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Platz 5: Sojus TMA 11Hier nun der zweite Teil der Top Ten des Jahres 2008. Meine Plätze fünf bis eins. Und hier bin ich der Meinung, dass auch Unternehmungen, die grade mal eben so noch gut gegangen sind, hier aufgenommen werden müssen. Denn gerade der Aspekt des "Dramas", des "es gerade noch mal geschafft zu haben" gehört mit zum emotionalen Gehalt der Raumfahrt.  In diesem Sinne ist hier der Platz fünf vergeben...

5. Gefährliche Rückkehr

Es waren bange 45 Minuten an diesem 19. April, in denen kein Mensch wusste, wo Sojus TMA-11 und ihre Crew abgeblieben waren.

Peggy Whitson, Yuri Malentchenko und Yi So-yeon hatten dreieinhalb Stunden vor der geplanten Landung in Kasachstan von der Internationalen Raumstation abgelegt. Wenige Minuten vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre meldete sich die Crew ab. Ein normaler Vorgang, denn beim Wiedereintritt werden die Luftschichten um das Raumfahrzeug so stark ionisiert, dass kein Sprechfunkverkehr möglich ist. 10 Minuten vor der Landung, in einer Höhe von noch mehr als 20 Kilometer hätte der Sprechfunkverkehr wieder aufgenommen werden sollen. Über dem vorgesehenen Landegebiet kreisten bereits die Hubschrauber und die Besatzungen hielten Ausschau nach dem Rot-Weißen Landefallschirm der Sojus.

Doch nichts war zu sehen. Die Minuten vergingen und keine Meldung kam von der Sojus. Der berechnete Landezeitpunkt kam und ging vorbei. Die Kommentare des NASA-Sprechers dünnten langsam aus und blieben schließlich ganz weg. Die Beobachter fühlten sich an die Situation bei der Columbia-Katastrophe erinnert.

Erst zwanzig Minuten nach dem berechneten Landezeitpunkt ergab eine Auswertung von Radardaten dass Sojus TMA 11 einen so genannten "ballistischen Wiedereintritt" erlebt hatte. Der "ballistische Wiedereintritt" ist der Sicherheitsmodus der Sojus bei der Landung. Beinhart für die Crew und entsprechend gefürchtet. Immer dann, wenn es Probleme mit der Steuerungssoftware gibt, die den normalen "aerodynamischen Wiedereintritt" steuert (bei dem ein Andruck von 3,5 g nicht überschritten wird), schaltet die Sojus automatisch in den ballistischen Modus. In dieser Betriebsart ist der Abstieg sehr steil. Es werden Andruckbelastungen von mehr als 8 g für mehr als 30 Sekunden erreicht.

35 Minuten nach dem berechneten Landezeitpunkt konnten die ratlosen Rettungskräfte aufatmen.  Yuri Malenchenko meldete sich über sein 15S-Iridium-Satellitentelefon bei den Rettungskräften. Er hatte keine Ahnung wo er war. Er konnte aber berichten, dass es - wie vermutet - tatsächlich zu einem ballistischen Wiedereintritt gekommen war. Über das Telefon ließ sich die Position ermitteln. 40 Minuten nach der Landung war sie bekannt, und da konnten die Suchhubschrauber auch die schwachen Funksignale der Landebake aufnehmen. Sojus TMA-11 war 460 Kilometer vor dem Ziel gelandet.

 Erst später zeigte sich, dass die Besatzung nur haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschrammt war.  Das Gerätemodul hatte sich nicht von der Landekabine getrennt, weil die Sprengbolzen versagt hatten. Es war erst durch die zunehmenden aerodynamischen Kräfte weggerissen worden. Bis dahin war die Sojus unkontrolliert durch die oberen Schichten der Atmosphäre getrudelt. Eines der Steuertriebwerke war durchgebrannt, die Kapsel war erheblich verschmort und beinahe wäre auch die Auswurf-Öffnung für den Landefallschirm verschmolzen worden.

Platz 4: Chinesische EVA 4. China führt erste EVA durch

Die lang erwartete dritte bemannte Weltraummission Chinas begann am 25. September um 15:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Eine zweistufige Trägerrakete vom Typ Long March 2F brachte die dreiköpfige Crew bestehend aus den Taikonauten  Zhai Zhigang, Liu Boming, Jing Haipeng neun Minuten nach dem Liftoff im Orbit.

Zwei Tage nach dem Start führte die Besatzung das seit langem angekündigte erste Außenbordmanöver Chinas durch. Der Kommandant der Mission, der 41-jährige Luftwaffenoberstleutnant Zhai Zhigang, verließ das Raumschiff für 14 Minuten und entfernte eine Experimentiervorrichtung von der Außenseite des Orbitalmoduls.   Sein Kollege Liu Boming assistierte ihm dabei, ohne allerdings das Raumfahrzeug selbst zu verlassen. Er hatte eine Art "Stand-up"-EVA durchgeführt und war auf den Fernsehaufnahmen nur einmal zu erkennen, als er mit dem Oberkörper kurzzeitig aus der offenen Luke ragte. Dabei reichte er Zhai eine kleine chinesische Fahne, mit der dieser dann - über dem Orbitmodul schwebend - in die Fernsehkamera winkte.

 

Jing Haipeng, das dritte Besatzungsmitglied, war während des Außenbordmanövers in der hermetisch abgeschlossenen Rückkehrkabine verblieben. 

Nach einer Missionsdauer von 68 Stunden und 30 Minuten landete Shenzhou 7 in der Zentral-Gobi.

Der Gesamteindruck des Fluges. Eine extrem professionell durchgeführte Engineering-Mission. China gab bekannt, dass nun, nach Abschluss der Testphase, die Serienproduktion der Shenzhou beginnen werde. Ab 2010 ist mit regelmäßigen bemannten Einsätzen zu rechnen. 

Platz 3: ISS im Juni 2008 3. Die ISS wird 10 und WIRKLICH international

2008 konnte die Internationale Raumstation ihr 10-Jähriges Jubiläum feiern. Und es war ein wirklich großes Jahr mit permanentem Hochbetrieb.  Es begann am 5. Februar mit dem Start des russischen Versorgungsschiffs Progress M-63 gefolgt am  7. Februar vom Space Shuttle Atlantis zur Mission STS 122 mit dem europäischen Weltraumlabor Columbus an Bord. Die ESA-Astronauten Hans Schlegel und Leopold Eyhardts und ihre fünf Kollegen befestigten das europäische Columbus-Modul an der Raumstation.

Am 11. März startete die Raumfähre Endeavour zur ISS. Hautpziel dieser Mission war die Installation des ersten von insgesamt vier Segmenten des japanischen Labormoduls Kibo mit der Bezeichnung "Experiment Logistics Module" (ELM) und eines kanadischen Manipulatorarmes mit der Bezeichnung "Dextre".

Am 9. März startete das neue europäische ISS-Versorgungsraumschiff ATV (Ariane Transfer Vehicle) mit dem Namen "Jules Verne" zur ISS und legte dort am 3. April um 16:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit an. Am 8. April startete die Crew von Sojus TMA 12 zur ISS und brachte die ISS Crew No. 17 zur Station.

Am 14. Mai machte sich Progress M-64 auf den Weg zur ISS und nur zwei Wochen später, am 31. Mai der Shuttle Discovery mit dem japanischen Kibo-Labormodul, der größten bewohnbaren Einheit der ISS.

Am 10. September startete Progress M-65 und am 15. November Shuttle Endeavour, die alle Ausrüstungsgegenstände an Bord der ISS brachten, die notwendig sind, um die Station für eine dauerhafte Besetzung mit sechs Personen fit zu machen.

Am 20. November schließlich, genau zum 10. Jahrestag des Starts des ersten Moduls der ISS, konnten - zum Jubiläum passend - insgesamt 10 Astronauten und Kosmonauten an Bord der Station den Jahrestag begehen. Damit befanden sich - in alphabetischer Reihenfolge gelistet - zu diesem historischen Termin folgende Besatzungsmitglieder in der Station: Eric Boe (Pilot der Endeavour), Stephen Bowen (Missionsspezialist der Endeavour), Gregory Chamitoff (Bordingenieur der ISS Expeditionscrew 17 und 18), Christopher Ferguson (Kommandant der Endeavour), Edward Fincke (Kommandant der Expeditionscrew 18), Shane Kimbrough (Missionsspezialist der Endeavour), Juri Walentinowitsch Lontschakov (Bordingenieur der ISS Crew 18), Sandra Magnus (Bordingenieurin der ISS Expeditionscrew 18), Donald Petit (Missionsspezialist der Endeavour) und Heidemarie Stefanyshyn-Piper (Missionsspezialistin der Endeavour).

Den Abschluss des ISS-Jahres 2008 machte schließlich Progress M-01 M, erste Einheit eines verbesserten Progress-Modells, am 26. November.

Platz 2: ATP mit EPS

2. Europas Raumfrachter fliegt

Am Sonntag, dem 9. März 2008 um 5 Uhr 03 MEZ wurde vom europäischen Raumfahrtzentrum Kourou das 19,4 Tonnen schwere Automated Transport Vehicle (ATV) mit der Bezeichnung "Jules Verne" von einer Ariane 5 ES erfolgreich auf eine Erdumlaufbahn gebracht.

Die Version ES des europäischen Großträgers erlebte bei dieser Mission dabei ihren Erstflug. Sie ist eine Sondervariante der Ariane 5, speziell dafür entwickelt, das ATV in den Orbit hieven zu können.

Die EPS-Oberstufe gab Jules Verne um 6:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit frei, genau 66 Minuten und 42 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe. 25 Minuten darauf begann die Entfaltung der Solargeneratoren und der Kommunikationsantennen.

Nach einer Reihe von Tests über einen Zeitraum von mehreren Wochen, bei denen sich das ATV schon bis auf wenige Meter an die Station annäherte fand das Anlegemanöver schließlich am 3. April statt.

Zwischen April und September verblieb das ATV angedockt an der ISS, transferierte mehrere Tonnen Versorgungsgüter und Treibstoffe zur ISS, übernahm in dieser Zeit Orbitanpassungen und Ausweichmanöver für die ISS und sorgte, mit seinem druckbelüfteten Modul, für zusätzlichen Wohnraum für die Besatzung.

Am 5. September legte Jules Verne wieder von der ISS ab und am 29. September wurde dieses erste ATV gezielt über dem Südpazifik zum Absturz gebracht.

Platz 1: Falcon 1 auf dem Omelek Launch Pad Credit: SpaceX

1. Die erste privat entwickelte Trägerrakete der Welt erreicht den Orbit

Am 29. September gab es einen großen Erfolg für die private Raumfahrt. Im vierten Anlauf gelang Elon Musks ausschließlich mit Eigenmitteln entwickelter Falcon 1 Trägerrakete endlich der Einschuss in den Orbit. Die Falcon 1 ist die weltweit erste Raumfahrt-Trägerrakete, die ausschließlich mit privatem Geld entwickelt wurde. Die Entwicklung aller bisherigen Raumfahrtträger ist staatlich finanziert worden.

Der nur gut 20 Meter lange Kleinträger brachte eine 150 Kilogramm schwere Technologienutzlast in den Orbit. Diese Nutzlast blieb - beabsichtigt - mit dem Träger verbunden. Elon Musk hatte bis auf den heutigen Tag mehr als 100 Millionen Dollar an eigenem Geld in SpaceX gesteckt. Viele seiner zukünftigen Startaufträge hingen vom erfolgreichen Ausgang dieser Testmission ab, nachdem er bei den drei Versuchen zuvor jedes Mal nur knapp gescheitert war.

Die Oberstufe mit der Instrumentnutzlast "Ratsat" erreichte zunächst eine Übergangsbahn mit einem höchsten Bahnpunkt von 646 Kilometern und einem niedrigsten Bahnpunkt von 328 Kilometern. 45 Minuten nach dem Start zündete die zweite Stufe erneut, und der Orbit wurde auf einer Höhe von 640 Kilometern zirkularisiert. Die Neigung der Bahn zum Äquator betrug 9,3 Grad.

Nun stehen noch größere Dinge an. Die erste Falcon 9, ein Schwerlastträger und ebenfalls privat entwickelt, soll in wenigen Wochen zu ihrem Erstflug antreten.

Astra