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Platz 10: Strahlensystem auf Merkur; Credit: NASA Hier meine ganz persönliche Liste der Raumfahrt Top Ten des Jahres 2008. Wegen der Länge des Beitrages ist der Bericht in zwei Teile aufgeteilt, die heute und übermorgen erscheinen werden. Die Aufstellung ist subjektiv, andere mögen bei der Bewertung anderer Meinung sein. Leider fällt in solch einer Hitliste einiges unter den Tisch, wie beispielsweise die großartigen Entdeckungen der Raumsonde Cassini im Mondsystem des Saturn oder die immer wieder neuen Überraschungen vom Planeten Mars, die wir von derzeit drei aktiven Mars-Orbitern und den unermüdlichen Rovern Spirit und Opportunity erhalten. Oder die erfreulichen Nachrichten vom amerikanische Space Shuttle System, das jetzt - nicht mehr allzulange vor dem Ende seiner Dienstzeit - noch einmal zu großer Performance aufläuft, und heuer vier großartige Missionen absolvierte.

Aber jetzt meine Favoriten. Und ums ein wenig spannender zu machen beginnen wir mit der Nummer 10 und arbeiten uns auf die vorderen Plätze vor.

10. Messenger passiert zweimal den Merkur

Während diese Zeilen entstehen befindet sich die amerikanische Raumsonde Messenger zum vierten Mal seit Beginn seiner Reise in der oberen Konjunktion, ist somit genau auf der anderen Seite der Sonne und von der Erde aus per Funk nicht erreichbar. Bis zum 6. Januar wird der Winkelabstand zur Sonne weniger als drei Grad betragen. Das schließt jede Funkverbindung aus. Immerhin: Jeder kann derzeit exakt feststellen, wo am Himmel sich Messenger befindet. Hingucken ist allerdings sinnlos, auch mit den Schutzbrillen, die von der letzten Sonnenfinsternis übriggeblieben sind.

Messenger ist derzeit im Anflug auf seinen Zielplaneten Merkur, muss dabei aber, um Geschwindigkeit abzubauen, eine verschlungene Bahn fliegen, die ihn in diesem Jahr bereits zweimal sehr schnell aber immerhin nahe an seinem Ziel vorbeiführte. Am 14. Januar und am 6. Oktober passierte Messenger seinen künftigen Heimathafen jeweils in einem Abstand von nur 200 Kilometern und kartografierte "Terra Incognita". Terrain, das noch von keiner anderen Raumsonde gesehen wurde, auch nicht von Mariner 10, die vor 30 Jahren bereits drei Vorbeiflüge am Merkur unternahm. Am 29. September dieses Jahres soll ein dritter Vorbeiflug stattfinden und am 18. Mai 2011 schließlich wird das Raumfahrzeug, geht weiterhin auf der komplexen Reise alles gut, in einen Orbit um den sonnennächsten Planeten einschwenken.

Platz 9: Zwei Kosmonauten-Generatonen Vater und Sohn Volkov; Credit: Dimitry Lovetzky 9. Erster Raumfahrer der zweiten Generation im Orbit

Am  8. April startete der erste Raumfahrer der zweiten Generation in den Orbit. Diese Erstleistung erzielte der Kommandant der ISS Expedition 17 (und gleichzeitig Kommandant des Raumfahrzeugs Sojus TMA 12) Sergei Alexandrowitsch Volkov. Der für einen heutigen Kosmonauten mit gerade eben 35 Jahren (er hatte am 1. April Geburtstag) ungewöhnlich junge Raumfahrer ist niemand anders als der Sohn des früheren Kosmonauten Alexander Volkov, der in den Jahren 1985 bis 1991 bei insgesamt drei Raumflügen 391 Tage im Weltraum verbracht hat. Er gehörte mit zur legendären Mir 13 Crew - zusammen mit Sergei Krikalev - die sich an Bord der Raumstation befand, als die Sowjetunion zusammenbrach. Er war als Sowjetbürger gestartet und als Russe wieder zurückgekommen.

Der Zufall wollte es, dass Sergei Volkov seine Landung am 24. Oktober zusammen mit dem zweiten Sohn eines ehemaligen Raumfahrers durchführte. Der Unternehmer Richard Garriott, Sohn des Skylab- und Shuttle Astronauten Owen Garriott, hatte sich nämlich für etwa 25 Millionen Dollar ein "Mitflugticket" bei den Russen gekauft, war mit Sojus TMA 13 zur ISS gekommen, und hatte dabei im Rahmen der periodischen Crew-Rotation einen achttägigen Aufenthalt auf der ISS erleben.

Der nächste Kosmonautensohn wartet übrigens auch schon auf seinen Einsatz: Roman Romanenko ist für einen Langzeitaufenthalt auf der ISS im Oktober 2009 nominiert. Er ist der Sohn von Juri Romanenko, der in den Jahren 1977 bis 1987 drei Raumflüge unternahm und dabei insgesamt 430 Tage im Erdorbit verbrachte.

Platz 8: Fermi startet auf Delta 2 Heavy; Credit: NASA

8. Gamma-Strahlenteleskop Fermi gestartet

Am 11. Juni wurde das bislang leistungsstärkste Gammastrahlen-Teleskop in den Erdorbit gebracht, das  viereinhalb Tonnen GLAST (Gamma-ray Large Area Telescope).

75 Minuten und 9 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe 17B auf der Cap Canaveral Luftwaffenbasis wurde die wertvolle Nutzlast von der Trägerrakete freigegeben.

GLAST kreist seitdem in einer Höhe von etwa 560 Kilometern über der Erde. Nach einer  mehrwöchige Indienststellungsphase, in der alle Systeme und Instrumente getestet und kalibriert werden, begann das neue Teleskop seinen Dienst. Dieser Zeitpunkt wurde zum Anlass genommen, das Teleskop umzutaufen. Es heißt seitdem "Fermi", benannt nach dem italienischen Nuklearphysiker, der Maßgeblich an der Entwicklung der ersten Kernreaktoren beteiligt war.

Einen Arbeitsschwerpunkte von Fermi werden die GRBs bilden, die Gamma Ray Bursts". Dabei soll ein Strahlungsbereich mit einer Bandweite überwacht werden, wie es seit dem Ende der Mission COMPTON/EGRET nicht mehr möglich war.

Das Observatorium verfügt über zwei Instrumente. Das Hauptinstrument LAT, das Large Area Telescope, hat ein sehr grosses Gesichtsfeld von etwa einem Viertel des Gesamthimmels und wird Gammastrahlung mit Energien von etwa zwanzig Millionen eV (20 MeV) bis zu dreihundert Milliarden eV (300 GeV) messen. Das zweite Instrument mit der Bezeichnung GBM (GLAST Burst Monitor) wird seine Messungen in einem Energiebereich zwischen 5.000 eV (5 keV) und 30 Mega-Elektronenvolt durchführen.

Die erste Entdeckung erfolgte bereits wenige Tage nach seiner Indienststellung: Das Raumfahrzeug entdeckte einen Pulsar, der Radiostrahlung ausschließlich im Gammastrahlenbereich aussandte. Dieser Pulsar überdeckt die Erde alle 316,86 Millisekunden und ist etwa 4.600 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Platz 7: Phoenix steigt zur Marsoberfläche ab; Credit: NASA

7. Phoenix landet in den nördlichen Breiten des Mars

Am 25. Mai landete die Raumsonde Phoenix der NASA in den nördlichen Breiten des Roten Planeten. Es ist dies die erste erfolgreiche Landung seit 2004 und erst die dritte überhaupt, die nur mit Triebwerksunterstützung erfolgreich vorgenommen wurde.

Im Gegensatz zu den Rovern Spirit und Opportunity handelt es sich bei Phoenix um einen stationären Lander. Und im Gegensatz zu diesen beiden Mars-Erkundern war die Lebensdauer von Phoenix von vorneherein begrenzt. Auf dem Mars sind die Verhältnisse vergleichbar denen auf der Erde. Es ist im Norden wesentlich kälter als in Äquatornäher (hier allerdings bis weit unter minus 100 Grad) und die Tage werden immer kürzer bis schließlich die Polarnacht herrscht. Damit konnten die Solargeneratoren der Sonde die Batterien nicht mehr laden.  

So weit im Norden war nie zuvor ein Raumfahrzeug auf dem Roten Planeten gelandet. Phoenix konnte Wassereis bereits wenige Zentimeter unter der Oberflächenstaubschicht nachweisen.

Am 2. November war die Energieversorgung so weit abgesunken, dass der Lander keine Energie mehr für eine Datenübertragung zur Erde hatte. Ein wenig früher als angenommen, da ein Staubsturm dem Lander das wenige verfügbare Licht raubte. Trotzdem eine extreme erfolgreiche Mission die technisch überaus gelungen war.

Der Phoenix-Lander sorgte auch für das Raumfahrtbild des Jahres. Aufgenommen wurde es vom Mars Reconnaissance Orbiter der NASA, den die Bodenkontrolle so programmiert hatte, dass er die Abstiegszone von Phoenix ablichtet. Dass der Lander hier auf diesem Bild etwa 15 Sekunden nach dem Öffnen des Hauptfallschirms abgelichtet werden konnte ist allerdings nicht weniger als ein Wunder. Diese Aufnahme wird garantiert in die Annalen der Raumfahrtgeschichte eingehen.

Platz 6: MIPimage unmittelbar vor dem Aufschlag; Credit: ISRO

6. Indien startet Sonde zum Mond

Am 22. Oktober startete die indische Mondsonde Chandrayaan 1 zu unserem Nachbarn am Firmament. Das Raumfahrzeug ist bereits die dritte asiatische Mondsonde, die innerhalb von nur eineinhalb Jahren gestartet worden war. Japan und China entsandten bereits im Jahre 2007 jeweils eine Sonde zum Mond.

Chandraayan wurde mit einer PSLV-Rakete zunächst in einen hochelliptischen Erdorbit gestartet. Nach einer Reihe von Brennmanövern des Hauptmotors erreichte die Sonde am 12. November die Mondumlaufbahn, wo sie mit einer auf zwei Jahre angesetzten Forschungsmission begann. Anders als bei den chinesischen und japanischen Sonden gab es aber hier auch "Bodenkontakt". Es war nämlich eine Minisonde an Bord, MIP genannt (Moon Impact Probe) in den Nationalfarben bemalt, die am 14. November zu einem gezielten Absturz auf die Mondoberfläche gebracht wurde.  Der Aufschlagpunkt befand sich in der Nähe des Kraters Shakleton am Mondsüdpol.

Indien hat ein steil aufstrebendes Raumfahrtprogramm, das für die nähere Zukunft auch weitere Sonden zum Mond und ein bemanntes Erdorbitprogramm vorsieht.