Diamond DA42gEs ist drückend warm in Afghanistan an diesem Freitag. 32 Grad sind es, um genau zu sein. Draußen. Drinnen, in den Ausstellerzelten und im Pressebereich sind es noch einige Grade mehr. Der Schweiß rieselt mir den Rücken herunter. Und ich sollte wohl keinen heißen Kaffee trinken.

Heute tummeln sich einige zehntausend Menschen auf der ILA und demonstrieren damit deutlich, dass das Interesse der Öffentlichkeit an Luft- und Raumfahrt ungebrochen ist, allen Unkenrufen zum Trotz.

Gestern Abend war es nicht so heiß, nur angenehm warm und die Party bei den deutschen Marinefliegern war "Fun vom Feinsten" für alle Beteiligten. Ich hab keine Ahnung, wo die Bundeswehr diese Mengen gut aussehender Mädels herbringt. Nicht wenige davon übrigens in Uniform.

Indische LuftwaffeTrotz der militärischen Kleidung bot die Menge ein ziviles und buntes Bild. Luftwaffensoldaten aus aller Herren Länder klönten fröhlich beim Bier, indische Hubschrauberpiloten tanzen mit luftig gekleideten Berlinerinnen, ein Soldat legt eine Soul-Einlage hin - a capella - die jeden deutschen Profisänger vor Neid erblassen lassen müsste.

Der Grund für die Freude am Fest liegt vor allen Dingen daran, dass sich weit und breit keiner der schwarz gekleideten, stets grimmig blickenden Chef-Manger sehen ließ, und mit vorgefertigen, stromlinienförmigen Reden das Publikum zum Tod durch Langeweile verurteilen.

Man kann die Bosse stets schon von weitem erkennen. Sie bewegen sich an der Spitze einer keilförmiger Entenflug-Formationen: Chef im Eilschritt vorneweg, zwei Vasallen im Abstand von einem halben Meter hinterher, dem Boss rechts und links Informationen ins Ohr flüsternd, und danach - in auffächernder Keilformation -  der Rest der Crew. Alle in gleichfarbigen, gleich geschnittenen Anzügen, gestaffelt nach Rang und Bedeutung.

Kurz zum Flugprogramm: Berlin-Schönefeld hat zwei parallel laufende Bahnen und das hat Auswirkungen auf die neueste Idee im Rahmen des Sicherheitskonzeptes, dessen Grundgedanke wohl darin liegt, die Flugvorführungen wenn irgend möglich gleich über der Ostsee abzuhalten.

Die Organisation ist nämlich auf die Idee gekommen, auf der vorderen Runway, also der Bahn, welcher den Zuschauern am Nächsten liegt, den normalen Linienflugverkehr ablaufen zu lassen. Weit hinten, über – wahrscheinlich aber noch eher hinter - der zweiten Bahn finden die Flugvorführungen statt, für die man nun schon scharfe Augen braucht. Ein richtiges Airshow-Feeling wie in anderen Ländern mag da nicht aufkommen.

Der Patrouille Suisse, die man europaweit mit einem knackigen Flugprogramm sehen kann, haben die Veranstalter gehörig die Flügel gestutzt. Die publikumswirksamen Begegnungsmanöver sind gestrichen und die Sicherheitshöhe ist, wie der Name schon sagt, sehr sicher und sehr hoch

Wer all die neuen und interessanten Flugzeuge richtig nah und mit voller Performance vorgeführt sehen will, dem bleibt wohl nichts anderes übrig, als ab dem 20. Juli nach Farnborough zu fahren. Oder auf eine der einschlägigen militärischen Flugschauen in den umliegenden Nachbarländern.

Astrium-KapselHeute früh war ich bei Thales und bei Diamond Aircraft. Mal nicht in Sachen Raumfahrt. Speziell Diamond, ein Leichtflugzeughersteller aus Wiener Neustadt, hat nicht nur schöne Flugzeuge, sondern auch sehr innovative Anwendungen für seine Produkte. Ich hab mir dort ein wirklich überzeugendes Konzept für Überwachungsaufgaben aus der Luft vorführen lassen. Die kleinen zweimotorigen, mit sparsamen Dieseltriebwerken betriebenen Flugzeuge von Diamond können bis zu 14 Stunden in der Luft bleiben. Aufgaben, die bislang nur die vibrationsträchtigen Hubschrauber zu Kosten von bis zu 5.000 € pro Flugstunde durchführen konnten, schafft die wesentlich laufruhigere Diamond DA 42 für Kosten von weniger als 700 € die Stunde. Inklusive der ausgefeilten Überwachungseinrichtung.

Ja und dann habe ich ein Bild vom Astrium-Konzept einer bemannten Raumkapsel mitgebracht. Zumindest innen sieht das Ganze schon sehr preiswert aus. Ob eine echte Raumkapsel mit so spartanischen Steuerungs- und Kontrollelementen auskommt ist doch sehr die Frage.

Und heute abend: Fete im "Speicher", an der Spree.