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 ESO/J. Emerson/VISTA. Cambridge Astronomical Survey UnitIn ganz neuem Licht präsentiert sich der berühmte Große Orionnebel auf einer Aufnahme des Teleskops VISTA der Europäischen Südsternwarte. Die Nahinfrarotfotografie zeigt die Struktur dieses 1500 Lichtjahre entfernten Nebels in unvergleichlicher Weise. Mit einer Ausdehnung von rund 30 Lichtjahren gehört der Orionnebel zu einer der größten und aktivsten Sternentstehungsregionen in unserer Ecke der Milchstraße. Astrophysikern bietet er Einblicke in die Entstehung neuer Sterne - und Amateurastronomen spannende Stunden am eigenen Teleskop.

Grafik erstellt mit StellariumDer Orionnebel (Messier 42) ist wohl einer der meistfotografierten Gasnebel. Es handelt sich um eine aktive Sternentstehungsregion in unserer Galaxie, also eine Zone, in denen Wasserstoffgas infolge seiner eigenen Schwerkraft kollabiert und neue Sterne entstehen. Das Gas an sich wäre unsichtbar – doch die harte UV-Strahlung der neugeborenen Sterne ionisiert die Wasserstoffatome und regt sie so zum Leuchten an. Aber der Blick in ein gewöhnliches Teleskop zeigt nur das sichtbare Licht des Wasserstoffnebels. Seine wahren Dimensionen enthüllen erst Aufnahmen in langwelligeren Spektralbereichen. VISTA , ein erst Ende 2009 eingeweihtes Teleskop der Europäischen Südsternwarte ESO, lichtete ihn nun im sichtbaren und nahen Infrarotlicht ab (Bildrechte: ESO/J. Emerson/VISTA. Cambridge Astronomical Survey Unit).

Gerade das Infrarotlicht zeigt die Sternentstehungsregionen besonders gut, denn im sichtbaren Spektralbereich werden sie durch Staubwolken verhüllt. Infrarotlicht - Wärmestrahlung also - kann die Staubwolken durchdringen und ermöglicht den Astronomen so einen direkten Blick in die stellare Kinderstube von M42. So zeigen die VISTA-Bilder junge Sterne im Nebel, die im sichtbaren Licht nicht zu sehen sind. Nicht nur das Zentrum des Orionnebels ist demnach von jungen Sternen bevölkert, auch in den äußeren Regionen erkennt man Sternentstehungsgebiete, die sich durch ihre Infrarotstrahlung verraten. Sie zeigen sich in der Aufnahme als rote, knotenartige Strukturen oberhalb des hellen Nebelzentrums.

Wer den Orionnebel einmal live sehen möchte, hat in diesen Wochen reichlich Gelegenheit: Der Nebel ist Teil des Wintersternbilds Orion, dem mythischen Himmelsjäger und ganz nebenbei Namensgeber "unseres" Orion. Man findet ihn leicht, wenn man im Winter nach Einbruch der Dunkelheit Richtung Süden blickt. Direkt unterhalb der drei in einer Reihe stehenden "Gürtelsterne" des Orion liegt der Nebel M42, im sogenannten "Schwertgehänge" des Jägers. Schon ein Fernglas reicht aus, um den Nebel zu sehen. In einem Amateurfernrohr und bei höherer Vergrößerung erkennt man schließlich die vier hellsten Sterne des Nebels. Diese formen ein trapezartiges Viereck.

Natürlich reicht das Live-Bild nicht an die spektakuläre Aufnahme eines 4-Meter-Teleskops wie VISTA heran - doch wie oft kann man schon mal bei einer Sterngeburt zuschauen?

Jan Hattenbach