Zwei aufeinanderfolgende Fehlschläge einer an sich seit Jahrzehnten eingeführten Rakete mit normalerweise ordentlicher, wenngleich nicht überragender Fehlerbilanz sind in der heutigen Raumfahrt ein seltenes Ereignis. Genau das widerfuhr aber am 12. Januar der indischen Raumfahrtagentur mit ihrer PSLV-Trägerrakete, die an diesem Tag eigentlich ihre Rückkehr in den Dienstbetrieb nach einem Fehlschlag am 18. Mai des Vorjahres durchführen sollte. Wie beim vorausgegangenen Flug betraf die Fehlfunktion die dritte Stufe, die zuvor in Jahrzehnten keinerlei Anomalien verursacht hatte. Es war der 64. Flug eines PSLV und die fünfte Mission in der DL-Variante.

Die Mission begann um 5:49 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 2 des Satish Dhavan Raumfahrtzentrums auf der ostindischen Insel Shriharikota und verlief während der ersten Minuten unauffällig. Geplant war ein annähernd kreisförmiger Orbit in 500 Kilometern Höhe mit einer Bahnneigung von 97,5 Grad. Erste und zweite Stufe funktionierten wie vorgesehen, und auch die dritte Stufe arbeitete fast während ihrer gesamten Brennzeit normal. Sechs Minuten und 18 Sekunden in der Mission, elf Sekunden vor Brennschluss der dritten Stufe, trat ein Fehler im Lageregelungssystem auf.

Der Einsatz war eine Rideshare-Mission mit insgesamt 16 Satelliten an Bord. Hauptnutzlast war Indiens Erdbeobachtungssatellit EOS-N1. Die Rakete flog in der DL-Variante mit zwei Feststoffboostern als Startunterstützung.

Folgende Raumfahrzeuge befanden sich an Bord des Trägers:

  • EOS-N1 (ANVESHA), ein Hyperspektral-Erdbeobachtungssatellit der ISRO.
  • KID, ein spanischer Wiedereintrittsdemonstrator von Orbital Paradigm.
  • THEOS-2A, ein thailändisch-britischer Erdbeobachtungssatellit von GISTDA und SSTL.
  • MOI-1 aus Indien von TakeMe2Space und EON Space.
  • CubeSat von OrbitAID aus Indien.
  • Thybolt-3. CubeSat von Dhruva Space aus Indien.
  • CubeSat von der CV Raman Global University in Indien.
  • DUSAT-1. CubeSat von der Dayanand Sagar University in Indien.
  • CubeSat von der Assam Don Bosco University in Indien.
  • CubeSat aus Indien.
  • CubeSat aus Nepal von NAST/APN.
  • CubeSat aus Brasilien.
  • CubeSat aus Brasilien.
  • Galaxy Explorer. CubeSat aus Brasilien.
  • Orbital Temple. CubeSat aus Brasilien.
  • Aldebaran-1. CubeSat von der Federal University of Maranhão in Brasilien.

Wie durch ein Wunder konnte sich Paradigms KID-Kapsel vom abstürzenden Satellitenstack lösen und große Teile seiner Wiedereintritts-Mission durchführen. Alle anderen Nutzlasten sind ein Totalverlust.

Nach diesem Einsatz sieht die Startübersicht des Jahres 2025 wie folgt aus:

  1. USA: 4 (davon SpaceX: 4)
  2. China: 0
  3. Neuseeland: 0
  4. Russland: 0
  5. Europa: 0
  6. Indien: 1 1 Fehlschlag (PSLV XL)
  7. Japan: 0
  8. Deutschland: 0.
  9. Australien: 0.
  10. Israel: 0
  11. Südkorea: 0

Die Statistik der eingesetzten Startplätze stellt sich folgendermaßen dar:

  1. Cape Canaveral/Kennedy Space Center: 2 (2/0)
  2. Vandenberg Space Force Base: 2
  3. Jiuquan: 0
  4. Xichang: 0
  5. Wenchang: 0 (institutionell 0/kommerziell 0)
  6. Mahia: 0
  7. Taiyuan: 0
  8. Plessezk: 0
  9. Dongfanghang Tiangang (auch: Oriental Spaceport Launch Ship): 0
  10. Baikonur: 0
  11. Guyana Space Centre: 0
  12. Satish Dhawan: 1
  13. Tanegashima: 0
  14. Andøya: 0
  15. Wostotschnij: 0
  16. Bowen Orbital Spaceport: 0
  17. Palmachin: 0
  18. Naro Space Center: 0

Bild: ISRO