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DLR-Pressekonferenz Nach einigen Problemen mit meiner Akkreditierung hier nun der erste Teil der Berichterstattung von der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin-Schönefeld.

Man möchte nicht annehmen, dass man sich in Mitteleuropa befindet, wenn man auf dem Ausstellerparkplatz zur ILA einbiegt. Es wirkt eher wie die Fernsehbilder einer Kampfzone in Afghanistan. Hier  hat es seit geraumer Zeit nicht mehr geregnet, und die ständige steife Brise (die Zeltbauten knattern im Wind) tut ein übriges dazu, eine extreme Feinstaubbelastung zu erzeugen. Berlin-Schönefeld ist Ende Mai 2008 eine Mega-Baustelle. Hier wird derzeit der vielleicht größte Flughafenneubau Mitteleuropas abgewickelt. Dazu der normale Flugverkehr an Geschäfts- und Urlaubsreisen. Naja, und dann noch die ILA. Bei einem von den dreien musste da wohl die Qualität auf der Strecke bleiben. Und da hat es die ILA getroffen.

Die Flugvorführungen des A 380 sind allein schon wegen des Staubs hier eine besondere Sehenswürdigkeit.. Es sieht aus, als würde - um beim Afghanistan-Beispiel zu bleiben - ein gigantischer Kampfzonentransporter von einer Wüstenpiste aus starten. Die Staubentwicklung ist ungeheuer und das Flugzeug alles andere als publikumsfein. Eingestaubt und grau.

DLR-PressekonferenzAls ich gestern in Anzug, Krawatte und gut geputzten Schuhen hier ankam (ich hatte für Astrium einen Workshop zu halten), versank ich gleich nach dem Aussteigen aus dem Auto am Ausstellerparkplatz fast bis zu den Knöcheln in feinem Sand. Aber zur Organisation und zum Umfeld ein andermal mehr. Nur soviel: Die Aufbautage und die beiden ersten Tage waren katastrophal. Ich bin schon auf so mancher Luft- und Raumfahrtausstellung gewesen, aber so eine grottige Organisation im Umfeld des Aufbaus, der Zufahrtorganisation, der Eingangsbereiche und auch einiger Aspekte der Ablauforganisation im Gelände selbst ist mir noch nicht untergekommen. Wer beispielsweise den Aerosalon in Paris kennt, weiß, dass der Himmel in Frankreich liegt, aber bestimmt nicht in der Kalahari des Berliner Südens.

Eben (13:10 Uhr) komme ich von der Pressekonferenz des DLR, die - gewürzt mit infernalischem Lärm der Flugedemonstrationen, die letzte Stunde hier ablief.

Zirka 40 Journalisten gaben sich "die Kante", wohl wissend, dass sie hier nichts wirklich Neues erfahren würden. Interessant vor allem, mit welchen didaktischen Kunstgriffen das Thema "Bemannte Raumfahrt in Europa" von den Verantwortlichen umschifft wurde, nachdem sich das DLR gerade in den letzten Tagen zu diesem Thema in einer gemeinsam mit EADS Astrium lancierten Initiative doch recht weit aus dem Fenster gelehnt hatte. 

Eines der am meisten umlagerten Schaustücke im Raumfahrtpavillon 8 ist denn auch das Modell eines bemannten Raumfahrzeugs, das EADS Astrium zusammen mit dem DLR konzipiert hat.

Die DLR-Spitze, bestehend aus Prof. Wörner, Thomas Reiter, Dr. Baumgarten und Professor Sradruch, gaben einen Überblick über die Aktivitäten des DLR. Wie zu erwarten war "pollitically korrektes Schönsprech" angesagt, mit den üblichen seidenweichen und - wie man annimmt - am wenigsten aneckenden Schlagworten: Umweltschutz, CO-Emissionsbegrenzung. Alles ist "green", "quiet" und "clean". Dabei würden sich zunehmend mehr Menschen mal wieder einen richtigen "Kracher" wünschen. Projekte, die spannend sind und mitreißen.

Immerhin, das eine oder andere interessante Vorhaben wurde angerissen, wie etwa das Projekt eines "Asteroidenfinders", der erdnahe Asteroiden aufspüren soll.

Wenn auf konkrete Projekte eingegangen wurde, dann durften es nur Erdbeobachtungssatelliten sein, wie das durchaus interessante Vorhaben TerraSAR X/Tandem X.

Erst im Frageteil wurden die tatsächlichen Top-Aktualitäten und die Interessenlage der meisten "Raumfahrt-Buffs" angesprochen. Und da durfte auch die Haltung der DLR zu einigen Kernthemen deutlich werden: Unbemannte Mondmissionen (wir sind dafür), bemannte Raumfahrt in Europa (wir sind dafür), Unterstützung deutscher Kandidaten bei der gerade beginnenden ESA-Astronautenauswahl (wir sind dafür).

Interessant das persönliche Verhältnis zwischen Professor Wörner und Thomas Reiter. Die beiden scheinen sich durchaus zugetan zu sein. Während er seinem Kollegen auf der rechten Seite lediglich "das Ohr lieh" ohne den Kopf zu wenden wandte er dem links sitzenden Thomas Reiter stets das Gesicht zu, wenn er diesen ansprach (oder von ihm angesprochen wurde).

 Soweit für's Erste. Weiteres kommt.

Astra