Ach Schatz, auch so was kannst du hier haben. Es gibt hier alle Arten von Fitness Clubs. Einer dieser Clubs hat sogar Sand hier herauf bringen lassen und man kann sich dort an den künstlichen Strand legen und die Sonne genießen. Sportclubs gibt es hier wie Sand am Meer und sie bieten alle möglichen Sportarten an. Schau ..."

Er reichte ihr den Reader und Lisa begann darin zu blättern. "Das kann ich gar nicht glauben. Hier kann man ja sogar Skifahren, Radfahren, Reiten und Tauchen. Wie soll das denn funktionieren? Es gibt doch hier oben sicher kein Pferde - oder Schnee und Berge? Das geht doch gar nicht. Ob die uns das nachher bei der Führung auch zeigen?"

"Ich glaube nicht. Wir können ja morgen einfach einen solchen Sportclub besuchen und es selber probieren. Dann sehen wir, wie das geht. Ich glaube das funktioniert alles mit Virtual Reality. Es ist unvorstellbar, was die moderne Technik heute alles leistet."

"Hier steht, die Sportclubs wurden ursprünglich für die Besatzung der Station entwickelt, damit Muskeln fit und Knochen stabil bleiben. Und heute sind sie geradezu eine Touristenattraktion. Habt ihr so was früher auch gehabt?" 

"Ja, nur nannten wir es die Tretmühle. Das waren Fahrrad- und Laufsimulatoren, auf denen wir täglich ein bis zwei Stunden absolvieren mussten. In der Schwerelosigkeit verliert man sonst sehr schnell seine Muskelkraft."

"Ach, das weiß ich doch. Neulich, ich glaube es war Weihnachten 98, als der Onkel der Schwiegertochter von Selma auf Besuch war, hatte er riesige Probleme. Er hatte zehn Jahre auf dem Mond gelebt und war beim Gehen auf der Erde immer nach nur ein paar Schritten ziemlich fertig. Ich glaube der war froh, als er wieder auf den Mond durfte." 

"Das wundert mich nicht. Allerdings gibt es auch auf dem Mond entsprechende Trainingsmöglichkeiten. Nur werden die Mondbewohner nicht so rigoros angehalten, wie die Raumfahrer und Stationsbewohner. Sie sind selbst schuld, wenn sie sich zu einem Besuch auf der Erde nicht vorbereiten." 

"Ich glaube da vorn geht die Führung gleich los. Komm lass uns rübergehen," Lisa gab den Reader zurück und stand auf. 

* * * * * 

Sie begaben sich zu einer kleinen Gruppe, die draußen auf dem Platz neben einer Art Zug stand. Ein ähnlicher Zug, wie man ihn auch auf der Erde seit mehr als hundert Jahren zu Rundfahrten nutzte.

"Guten Morgen, meine Damen und Herren. Mein Name ist Nancy und ich bin für heute ihr Tourguide. Wir werden heute die wichtigsten Teile der Spacestation NASS-Bravo kennen lernen. Mit diesem Zug werden wir durch die Station fahren".

Nancy hielt einen portablen Holoprojektor in ihrer Hand und ließ damit ein 3D-Modell der Station in der Luft erscheinen. Deutlich waren die drei großen Ringe der Station zu erkennen.

"Hier sehen sie, wie die Station aufbaut ist. Die Basis der Station bildet die Nabe und diese drei großen Ringe. Die Ringe sind mit jeweils sechs Streben an der Nabe befestigt. In den Verbindungen zwischen den Ringen befinden sie Hotels, Büros, Sammelunterkünfte für Umsiedler, Geschäfte, Werkstätten und alle 60 Grad um die Station herum sehen sie die großen Querstreben mit den Docks. Wie sie außerdem sehen können, sind die Abstände der Ringe noch nicht ganz gefüllt und bieten noch reichlich Platz für zukünftige Erweiterungen".

"Die Nordallianz hat mit dem Bau der Station 2061 begonnen und da es ihre zweite permanente Station im Erdorbit war, hat sie den Namen NASS-Bravo erhalten, wobei NASS für North Alliance SpaceStation steht. Die erste Raumstation der Nordallianz, die NASS-Alpha ist wie sie wahrscheinlich wissen, ausschließlich Forschung und Militär vorbehalten und verfügt über keine künstliche Gravitation. Doch zurück zur NASS-Bravo.

Ihre Ringe haben einen Durchmesser von 3.200 Meter und durch die Rotation der Station, entsteht hier in den Ringen eine Fliehkraft, die uns sanft an die Außenwand der Ringe drückt. Die Station dreht sich in drei Minuten um sich selbst und erzeugt so etwa ein Fünftel der Erdschwere".

Während Nancy sprach, leuchteten im Modell die entsprechenden Teile der Station auf. Damit war eindeutig zu erkennen, welches Teil sie gerade erwähnte.

"Ursprünglich bestand die NASS-Bravo nur aus dem mittleren Ring. Der Nordring, das ist dieser hier zum Bug hin, wurde als erste Erweiterung der Station in den achtziger Jahren hinzugefügt und der Südring etwa zehn Jahre später. Die Ringe bilden gleichzeitig Korridore rund um die Station. Im mittleren Ring verläuft die sogenannte Central Ave. Eine Ringstrasse von zehn Kilometern Länge. In der Nabe, der Rotationsachse der Station, wirkt die Fliehkraft nicht. Dort herrscht Mikrogravitation, die für die dort ansässigen Laborbetriebe zum Teil sehr wichtig ist. Aber auch unsere Uniklinik hat dort eine Station, in der spezielle Krankheiten, wie z.B. extreme Hautverletzungen hervorragend behandelt werden können.

Ich bitte sie jetzt einzusteigen und die Sicherheitsbügel zu schließen. Keine Angst, die Fahrt wird gemütlich werden, aber die Sicherheitsbügel sind Vorschrift. Die Wagen des Zuges besitzen ein Dach, dass sich automatisch schließt, wenn wir in den Bereich der Mikrogravitation eintreten um diesen vor Verunreinigungen zu schützen. Zu unserer kleinen Reise gehört außerdem eine Außenbord Passage. Auch dazu muss das Dach natürlich geschlossen sein".

Lisa und Fritz stiegen in einen der Wagen. Sitze und Sicherheitsbügel waren fest aber elastisch, passten sich automatisch den Körperformen an und erlaubten ein bequemes, ermüdungsfreies Sitzen.

Der Platz der Kosmonauten bildete auf der Bravo den Nullpunkt des erdähnlichen Koordinatensystems. Der Äquator der Station verlief durch den mittleren Ring. Der Bug war als Nord und das Heck als Süd definiert.

Wenn man auf dem Platz stand, verlor man schnell das Gefühl sich in einer Raumstation zu befinden. Rund um den Platz befanden sich Hausfassaden, die durch einen optischen Trick, eine nicht vorhandenen Größe vortäuschten. Spezial Projektoren in den Deckenelementen zeigten einen wolkenlosen, blauen Sommerhimmel und ließen die wärmenden Sonnenstrahlen durchscheinen. Die wirkliche Höhe war nicht abschätzbar, musste jedoch viele Meter betragen, weil die Alleebäume hier an die 20 Meter hoch waren.

Die Central Ave führte mitten durch den Platz hindurch und schien in beiden Richtungen leicht bergauf zu gehen. Soweit das Auge reichte, war sie von Gebäuden gesäumt. Deutlich waren auch die vielen kleinen Seitenstraßen zu erkennen, die rechts und links abzweigten. Obwohl alles sehr symmetrisch war, hatte man durch die geschickte Architektur des Platzes den Eindruck, sich auf dem Marktplatz einer mediterranen Stadt zu befinden.

Nachdem alle Fahrgäste eingestiegen waren, setzte sich der Zug in Bewegung und folgte der Central Ave Richtung Westen. Die Central Ave selbst bestand hier aus einer breiten Fahrbahn. Auf drei Fahrspuren in jeder Richtung bewegten sich hauptsächlich Versorgungsfahrzeuge und Robotaxis. Die Fahrzeuge waren oben offen und hatten eine gewisse Ähnlichkeit mit Elektrokarren des 20 Jahrhunderts, nur dass sie üblicherweise von Pressluftmotoren angetrieben wurden.

Breite Grünstreifen mit Alleebäumen, Blumen und Sträuchern trennten die Fahrbahn rechts und links von Fußwegen, in denen Laufbänder hastenden Passanten ein schnelles und bequemes Fortkommen erlaubten. Die in den Straßencafés sitzenden Gäste nahmen der Szene jedoch den Eindruck einer hektischen Stadt.

Ein Bildschirm flackerte vor Lisa und Fritz auf und unterstütze Nancys Erklärungen durch Bilder und Grafiken: "Rechts sehen sie die große Bibliothek und das Raumfahrtmuseum und links die katholische Kirche St. Anna gefolgt von der Großen Moschee. Danach kommt dort die "City Hall" genannte zentrale Verwaltung der Station. Wie der Name schon sagt, die Verwaltung. Die Station wird von Control-Räumen aus gesteuert. Diese werden wir zum Schluss unserer Tour sehen".

Mit zunehmender Entfernung vom Platz der Kosmonauten wurden die Gebäudefassaden niedriger. Der Verkehr auf der Central Ave war ruhiger geworden und die Straße selbst nur noch zweispurig.

* * * * *

Als sie die Central Ave so weit gefahren waren, dass die Gebäude zurückblieben, konnte man links neben der Straße ein breites Rollband mit Containern darauf erkennen.

"Dies hier ist ein Teil des automatischen Container Transport Systems. Die Shuttles docken rund um die Station an. Das macht den Transport der Container zwischen den Shuttles und den Lagerplätzen notwendig. Diese Bandstraßen laufen vollautomatisch.

Die NASS-Bravo ist ein großer Weltraumbahnhof. Hier werden Fracht und Passagiere von den Stratosphären-Shuttles auf Mondfähren und die Transferschiffe zum Mars umgeladen. Das tägliche Frachtaufkommen liegt bei durchschnittlich 5.000 Tonnen. Bei einem Durchschnittsgewicht von 5 Tonnen je Container sind das etwa tausend Container pro Tag".

"Der Mond ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Alle Transporte von und zum Mond laufen derzeit über die NASS-Bravo. Die Station hat sechs Dockbereiche auf ihrem Umfang verteilt. Die andockenden Shuttles verursachen Unwuchten, die sich jedoch durch die Verteilung der Docks rund um die Station weitestgehend ausgleichen. Ein zusätzlicher Feinausgleich wird durch Umpumpen von Wasservorräten automatisch durchgeführt.

Auf der rechten Seite sehen sie den großen Park ... passend zur Central Ave hat er den Namen Central Park erhalten. Durch diesen Park verlaufen kilometerlange Fußwege, über die man stundenlang spazieren gehen kann. Viele der Stationsbewohner nutzen den Park gerne zum Joggen.

Falls sie dort spazieren gehen, beachten sie bitte unbedingt, dass es verboten ist, Pflanzen und Pflanzenteile abzubrechen oder mitzunehmen. Die Anpflanzungen haben sehr, sehr viel Mühe gemacht. Ihre Unterhaltung ist teuer und entsprechend hoch fällt das Bußgeld aus, wenn man dem Verbot zuwiderhandelt. Also: Blumenpflücken ist hier nicht nur während der Fahrt verboten".

In das Lachen der Fahrgäste mischte sich die Frage: "Was macht die Pflanzen hier denn so wertvoll? Kommt das durch den Transport von der Erde?"

"Die hier verwendeten Pflanzen sind spezielle, gentechnische Züchtungen für Raumstationen und große Transferschiffe. Die ursprünglich von der Erde angelieferten Pflanzen haben mit ihren Samen, Pollen und Blütenstaub, die Luft- und Abwasserfilter der Station verstopft. Und so manche Wurzel hat versucht die Außenhaut der Station zu durchdringen. Sie sehen also, dass die Pflanzen an die Bedingungen hier oben angepasst werden mussten, um verträglich zur Station zu sein. Die Pflanzen tragen einen großen Teil zur Lufterneuerung der Station bei. Hinzu kommt, dass sie sich sehr positiv auf die Psyche der hier lebenden Menschen auswirken. Sie sind also doppelt wichtig für die Station".

Der kleine Zug bog nach links von der Central Ave ab und folgte dem Containerband zu einem größeren Lagerplatz.

"Hier sind wir im Dock W120B. Die Docks sind nach den Längengraden der Station benannt. Wir befinden uns hier also am 120ten Längengrad. Es werden gerade zwei Fracht-Shuttles beladen, welche anschließend zur Erde fliegen werden".

Das automatische Verladen der Container wirkte gespenstisch. Einige reihten sich auf das Transportband ein. Andere verließen das Band und verschwanden in den Schleusen zu den Shuttles.Vom Dock fuhren sie weiter zum Südring. Dort konnte man durch eine transparente Wand ein größeres Aggregat mit vielen, farbig gekennzeichneten Versorgungsleitungen erkennen.

"Dieses ist einer der Pulsantriebe, die die Station beschleunigen und auch zur Aufrechterhaltung der Rotation genutzt werden. Auch wenn sich die Station im luftleeren Raum nahezu reibungsfrei bewegt, verliert sie ganz leicht an Geschwindigkeit und damit an Höhe. Das muss immer wieder korrigiert werden.

"Wir werden hier gleich durch die Wartungsschleuse 120 die Station verlassen und uns dieses Triebwerk von außen anschauen. Unsere Fahrt wird entlang der Strebe 120 Süd zum Mittelteil der Station führen, wo sich die Zentral-Docks für die großen Marstransporter und die Container-Schubschiffe zum Mond befinnden. Diese Schiffe können auf Grund ihrer Masse nicht am Rotationskörper der Station docken".

Ein leises Summen begleitete das Schließen der transparenten Abdeckung des Zuges. Mit einem kleinen Ruck hatte er sich in ein Schienensystem eingefädelt, wurde von diesem in die Luftschleuse gezogen und hielt dort an. Man konnte das Zischen der Luft hören, die nun aus der Schleusenkammer abgesaugt wurde. Nancy überbrückte die Wartezeit: "Wir haben uns in ein Schienensystem eingeklinkt. Im Außen- und Mikrogravitationsbereich müssen die Fahrzeuge Führungsschienen nutzen, da die Räder dort ihre Wirkung verlieren".

Nach kurzer Zeit Öffnete sich das Außenschott und gab einen Blick in die Schwärze des Weltraumes frei.

Als der kleine Zug nach außen gezogen wurde, mischte sich in die erstaunten Ausrufe der Besucher die Stimme von Nancy: "Rechts, die kleinen Öffnungen innerhalb der gelbschwarzen Markierungen, das sind die Austrittsöffnungen des Triebwerks".

Ein Zwischenruf unterbrach sie: "Was, diese kleinen Löcher sollen das Triebwerk sein?"

"Ja, die Station benötigt nur kleine Korrekturen und dazu reicht diese Größe vollkommen aus. Wenn man genau hinsieht, kann man ab und zu ein schwaches, bläuliches Aufblitzen erkennen. Die Triebwerke erzeugen nur kurze Impulse. Mehr Antrieb braucht die Station nicht".

Sie bewegten sich entlang der Strebe in Richtung Achse der Station. Die Schwerkraft nahm langsam ab. Hell leuchteten die Teile der Station im Sonnenlicht. "Viele Teile der Station sind weiß lackiert, um die Erwärmung im Sonnenlicht zu verhindern. Die braungoldfarbenen Flächen, sie bedecken etwa zwei Drittel der Oberfläche, sind Solarzellen, die einen Teil der Energieversorgung der Station darstellen. Und Über die großen, wie Fahnen wirkenden Teile, wird überschüssige Wärme aus der Station abgeleitet.

Links vor uns ist ein Wartungstrupp. Sie können das Fahrzeug und die Techniker an den gelb-schwarzen Markierungen erkennen. An der NASS-Bravo Finden immer irgendwelche Außenarbeiten statt".

Sie hatten nun fast den Zentralteil der Station erreicht. Fritz hatte seine Kamera losgelassen und diese schwebte nun durch die Kabine.

"Geradeaus vor uns ist das Zentraldock. Wie sie sehen können, ist dort ein großes Schubschiff angedockt. Schubschiffe bestehen im Prinzip nur aus der großen Gitterplattform vorn und einem kleinen Heckteil mit Cockpit, Kabinen und Antrieb. Auf seiner Plattform kann ein solches Schiff tausend und mehr Container aufnehmen. Dieses Schubschiff wird von hier zu einem Mondorbit fliegen, wo es wiederum von Mondshuttles entladen wird". 

Der Zug passierte eine Luftschleuse und sie waren wieder in der Station. Die Tour ging entlang von Laboren und Krankenstation im Mikrogravitationsbereich. Zum Teil konnte man durch große Fenster darin den Leuten bei der Arbeit zuschauen. Andere Fenster waren elektronisch abgeblendet um neugierige Blicke fernzuhalten.

Im Norden des Nabe befand sich das große Observatorium. Dieses drehte sich nicht mit der Station um die Achse, sondern bot einen konstanten Blick in den Weltraum und zur Erde. Im öffentlich zugänglichen Teil standen den Besuchern auch leistungsfähige Teleskope für eigene Beobachtungen zur Verfügung. Der Clou war hier jedoch die große 3D-Multimediashow. Sie dauerte eineinhalb Stunden, das entsprach etwa einem Umlauf der Station um die Erde, und zeigte ein spektakulären Vortrag über das Sonnensystem. Die Show wurde von fantastischen Live-Bildern der Erde, des Mondes, der sichtbaren Planeten und mit Sonnenauf- und Untergang verstärkt.

Nach der Show ging es weiter Richtung Strebe 180 und den darin befindlichen Wiederauf-bereitungsanlagen.

Sie hatten die Mikrogravitation wieder verlassen und Nancy erklärte: "Wir befinden uns hier in einem sehr wichtigen Teil der Station. Vor ihnen sind einige der großen Wasseraufbereitungstanks. Das Wasser wird zunächst mechanisch gefiltert. In weiteren Tanks sorgen Mikro-organismen und Algen für die den Schadstoffabbau. Das Wasser, das hier entsteht hat die Qualität von Mineralwasser auf der Erde. Hinter dieser Sichtscheibe sehen sie eine der großen Hydrofarmen. Darin wird verbrauchte Luft der Station durch das Wasser gesprudelt. Luft und Wasser reinigen sich gegenseitig und die hier prächtig gedeihenden Algen und Garnelen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Nahrungskette. Sie enthalten Proteine, Mineralstoffe und Eiweiß und werden auf der Station zu allen möglichen leckeren Speisen verarbeitet.

Die Fahrt ging weiter zum letzten Stopp: "Wir befinden uns hier auf der Besucherbrücke an den Controllräumen. Links sehen sie Station Control. Dort wird das House Keeping, wie Luft- und Wasserregenerierung, gesteuert und die Station überwacht."

Große Wandprojektionen zeigten darin Bahn und Position der Station über der Erde, einen komplexen Stundenplan, Bilder von Wartungstrupps und Videos von wechselnden Kamerapositionen. Deutlich waren auf der Projektion auch die Positionen der beiden anderen Stationen NASS-Alpha und NASS-Charlie zu erkennen.

"Der große Flight-Control-Room in der Mitte, hat in etwa die Funktion eines Flughafentowers. Darin überwachen Fluglotsen die an- und abfliegenden Shuttles in deren Erd- und Mondorbits und im direkten Umfeld der Station. Und der Raum rechts ist die Deep-Space-Control. Hier werden Flüge überwacht, die über die Mondumlaufbahn hinausgehen". 

Das Projektionssystem visualisierte die aktuelle Position der Planeten zueinander und einige Raumfahrzeuge dazwischen. Derzeit standen ein paar Robotsonden unter Beobachtung, die bemannte Expedition zum Jupitermond Europa, und einige Transportschiffe auf der Marsroute.

Wieder zurück am Platz der Kosmonauten stiegen Fritz und Lisa beeindruckt und müde aus dem Zug. Wie bei jeder Besichtigungstour hatten sie viel gesehen, fast zu viel um es zu erfassen, gleichzeitig wissend, dass sie nur einen Bruchteil dessen besucht hatten, was wirklich die NASS-Bravo ausmachte.

Originalbeitrag als PDF - Copyright: Bernd Holzhauer