David Malin; Credit: M. Pflug-HofmayrBevor er begann den Himmel zu fotografieren, kannte man gut aufgelöste Schwarz-Weiß-Bilder oder matte Farbfotos. Dann kam David Malin, und plötzlich bekam der Himmel Farbe und Tiefe.

So funktioniert Fotografie; Credit: M. Pflug-Hofmayr
Farbfoto-Emulsion; Credit: M. Pflug-Hofmayr
SW-Film unter dem Mikroskop; Credit: M. Pflug-Hofmayr
David Malin; Credit: M. Pflug-Hofmayr

David Malin war nicht zum ersten Mal in Wien, aber seinen ersten Besuch habe ich leider verpasst. Der war 1974. Damals interessierte ich mich zwar schon für Sterne, wäre aber nicht in der Lage gewesen einem Vortrag in englischer Sprache zu folgen, ich gebe es ungern zu. Zum Glück bekam ich kürzlich in der Wiener Urania-Sternwarte eine zweite Chance.

Ich hatte mit Himmelsbildern gerechnet, aber David Malin zeigte Mikroskopaufnahmen. Quasi der Blick in die andere Richtung. Wie sieht eine Münze im Rasterelektronenmikroskop aus? (Ziemlich schmutzig, falls es jemanden interessiert.) Oder eine Staubmilbe, rechts im Bild war "David Malin" zu lesen ("It's not the capture, it's the credit"). Oder: wie sehen die Emulsionen des Technical Pan und Kodak Tri-X im Rastrerelektronenmikroskop aus? Anhand dieser Bilder war der Unterschied dieser beiden in der Astrofotografie häufig verwendeten Filme klar erkennbar.

Früher war der Himmel schawrz-weiß. Dann kam David Malin, und der Himmel wurde bunt, obwohl auch er nur mit Schwarz-Weiß-Filmen fotografierte. Wie das? Farbrilme nur für kurze Belichtungszeiten ausgelegt sind. Bei langen Belichtungen reagieren die Emulsionen von Farbfilmen unterschiedlich. Es gab zwar durchaus Filme, die halbwegs gute Ergebnisse brachten, doch schwarz-weiße Aufnahmen, die mit roten, blauen und grünen Filtern aufgenommen wurden, brachten wesentlich bessere Ergebnisse. Diese Art mit Farben umzugehen hatte David Malin von der Fernseh- und Videotechnik abgeschaut.

Und dann war da noch die Technik der unscharfen Maske, die seine Bilder berühmt machten. Nicht dass seine unbehandelten Bilder schlecht gewesen wären. Aber mit unscharfer Maske holte er einfach noch soviel mehr aus überbelichteten Regionen heraus, dass einem der Mund offenbleibt vor Staunen. Berühmt sind seine Panorama-Aufnahmen von der Orion-Region, in der auch noch das Trapez zu erkennen ist. Nicht zu verwechseln ist diese Technik übrigens mit dem gleichnamigen Filter in Photoshop - der funktioniert anders.

Heute findet chemische Fotografie keine Anwendung mehr in der Astronomie. Doch ein auf eine Emulsion belichtetes Foto enthält eine Menge an Informationen, die mit CCDs nur sehr aufwändig gewonnen werden kann, weil das Bildformat bei Analogfotografie soviel größer ist. Man kann das gut oder schlecht finden, es ist einfach so. Doch die Bilder von David Malin sind unvergleichlich und werden es bleiben.

Nox