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Juri Gagarin - Das LebenÜber die Person Juri Gagarin gehen die Meinungen über ihn auseinander - von "Tragischer Held" bis "Kolumbus des Kosmos". Ludmila Pavlova-Marinsky schildert in ihrem Buch "Juri Gagarin - Das Leben" den Werdegang des ersten Raumfahrers, der eine der strahlendsten Figuren des 20. Jahrhunderts war. Die Autorin lernte Juri Gagarin als Kind durch ihren Vater kennen, der mit Gagarin beruflich zu tun hatte.

Vieles im Buch musste sie wohl selbst recherchieren, weil sie bei Gagarins Flug ins Weltall noch ein Kind war und zudem die Informationspolitik der Sowjetunion nicht die transparenteste war. Wie akkurat die Recherche nun tatsächlich war, dessen bin ich nicht ganz sicher: einerseits schreibt sie, dass Gagarins Helm keinen Schriftzug getragen hätte und dieser im Bus noch rasch aufgetragen worden wäre. Das mag auf manchen der Bilder so ausgesehen haben, kann aber kaum stimmen, wie mir Kenner der Materie versichert haben. Außerdem: dass ausgerechnet im Land des Mangels jemand einen nicht nur flüssigen, sondern sogar überflüssigen Topf roter Farbe dabei gehabt hätte, mag man nicht so recht glauben.

Andererseits schildert sie alle bekannten Versionen des Unfalls, der zu seiner Narbe in der Augenbraue geführt haben - insgesamt drei verschiedene Versionen existieren von dieser Episode. Welche Version stimmt, wissen wohl nur die Beteiligten, und den Wichtigsten kann man nicht mehr fragen. Auch die verschiedenen Spekulationen, die sich rund um Gagarins Absturz ranken, und wie es zu diesen kam, sind ausführlich nachzulesen. Einige von Gagarins Kollegen konnten und wollten nicht glauben, was offiziell über die Unfallursache verlautbart wurde und betrieben eigene Recherchen, die jedoch nicht unterstützt und weitergeführt wurden und daher unvollständig bleiben mussten.

Das Buch zeigt stellenweise sehr deutlich die Situation Gagarins, die im Kommunismus alltäglich und im Westen unvorstellbar war. Auf einer seiner zahllosen Reisen um die Welt fiel Gagarin in Frankreich ein Auto ins Auge, das die französischen Wirtschaftstreibenden ihm postwendend als Geschenk zustellten. Die sowjetische Regierung brachte aber klar ihrem Wunsch zum Ausdruck, Gagarin möge aber bitte weiterhin dem Fahrzeug sowjetischer Bauart den Vorzug geben.

Skurril liest sich die Liste an Ausstattungsgegenständen, die Gagarin unter der Hand von Chruschtschow persönlich zugeteilt wurde. Sie erinnert eher an die Mindestausstattung einer am Existenzminimum dahinvegetierenden Familie als an die passende Ausstattung eines Staatshelden. Vielleicht war das in der UdSSR damals kein großer Unterschied.

"Juri Gagarin - Das Leben" ist ein packendes Buch. Bei der Lektüre erfährt man einiges Neues, auch wenn man sich mit Raumfahrtgeschichte beschäftigt, und man hat anschließend das Gefühl, den Menschen Juri Gagarin persönlich gekannt zu haben.