A 380 Am dritten Tag der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin-Schönefeld läuft die Organisation schon ein wenig runder. Die Staus auf den Zubringerstraßen sind trotz des höheren Verkehrsaufkommens kürzer. Die Ordner stehen zwar immer noch in Haufen zu siebt oder zu acht beeianander anstatt sich in vernünftigen Abständen zu verteilen, aber immerhin ist die Organisation  inzwischen auf die Idee gekommen, die Sandpisten der Parkplätze zu bewässern, was die Staubentwicklung ein wenig reduziert.

Hauptkomponente in dieser Gemengelage ist sicher der Umstand, dass Besucher und Aussteller die vielen Beschwerlichkeiten jetzt etwas leichter nehmen. Die schmutzigen Schuhe – selbst die Topmanager laufen in Drecklatschen herum - sind ein guter Gesprächseinstieg, und in Halle 6 findet in der Zwischenzeit sogar schon ein Schuhputzservice sein Auskommen.

Heute früh auf dem Parkplatz stieg neben mir eine elegant gekleidete Frau aus einem staubbedeckten Cabrio. Sie trug ein schwarzes Business-Outfit, schicke schwarze Schuhe und versank auf der Stelle bis weit über die Absätze im Staub. Innerhalb von Sekunden hatte ihre Fußbekleidung den Farbton "tongrau matt" angenommen.

Wir machten ein paar Scherze über die Sinnlosigkeit, hier mit einem gewaschenen Fahrzeug vorzufahren, die Notwendigkeit, weiche Wischtücher dabei haben zu müssen und den ständigen Sand zwischen den Zähnen und in den Augen, und sie begann – ohne mein Zutun, ich schwöre - von ihrer Zeit als Berichterstatterin in Afghanistan zu erzählen. Qualitativ könne der Schönefelder Staub ohne weiteres mit dem von Afghanistan mithalten, nur sei der dort ein wenig röter. Danach gab sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass hier nicht so viele Minen und Streubomben im Schmutz vergraben liegen wie dort.

Ich hatte mich schon auf eine Fortführung des netten Gesprächs gefreut und - wie die Tage zuvor - mit einer guten Dreiviertelstunden Wartezeit am Eingang gerechnet, doch siehe da, nach kaum drei Minuten war ich durch.

Heute wurde dafür zum ersten Mal mein Gepäck kontrolliert. Was wohl daran lag, dass ich - anders als gestern und vorgestern - so gut wie keines dabei hatte. Die letzten beiden Tage wurden zwar Personen penibel durch die Mangel genommen, das Gepäck - und praktisch alle schleppten gewaltige Mengen davon mit sich herum, um die Ausstellerstände noch mit den letzten Notwendigkeiten auszurüsten - wurde aber keines Blickes gewürdigt.

Ansonsten war es heute heiß in den Hallen, ich bin etliche meiner Bücher losgeworden, der Verein zur Förderung der Raumfahrt (dessen Stand ich hier mitbetreue) wird sich über weitere Mitglieder freuen dürfen, ich konnte mehrere Kollegen aus der Firma hier begrüßen, habe einen Auftrag für einen Vortrag bekommen und beinahe hätte ich mich auch noch über das Neueste auf dem Gebiet der Raumfahrt informiert. Das heißt, ich hab's tatsächlich für knapp 30 Minuten getan.

Es reichte für den Stand der DLR und die Halle von Indien, dem Parnterland der diesjährigen ILA. Indien ist, um mal einen kurzen Schlenker in Richtung Luftfahrt zu unternehmen, mit dem größten Teil seiner Luftwaffe vor Ort. Ich hoffe, dass das niemand in Pakistan merkt.

Angara 1 und 1.1Zurück zum Pavillion der DLR, in dem wunderschöne Hostessen in silberglänzenden Anzügen sich neben ihrem blendenden Aussehen vor allen Dingen dadurch auszeichnen, dass sie auch nicht den leisteten Hauch einer Ahnung von dem haben, was sie da an Objekten repräsentieren. Das in Verbindung mit einem  museumspädagogisch wahrscheinlich hoch wertvollen Ausstellungskonzept,  bei dem aber kein normaler Mensch (sagen wir mal eine Mutter mit zwei pubertierenden Jungs) jemals eine Ahnung haben wird, um was es da eigentlich geht.

Man könnte vielleicht die Hostessen fragen, aber die haben noch viel weniger Ahnung als die pubertierenden Jungs. Wenn die DLR nächstens wieder den Studentenschnelldienst für sowas einschaltet, sollte sie vielleicht doch mal nachsehen, ob es nicht auch bei den Ingenieurswissenschaften ein paar gut aussehende Mädels gibt, die - sagen wir mal - eine ungefähre Ahnung haben, was ein "Foucault'sches Pendel" ist (das hier, weiß der Geier warum, ausgestellt ist). Wenn man denn unbedingt nicht auf die Sozialpädagoginnen verzichten will könnte man denen aber den Tip geben, sich mal - sagen wir - ein, zwei Minuten auf Wikipedia mit dem Thema vertraut zu machen.

Eine ähnliche Situation auch im indischen Pavillion in dem eine würdevoll aussehende Dame mittleren Alters im hübschen Sari verzweifelt nach den Prospekten zu den ausgestellten Raketen (GSLV und PSLV) kramte, sie nicht fand und schließlich meinte, dass es sich bei diesen länglichen Gebilden wohl um "Rockets" handle.

Was soll ich sagen: sie hat recht.