Admin Mike Griffin; Credit: NASA Die letzten Worte die Mike Griffin als NASA-Administrator an seine Mitarbeiter richtete lauteten: "As required, I have previously submitted my resignation as NASA Administrator, effective 1200 EST 20 January 2009. Having heard nothing to the contrary, I conclude that it has been accepted by President Obama."

Mit diesen galligen Worten verabschiedete sich Griffin von seinen Mitarbeitern, bevor er in einen längeren Ski-Urlaub verschwand. Der volle Text steht hier.

 NASA-Admin Charles Bolden; Credit: NASA
 NASA-Admin Scott Gration; Credit: NASA
 NASA-Admin Lester Lyles; Credit: NASA
NASA-Admin Steve Isakowitz; Credit: NASA
NASA-Admin Mae Jemison; Credit: NASA
NASA-Admin Chris Scolese; Credit: NASA
 NASA-Admin Nick Lampson
 NASA-Admin Pete Worden

Mike Griffin wäre gerne noch länger NASA-Adminstrator geblieben.  Sein Ziel: Amerikanische Astronauten zurück zum Mond und danach weiter zum Mars zu bringen. Viele sind der Meinung, dass es keinen besser geeigneten Mann für diesen Job gegeben habe, und dass er vielleicht der beste NASA-Administrator seit James Webb war. Zuletzt gab es sogar noch eine Internet-Kampagne mit dem viel sagenden Titel: "Keep Mike", organisiert vom ehemaligen Astronauten Scott "Doc" Horowitz. Doch es half alles nichts. Barak Obama verlängerte Mike Griffins Vertrag nicht.

Seit dem 19. Januar ist der Job des NASA-Administrators unbesetzt, das Personalkarussel rotiert vor sich hin, und das Machtvakuum nimmt langsam Besorgnis erregende Züge an.

Eigentlich war die Klärung der Nachfolge Griffins bereits im letzten November erwartet worden. Wobei angesichts der unbestrittenen Führungsfähigkeiten Griffins die Notwendigkeit eines Wechsel schon da von beiden politischen Lagern erheblich in Frage gestellt wurde.

Seitdem vergeht Woche um Woche, ohne dass sich etwas in dieser Richtung tut. Dafür tauchen in immer kürzeren Zeitabständen neue Namen auf nur um alsbald wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Was geht uns das an, könnte man sich fragen. Aber ob es uns gefällt oder nicht: Die Wahl des NASA-Administrators hat Auswirkungen auf die Raumfahrtagenturen weltweit. Der Tross der weltweiten Raumfahrt zieht dahin, wo die NASA hingeht. Offiziell vertritt und realisiert der NASA-Administrator zwar nur den Willen und die Pläne der US-Regierung, faktisch aber liegt die Planungshoheit der Raumfahrtstrategie bei ihm. Wo sonst, als bei der Führung der NASA sollte sich eine US-Regierung auch Meinung zu Plänen und Visionen über die nächsten Ziele im Weltraum abholen. Das amerikanische Orion-Programm beispielsweise, so wie es jetzt dasteht, ist Mike Griffins Werk.

Die Kandidaten, die derzeit kommen und gehen fallen allesamt weder durch besonderen Esprit, Genialität oder überragende Fähigkeiten auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt auf. Oder sind gar schillernde, publikumswirksame Persönlichkeiten. Alle bislang bekannt gewordenen Kandidaten sind brave Beamte und Bürokraten, die bislang eher in der dritten oder vierten Reihe der Regierungsadministration zu sehen waren.

Als erster Kandidat war noch vor dem Jahreswechsel General Charles Bolden genannt, ein ehemaliger Shuttle-Pilot mit vier Missionen auf seinem Konto. Dass ein guter Astronaut und hochrangiger Militär nicht automatisch auch ein guter NASA-Administrator ist, kennen die Insider noch aus der Zeit von Richard "Dick" Truly. Unter dessen Leitung erlebte die amerikanische Raumfahrtbehörde wohl tiefste Phase der Agonie und Stagnation. Altgediente NASA-Mitarbeiter sprechen heute noch von den „Dark Ages“.

Nachdem Bolden wieder in der Versenkung verschwunden war, kam ein weiterer Militär in die Diskussion: Generalmajor Scott Gration. Ein hoch dekorierter Pilot mit 274 Kampfeinsätzen im ersten Golfkrieg, der in seinen letzten Dienstjahren als politischer Berater tätig war. Seine einzige größere Leistung auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt war ein einjähriger Job als Verbindungsmann zum Weißen Haus im Jahre 1982 für den damaligen stellvertretenden NASA-Administrator Hans Mark und die Mitarbeit an einem siebenseitigen Positionspapier zur Luft- und Raumfahrtpolitik, mit der Obama während des Wahlkampfs gefüttert worden war. Gration wurde mehrere Wochen lang als ernsthafter Kandidat für diesen Job gehandelt. So lange bis überraschend bekannt wurde, dass Obama ihn zum Gesandten für den Sudan berufen hatte (ein Job im Übrigen, für den Gration genauso wenig Erfahrung verfügt).

Kandidat Nummer drei war wieder ein General, diesmal einer mit gleich vier Sternen, nämlich Lester Lyles. Er hat durch seine ganze Karriere hindurch Stabs- und Verwaltungsdienst gemacht was ihn zur Führung einer größeren Institution befähigen könnte. Von ihm hatte man allerdings nur für einige Wochen gehört, danach verschwand er wieder in der Versenkung.

Nun wurde zur Abwechslung ein Zivilist ausgeguckt: Steven Isakowitz. Der hat immerhin, obwohl auch eher ein Mann aus der vierten als aus der dritten Reihe, einige Raumfahrt-Erfahrung. In der Szene ist er bekannt als einer der drei Autoren des "International Reference Guide to Space Launch Systems", der internationalen Trägerraketen-Bibel. Momentan ist Isakowitz als CFO im Energieministerium tätig, also der kaufmännische Leiter einer Institution, die in ihrer Größe durchaus mit der NASA vergleichbar ist.

Die Raumfahrtgemeinde merkte immerhin auf, denn Isakowitz hat Ahnung von der Sache, er ist Pragmatiker und der privaten Raumfahrt zugetan.

Doch gerade als sich Posts, Blogs und Fachjournale mit Isakowitz anfreundeten und begannen, ihn willkommen zu heißen, tauchte schon wieder ein neuer Name auf: Die Ex-Astronautin Mae Jamison. Ihre intellektuelle Befähigung ist unbestritten, sie gilt als brilliante Wissenschaftlerin. Ihre Erfahrung mit der Leitung einer Institution über Abteilungsgröße hinaus ist aber schlichtweg nicht vorhanden. Ihr Name wurde im Zusammenhang mit Valerie Jarrett genannt, mit der sie zur Schule gegangen ist, und die jetzt als Beraterin für Obama arbeitet.

Nun, inzwischen ist auch sie zurück in der Versenkung. Ebenso wie übrigens Isakowitz. Präsident Obama gab Ende März bekannt, dass Steve Isakowitz CFO der Energiebehörde bleiben werde.

Zweieinhalb Monate sind jetzt seit Obamas Amtsantritt vergangen, und weit und breit ist kein neuer NASA-Administrator in Sicht. Die bedeutendste Raumfahrtbehörde auf diesem Planeten bleibt weiterhin ohne Chef. Immerhin, unter dem Deckel gärt es weiter, denn vor zwei Wochen blubberte ein neuer Name hoch: Chris Scolese. Der war der dritte Mann hinter Griffin. Er führt die NASA seit Januar als Interims-Administrator und verhält sich dabei unauffällig zur Selbstaufgabe. Er könnte also vielleicht NASA-Chef werden, nachdem er Tag für Tag mehr Übung in der Führung der Behörde bekommt. Wenn er nur nicht so furchtbar farblos wäre.

Aber mit ihm wird es wohl auch nichts. Kandidat Nummer acht (wenn ich richtig mitgezählt habe) ist nämlich bereits auf der Matte und gibt schon wolkige Statments mit vielen Konjunktiven von sich. Es handelt sich um den texanische Abgeordneten Nick Lampson, der gerade allen Medien erklärte, dass er sich geehrt fühlen würde, trüge man ihm diesen Job an. Aber die Entscheidung läge natürlich bei Präsident Obama. Was spräche für Lampson? Nicht viel, außer dass er einer der extrem wenigen Politiker mit einer naturwissenschaftlichen Ausbildung ist, und dass das Johnson Space Center in seinem Wahlkreis liegt.

Wetten dass es auch Lampson nicht wird?

Zwischendurch tauchten auch die Generäle Bolden und Lyles wieder kurz aus der Versenkung auf. Lester Lyles winkte inzwischen aber engültig ab, und ließ verlauten, dass er an dem Job schon aus finanziellen Gründen nicht interessiert sei. Und für den rechtschaffenen Charlie Bolden kann sich niemand so recht erwärmen. Die Truly-Erfahrung sitzt noch tief.

Aber die Amerikaner und die Raumfahrtwelt brauchen sich wohl nicht auf ihn einstellen. Bewerber Nummer neun um die Hand der Braut namens NASA ist nämlich schon im Anmarsch.  Pete Worden heißt der Kandidat der Woche. Zur Abwechslung mal wieder ein General. Aber mal einer, der schon bei der NASA ist, als Direktor der Ames Laboratories der NASA. Der hätte nun mal wirklich Ahnung von Raumfahrt. So wie die Sache derzeit läuft, dürfte das allerdings eine Garantie dafür sein, dass er den Job nicht bekommt.

Somit gilt für die NASA weiterhin: Washington, we have a problem.

 

Nachtrag am 9. April: Kandidat Nummer 10 heißt Walter Cantrell. Er war bereits unter Sean O'Keefe für kurze Zeit bei der NASA, war dort stellvertretender Chefingenieur und stand der unabhängigen technischen Aufsicht der Raumfahrtbehörde vor. Walter Cantrell ist ausnahmsweise mal kein Ex-General, sondern ein....Ex-Admiral. Die Vermutung ist inzwischen wohl nicht mehr abwegig, dass Obama unbedingt einen Flagg-Offizier für die NASA haben will.

Astra