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Credit: NASA / CXC / CIA / STSci / Magellan / Univ. of Ariz. / ESO Der Kosmos ist eine seltsame Welt. Überall Dinge, die uns fremd sind, die wir nicht verstehen, die wir aus unserer Alltagswelt nicht kennen. Quanten- oder Vakuumfluktuation zum Beispiel: schon mal gehört? Das ist, wenn aus dem Nichts (nicht wirklich, nur für unsere Wahrnehmung) Teilchenpaare entstehen - ein Teilchen und ein Antiteilchen. Die sind auch im Handumdrehen wieder weg, außer eines davon plumpst in ein Schwarzes Loch.

Dann bleibt das andere übrig, und das Schwarze Loch hat Masse verloren. Weil ja quasi ein Teilchen herausgekommen ist. Nicht wirklich, aber das andere Teilchen ist jetzt drin … oder so ähnlich. Wer kommt auf solche Ideen? Jemand, der viel nachdenkt - in diesem Fall Steven Hawking. Physiker bezeichnen den oben beschriebenen Vorgang als Hawking-Strahlung und führen ihn als Argument an, weshalb im LHC entstehende Schwarze Löcher harmlos sind, sofern sie überhaupt entstehen.

Ein Freund hat mir das mal ganz einfach erklärt: “Stell dir vor, in einen Raum gehen drei Leute rein, und fünf kommen raus. Dann müssen noch zwei reingehen, damit keiner mehr drinnen ist.” Klare Sache, oder?

Aber es gibt noch mehr seltsame Dinge, von denen eigentlich niemand dachte, dass es sie in freier Wildbahn und größeren Mengen gibt, Antimaterie zum Beispiel. Physiker und Astronomen wurden nicht müde uns zu erklären, dass es im Universum einen Überschuss an Materie und praktisch keine Antimaterie gibt. Antimaterie hat nämlich auf unsere Materie eine verheerende Wirkung: stößt sie mit dieser zusammen, “zerstrahlt” sie, und die Energie, die frei wird, kann man mittels der hübschen Formel E=mc² berechnen - da kommt also ziemlich viel raus. Vielleicht verstehen Sie, warum ich immer ein etwas mulmiges Gefühl bekomme, wenn in der Pizzeria am gleichen Tisch Pasti und Antipasti bestellt werden.

Jetzt hat aber doch jemand Antimaterie gefunden, nämlich Pamela (nein, nicht die Blonde). In kleinen Mengen kannte man Positronen und solches Gesocks ja, mühsam und mit viel Energieaufwand zusammengebraut in Teilchenbeschleunigern. Aber Pamela hat sie im Universum gefunden. In größeren Mengen. Einfach so herumfliegend.

Pamela ist ein Experiment und heißt eigentlich Payload for Antimatter/Matter Exploration and Light-nuclei Astrophysics (ja, mir ist “Pamela” auch lieber). Ein italienisches Experiment übrigens (soviel zu Antipasti) an Bord des russischen Satelliten Resurs-DK1, der am 15. Juni 2006 mit einer Sojus-Rakete startete.

Also: von diesen Positronen schwirren offenbar zehnmal soviele im Universum herum als eigentlich dort sein dürften (für uns ist das immer noch wenig, ehrlich gesagt). Irgendwo müssen die herkommen. Eine vorstellbare Möglichkeit sind Pulsare, aber das ist irgendwie langweilig. Viel aufregender wäre die Idee “Zerfall von Dunkler Materie”.

Wieder so ein Ding. Niemand weiß, was es ist, aber der Großteil des Universums besteht daraus. Irgendwo ist eine goße Menge davon, man kann es nur nicht beobachten, messen oder sonstwie wahrnehmen. Zahlen gefällig? 23 Prozent der Materie ist Dunkle Materie. Klingt nach nicht aufregend viel, aber da gibts noch Dunkle Energie, das sind nochmal 72 Prozent der Masse. Wenn man die noch in die Bilanz einrechnet, bleiben gerade mal 5 Prozent dessen im Universum, was wir kennen, sehen, messen, wahrnehmen können. Für Leute, die Fremdwörter mögen: Baryonsche Materie. Von den restlichen 95 Prozent wissen nicht mal, was es ist. Nur, dass es da sein muss.

Eigentlich hofften die Wissenschaftler ja, im LHC nähere Hinweise zu finden. Das ist vorerst verschoben, aber nicht aufgehoben. Vorläufig könne wir uns an Pamelas Positronen ergötzen und schon mal sagen: “Hmm, interessant!”

Mehr dazu: Überall Antimaterie
Mehr über Kosmos und so: Astronomiewissen

Nox