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Analogastronaut Daniel Schildhammer im Raumanzugsimulator; Credit: OeWF (Katja Zanella-Kux)Nach monatelanger Planung und Vorbereitung startete das ÖWF Anfang Februar den Aufbau des Missionscamps in der marokkanischen Sahara. Die nötige Ausrüstung für Unterbringung der Feldcrew, die Kommunikation mit der Außenwelt und sämtliche Experimente, 4 Rover sowie die experimentellen Raumanzüge des ÖWF, Aouda.X und Aouda.S, waren schon vorher im 6-Tonnen-Container nach Marokko verschifft worden. Die erste Aufgabe der Mannschaft bestand im Aufbau des Missionscamps aus dem Nichts, mitten in der Wüste.

Aouda-S Helmet_2013-02-03_13-28-53.729+0000 Helmetkamerabild; Credit: OeWF
Gernot Groemer (rechts) beim Anlegen des Raumanzugsimulators; Credit: OeWF (Katja Zanella-Kux)
Transport in die Wüste; Credit: OeWF (Katja Zanella-Kux)
Team in der Wüste; Credit: OeWF (Katja Zanella-Kux)
Lager unterm Sternenhimmel; Credit: OeWF (Katja Zanella-Kux)
Teammitglieder in der Wüste; Credit: OeWF (Katja Zanella-Kux)
Gernot Groemer spricht mit den Medien; Credit: OeWF (Katja Zanella-Kux)
Der Flight Control Room im Mission Support Center; Credit: OeWF (Daniel Fîger)

So entstand binnen einer Woche eine kleine Zeltstadt, die nunmehr Ausgangspunkt für eine der aufwändigsten Marssimulationen ist. Getauft wurde sie auf den Namen „Camp Weyprecht“ und erinnert damit an die Payer-Weyprecht-Expedition, die 1872 zum Nordpol aufbrach. Wie die Arktisexpedition soll auch die aktuelle Simulation das Unbekannte erschließen. Denn die Erkenntnisse der Marssimulation sollen ihren Beitrag leisten, um Abläufe künftiger bemannter Marsmissionen möglichst sicher und reibungslos zu machen.

Am 11. Februar 2013, 10.40 Uhr CET erteilte Alexander Soucek als Flight Director im Mission Support Center (MSC) das „GO“ für den Start der Simulation. Damit wurde auch die verzögerte Kommunikation zwischen Mars-Camp und MSC aktiviert. Ein Signal von der Erde zum Mars benötigt je nach Entfernung der beiden Planeten von einander zwischen 4 und 22 Minuten. Für die aktuelle Marssimulation wurde eine Signallaufzeit von 10 Minuten gewählt. Damit ist mit der Antwort auf die Meldung: „Innsbruck, wir haben ein Problem.“ erst nach 20 Minuten zu rechnen. Die aktuelle Marssimulation des ÖWF ist übrigens derzeit die einzige derartige Simulation auf der ganzen Welt, die mit verzögerter Kommunikation arbeitet. Grund sind die Komplikationen, die ein derartiger Informationsaustausch mit sich bringt. Gefragt sind klare, kurze Aussagen, die gut verstanden und beantwortet werden können. Da genau diese Einschränkungen auch echte MarsforscherInnen erwarten, ist es umso wichtiger, die nötigen Fehlerquellen zu identifizieren und funktionierende Prozeduren zu entwickeln.

Um die nötigen Experimente und Tests durchzuführen, ist eine zehnköpfige Mannschaft im Marscamp „Weyprecht“ stationiert. Unterstützt vom Mission Support Center in Innsbruck werden sie an Hand von detailliert vorbereiteten Prozeduren, sozusagen „Gebrauchsanweisungen“ die geplanten Tests durchführen. Denn wie bei einer echten Mission befinden sich die Wissenschafter nicht auf dem Mars, sondern auf der Erde und verarbeiten dort die gewonnenen Daten. Sie erhalten diese vom Science Officer, nachdem sie aus dem Marscamp ins MSC übermittelt worden sind. Im Rahmen der Marssimulation wird beispielsweise die Geologie der marokkanischen Sahara an Hand der gewonnenen Daten erforscht. Die Ergebnisse werden anschließend mit den bekannten Fakten über diese Wüste verglichen, um zu überprüfen wie leistungsfähig die eingesetzten Prozeduren waren.

Auch die biomedizinischen Daten der Analogastronauten werden erfasst und an das MedizinerInnen-Team vor Ort sowie deren KollegInnen in Innsbruck übermittelt. So soll zuallererst die Sicherheit der Anzugtester gewährleistet werden. Die medizinischen Daten geben aber auch Aufschluss über die Anstrengungen und Herausforderungen, denen künftige MarstronautInnen bei ihrer Arbeit auf dem roten Planeten ausgesetzt wären.

Bis 28. Februar wird die bislang größte Marssimulation des ÖWF dauern. Unter rot-weiß-roter Leitung arbeiten dabei Forschungseinrichtungen aus 14 Nationen und mehr als 100 MitarbeiterInnen aus 23 Ländern. Sie sind entweder im Mars-Camp in Marokko oder im MSC in Innsbruck stationiert.

Näheres zur Mission unter http://mars2013.oewf.org

Foto des Tages auf blog.oewf.org