Header

Cady Coleman; Credit: NASADer scheidende ISS-Kommandant Dimitry Kondratjew aus Russland, der italienische ESA- Astronaut Paolo Nespoli und die NASA-Astronautin Catherine "Cady" Coleman kehrten am Montag, dem 24. Mai, sicher zur Erde zurück. Zuvor hatten sie insgesamt 159 Tage im Weltraum verbracht, 157 davon an Bord der Internationalen Raumstation. Unmittelbar nach dem Abkoppeln hatte die Crew noch eine Spezialaufgabe zu bewältigen: Eine Fotodokumentation, wie es sie von der Raumstation und dem daran angekoppelten Shuttle bislang nicht gab, und wie sie nach Außerdienststellung der Raumfähren auch nie mehr möglich sein würde.

Sojus TMA-20 hatte am 23:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom russischen Rassvet Modul abgelegt. 355 Kilometer über Ostchina war das Raumfahrzeug dann zunächst in einer grade Linie von der Station weggeflogen. Anders als sonst bei Ablegemanövern üblich hielt Kondratjew dieses Mal die Sojus aber 200 Meter von der Station entfernt an. Damit gab er Paolo Nespoli die Möglichkeit zu einem Foto-Shooting der ganz besonderen Art. Wenn alles geklappt hat (was sich erst zeigen wird) könnten diese Bilder die repräsentativen Fotos für die Raumstations/Shuttle-Ära werden.

Landung; Credit: NASAIn der Art ähnliche Aufnahmen wurden vor 16 Jahren von der Raumfähre Atlantis gemacht, die seinerzeit an der russischen Raumstation Mir angedockt war. Auch damals war das heute berühmte Bild von einem Sojus-Raumschiff aus gemacht worden. Bis heute gibt es aber keine Aufnahme, welche Shuttle und ISS zusammengekoppelt in einer Totalansicht zeigen.

Nespoli fotografierte die Raumstation durch ein Fenster im Wohnmodul von Sojus TMA-20. Er begann mit den Aufnahmen etwa eine Viertelstunde nach dem Ablegen von der Station.  Um die Aktion zu unterstützen führte der Kommandant der Expedition 28, Andrei Borisenko, eine Zündung der Lagekontrolldüsen der ISS durch, durch die sich die Station innerhalb von 15 Minuten um 130 Grad drehte. Dadurch präsentierte sie sich mit dem Shuttle im Profil auf der linken Seite und dem russischen Segment des Weltraumlabors auf der rechten Seite.

Normalerweise müssen nach den russischen Flugregeln alle drei Besatzungsmitglieder nach dem Abdocken von der ISS ihre Raumanzüge tragen, und festgeschnallt im Abstiegsmodul Platz genommen haben. Das Wohnmodul und das Servicemodul werden unmittelbar vor der Landung abgesprengt und aus diesem Grund ist normalerweise auch die Luke zwischen dem Abstiegsmodul und dem Wohnmodul vor der Rückkehr zur Erde geschlossen, nachdem sie zuvor noch vor dem Ablegen von der ISS auf Druckdichtigkeit getestet wurde.

Das geschah zunächst auch diesmal, aber dann wurde die Luke von Nespoli wieder geöffnet, damit er das Fenster in der Wohnsektion für seine Fotoaktion nutzen konnte. Alles in allem hatte Nespoli 25 Minuten Zeit, sein Werk zu vollenden. Nachdem Nespoli fertig war, führte Kommandant Kondratjew den so genannten "Separation burn" durch, mit dem die Sojus aus der Nähe der ISS gebracht wurde. Danach entfernte Nespoli die Speicherkarten aus der Kamera und machte sich zurück auf den Weg in die enge Rückkehrkabine, wo er links neben dem Kommandanten Platz nahm. Danach wurde die Luke wieder verriegelt und der Lecktest erneut durchgeführt.

Bis wir Nespolis hochauflösende Bilder und das Video sehen können, werden noch einige Tage vergehen. Die Speicherkarten werden erst kopiert und dann nach Moskau und Houston gebracht. Und hoffentlich hat auch alles gut geklappt, denn inzwischen gibt es Rumor, dass etwas mit der Speicherkarte nicht in Ordnung ist.

Nach dem Ende der Foto-Session bereiteten sich Kondratjew und seine Kameraden auf den Wiedereintritt vor. Um 3:36 Uhr mitteleuropäischer Zeit, am 24. Mai, feuerten die Bremstriebwerke. Dadurch wurde die Geschwindigkeit der Sojus soweit reduziert, dass sie knapp 30 Minuten später in die obersten Schichten der Atmosphäre eintreten konnte.  Die drei Module (Service-, Orbital- und Wiedereintrittsmodul) trennten sich um 4:01 Uhr voneinander.

Der Wiedereintritt verlief danach plangemäß. Kameras konnten die Kapsel bereits in großer Höhe erfassen. Das Aufsetzen erfolgte um 4:27 Uhr in der dafür vorgesehenen Landezone in der Nähe der Ortschaft Dsheskasgan in Kasachstan. Damit endete die Mission, die seit dem Start am 15. Dezember exakt 159 Tage, sieben Stunden und 17 Minuten gedauert hatte.

Das Landemodul kam in aufrechter Position zum Stehen, und die russischen Bergungskräfte waren innerhalb weniger Minuten am Ort der Landung. Alle drei Raumfahrer zeigten sich in sehr guter körperlicher Verfassung.

Nach den medizinischen Checks wurden Kondratjew, Nespoli und Coleman mit dem Hubschrauber nach Karaganda geflogen. Coleman und Nespoli gingen danach an Bord eines Flugzeugs, das sie nach Houston brachte. Kondratjew machte sich auf den Weg nach Star City bei Moskau.

Wenn es zu keiner Verlängerung der Mission kommt (aber wahrscheinlich wird es dazu kommen), dann legt die Endeavour am 29. Mai von der ISS ab und landet am 1. Juni wieder am  Kennedy Space Center. Die drei ersten Mitglieder der Expedition 28, Kommandant Borisenko und die Flugingenieure Samokutjajew und Garan haben die ISS dann bis zum 9. Juni für sich allein. Danach sollte die Crew von Sojus TMA-02M eintreffen. An Bord sind dann der russische Kosmonaut Sergei Volkow, der US-Astronaut Michael Fossum und Satoshi Furukawa von der Japanischen Weltraumagentur JAXA. Der Start dieses Raumschiffs ist für den 7. Juni geplant.  

Astra