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Astronomers do it at night Salve Spacefreak, Ave Astronom, dies ist der achtzehnte Brief aus dem alten Rom. Man nennt mich Marcus Tullius Astrum, Sterndeuter am Hof des Augustus, und ich begleite euch durchs astronomische Jahr.

Der Astronom ist ein Nachtmensch. Einer jener Zeitgenossen, die die Dunkelheit suchen, sich in einen grauen Mantel hüllen, einsame Stunden zählen. Der Astronom gehört zur Gruppe der Nachtvögel. Gemeinsam mit den Dieben, den Nachtwächtern, den Dirnen und den Wirten kennt er die andere Hälfte des Tages besser. Jedenfalls in der Antike.

Es gibt Astronomen auch bei Tage. Aber ein Astronom am Tag ist wie ein Seefahrer an Land. Er gehört da nicht hin. Bei Licht besehen sieht der Astronom blass aus und sorgenvoll. Es fehlt ihm etwas. Er wirkt nicht wie ein Staatsmann, ein Senator, eher wie ein Bündel Armseligkeit. Erst wenn die Dämmerung am Abend aus dem Osten gekrochen kommt, beginnt er zu atmen, beginnen seine Augen zu funkeln, seine Glieder sich zu regen und seine Haut sich zu straffen. Der kühle Abendwind umfängt sein Gesicht, er wirft den Mantel um seine Schulter, und wer sich um diese Zeit ins Haus zurückzieht, sieht schon von weitem: Hier steht der Kaiser der Nacht.

Der Astronom liebt die Nacht aber nicht der Nacht wegen. Er ist Gefangener der Sterne. Erst wenn die Erde den Astronomen ins rechte Licht gerückt hat, auf die andere Seite, ihn in den Weltraum schauen lässt, ohne dass der Glanz der Sonne ihn blendet, kann er überhaupt sehen.

Es gibt andere wie ihn. Die Eulen leben in der Nacht. Den Eulen ist schon in der Antike keine Sympathie beschieden. Unsere griechischen Freunde sehen die Eule als Boten des Unglücks. Wehe, wenn ihr Ruf ertönt. Als man Julius Cäsar ermordete, muss Rom voll von Eulen gewesen sein. Shakespeare wird noch viele Jahrhunderte später schreiben: "Und gestern saß der Vogel; der Nacht sogar am Mittag auf dem Markte; und kreischt' und schrie."

Der Astronom ist im Vergleich zur Eule geradezu harmlos. Er heult nicht, er fliegt nicht, er beobachtet still.

Wir sprechen uns bald wieder.

Marcus Tullius