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Staub der ILA; Credit: ER Am heutigen Abschlusstag der ILA hab ich mir nochmal die Patrouille Suisse gegeben, das nationale Jet-Aerobatikteam der Schweiz. Der geniale Kommentator der Truppe nahm in einer würzigen Ansprache, gespickt mit kleinen Ironismen die deutschen Sicherheitsregularien aufs Korn. Danach konnte beim Zuschauer der Eindruck entstehen, dass ihn jetzt eine Hasenfuß-Demonstration erwarte, bei der die Piloten sonst die Oma auf dem Rücksitz mitnehmen.

Wer wie ich die Patrouille Suisse schon mehrmals bei ihren Demos in ihrer Schweizer Heimat oder anderswo im europäischen Ausland gesehen hat weiß, was dem Zuschauer hier an „Leckerlis“ entgeht. Wer aber das Team noch nie gesehen hat, und auch sonst nicht über den Standard der weltbesten Demo-Teams informiert ist, für den war es heute durchaus O.K.

Immerhin konnten die Schweizer in einigen engen Formationen ihr Können zeigen. Die atemberaubenden Begegnungs- und Kreuzungsmanöver, die sie im Programm haben, sind hier aber passé. Auch alle Spiegelflug-Manöver sind verboten. Alles was besonders laut ist, sowieso.

Stand Chrunitshev; Credit: REDer allgegenwärtige Staub hat mir die letzten Tage mehrere Blasen an den Füßen beschert. Die Hitze sorgt für viel Schweiß in den Schuhen. Dazu kommt noch der schmirgelige Feinsand, der durch alle Ritzen dringt. Fertig ist das Fußproblem.

Hier im Pressezentrum befreie ich mich vorsichtig von den Schuhen und versuche dabei kein öffentliches Ärgernis hervorzurufen. Es ist aber erstaunlicherweise nichts zu riechen, offensichtlich geht der Staub eine chemische Bindung mit dem Fußschweiß ein, eine Art dünner aber gut deckender „Afghanistan-Mörtel“. Sollte ich mir patentieren lassen.

Heute früh, bevor noch für das allgemeine Publikum geöffnet war, hab ich nochmal den russischen Pavillon besucht, der im Raumfahrtbereich einige sehenswerte Exponate und Konzepte aufweist. Interessant vor allem die geplanten Weiterentwicklungen der Sojus-Trägerrakete. Sollten sie verwirklicht werden, könnte es sein, dass die R-7 Semjorka, auf welche die Sojus in direkter Linie zurückgeht, ein volles Jahrhundert Einsatzzeit erlebt. Es würde allerdings auch zeigen, wie wenig substanziellen technischen Fortschritt die letzten Jahrzehnte auf dem Gebiet der Trägertechnologie brachten.

Heute Abend endet die ILA. Morgen fahre ich wieder nach Hause, und die Leser des Orion dürfen dann wieder auf eine geregelte Raumfahrt-Berichterstattung hoffen. Dann gibt es auch einen Nachtrag zur Landung des Phoenix auf dem Mars, bei dem ich ein sensationelles Bild vorstellen will, und es gibt einen Bericht zum Start des Spaceshuttles Discovery, der gestern technisch problemlos und unter optimalen meteorologischen Bedingungen erfolgte. An Bord das größte Labormodul der ISS.

RD 171 Triebwerksblock; Credit: REZu guter Letzt noch dies: Ich war zum Abschluss schon fast bereit, den Veranstaltern zumindest den Versuch der Durchführung einer Airshow mit überregionalem Charakter zu unterstellen. Mit wenigstens der Annmutung von Arial Displays, wie man sie sonst überall auf der Welt sieht. Dabei war ich durchaus geneigt, meine in den letzten Tagen gemachten Bemerkungen über das Schrebergärtnerhafte in der Organisaton ein wenig zu relativieren.

Brauchte ich aber dann doch nicht. Gegen 16:00 Uhr kam die Durchsage, dass von nun an keine weiteren Vorführungen von Jets mehr stattfinden werden, weil die vom Senat genehmigte "Menge an Noise Violations" überschritten worden sei.

Gut 100.000 Menschen, die genau auf diese "Noise Violations" gewartet hatten, konnten nach Hause gehen, weil sich vermutlich irgendein Rentner im Umkreis um Schönefeld beim Kaffeetrinken gestört gefühlt hatte oder ein überaktiver Naturschützer um das Wohl der Feldhamster fürchtete.

Deutschland 2008. Deutschland "at its best". Wer Internationalität erwartet, muss somit - wie bisher auch schon - nach Farnborough und Paris fahren. In gewissen Weise aber beruhigt es mich auch. Ich schätze meine ständig prozessierenden, in permanenten multiphobien hyperventilierenden, umweltpolitisch stets hochkorrekt linksdrehenden Landsleute immer noch richtig ein. Die 100.000 gelten nichts. Der Kaffeerentner und der Feldhamster alles.

Damit enden die „Berichte aus Afghanistan“.

Astra