ILA 1928 "DUH NOD DADSCH DIIES...." (Do not touch this). Heisere Warnrufe dieser Art beherrschten die Aufbau- und ersten Geschäftstage der ILA auf einigen Ständen. Die Besitzer dieser wenig vertrauenwerkenden Stimmen waren muskelbepackte, alarmierend kriminell aussehende Zuhältertypen in schwarzen Anzügen, verspiegelten Sonnenbrillen, gegelten Haaren (ersatzweise Glatze) und gewaltigen Muskelbergen die wie Knackwürste in viel zu enge schwarze Anzüge gepumpt worden waren. Ihrem schweren östlichen Akzent nach zu urteilen Direktimporte der ukrainischen Mafia.

 

Dabei galt die Devise: je größer das Unternehmen, desto finsterer das auf dem Stand beschäftigte Gesindel.

Ihre Aufgabe: Die zugegebenermaßen teuren und wertvollen Ausstellungsstücke der Luft- und Raumfahrtkonzerne vor der Begeisterung der Zuschauer zu bewahren.

Doch muss man sich fragen, warum zum Teufel es Unternehmen wie der EADS nicht gelingt, für derlei sicher notwendige Tätigkeiten freundliche junge Frauen und Männer zu beschäftigen. Ausgestattet mit einiger Bildung, Sprachkenntnissen und Umgangsformen, die einem zivilen mitteleuropäischem Standard entsprechen. Der Prestigegewinn in der Öffentlichkeit wäre sicher erheblich größer und Assoziationen mit dem Verhalten von (Ex-) Mitgliedern der Vorstandsetagen (Beispiel: Noel Forgeard) würden bei den Pressevertretern deutlich weniger ätzend ausfallen, als es so der Fall ist.

Mondrover Solero; Credit: ILA Organisation Man hat wieder einmal den Eindruck, dass es den Aerospace-Giganten herzlich egal ist, einen guten Kontakt mit demjenigen herzustellen, der für einen guten Teil ihrer Umsätze und Gewinne sorgt: dem Steuerzahler.

Stattdessen müssen es diese gewalttätig aussehenden Finsterlinge sein, deren Anzahl erst gegen Abend auf den Ständen abnahm. Vermutlich machten sie sich dann auf den Weg in die Innenstadt, um dort ihre „Pferdchen“ in den einschlägigen Berliner Etablissments zu „beschützen“.

Am heutigen Samstag ist allerdings auch auf den Ständen der großen Firmen "ziviles" Personal zu sehen. Wahrscheinlich ist es den Zuhältern heute einfach zu heiß, und man hat ihnen verboten die kleinen Kinder der Zuschauer zu fressen.

Insgesamt nimmt aber die Afghanisierung der Veranstaltung weiter ab, und die geregelte (und durchaus freundlich) Organisation gewinnt die Oberhand. Dies trotz der wirklich immensen Besucherzahlen. Es dürften etwa 100.000 Menschen sein, die sich heute auf dem Gelände, bei etwa 33 Grad Celsius im Schatten tummeln. In den Eingangsbereichen ging alles zügig, kaum lange Wartezeiten, und nur auf den Autobahnen bildeten sich kilometerlange Staus. Dafür aber kann man die ILA-Organisatoren nicht wirklich verantwortlich machen.

Auch die Staubentwicklung hält sich in Grenzen. Der Wind ist erträglich und wirbelt nicht soviel vom tongrauen Schönefelder Feinsand herum wie die letzten Tage.

Highlight am heutigen zweiten Publikumstag ist das "Flying Display", und ich habe den Eindruck (oder es täuscht durch „Gewöhnung“) als hätten die Organisatoren etwas Mut gefasst und dem zaghaften Flugprogramm der letzten Tage ein wenig Pep verordnet. Das tut der Veranstaltung gut und bringt sie behutsam in die Nähe eines internationalen Airshow-Standards.

In den Hallen dagegen ist es nahezu unterträglich heiß. Und wer sich Spezielles anschauen will wie die Exponathallen von DLR und ESA, der muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Deshalb heute kaum Raumfahrt auf der ILA. Vielleicht morgen wieder.

Heute abend steht allerdings der Start zur Shuttle-Mission STS 124 an. Um 23:02.Uhr. Und der kollidiert mit einem geplanten Besuch in der "Ständigen Vertretung", einer Szene-Kneipe an der Spree nahe an der Bahstation Friedrichstraße. Mal schauen, wie ich das geregelt bekomme.

P.S.: Unser Eingangsbild heute übrigens: Das ILA-Plakat des Jahres 1928. Bild 2 zeigt den ESA-Mondrover Solero.