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La Silla; Credit: Paul BeckGerade wenn es in Europa Sommer oder Herbst ist, herrscht auf der Südhalbkugel Winter und die Nächte sind entsprechend lang. Das hat natürlich Vorteile, da man länger beobachten und Daten sammeln kann. Aber dementsprechend lang sind auch die Nächte die man als Astronom am Teleskop "sitzt".

Credit: Paul Beck
Credit: Paul Beck
Credit: Paul Beck
Vier Planeten; Credit: Paul Beck
Credit: Paul Beck
Geschwindigkeitsbeschränkungen; Credit: Paul Beck
Grüner Blitz; Credit: Paul Beck
Internationale Raumstation ISS; Credit: Paul Beck

Dabei stimmt das alt hergebrachte romantische "Astronom-am-Teleskop" schon längst nicht mehr mit der Realität überein. Moderne Teleskopkontrollräume liegen meinst am anderen Ende des Sternwartengebäudes, oder wie hier in La Silla für die großen Drei (ESO 3.6m, 2.2 Danish Telescope, ?.? New Technology Telescope) auf der anderen Seite des Berges. Sternlicht sieht man schon lange mehr durch ein Okular, sondern als color-intensity-map auf einem von 20 Bildschirme. Auf jedem dieser kommen minütlich beobachtungs-relevante Information heringeflattert. Die eigentliche Aufgabe des Astronomens während der Beobachtung ist es dafür zu sorgen, dass die Datenqualität stimmt und die (manchmal nicht selten) auftretenden Technischen Probleme vor Ort zu lösen und im Allgemeinen dafür zu sorgen, dass das Teleskop nicht zu Bruch geht.

La Silla und die Anden

Das Observatorium in La Silla wurde in 1969 von der Europäischen Südsternwarte (ESO) eröffnet. Bereits vor der offiziellen Gründung der ESO 1964 wurde mit der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Observatorium dieser Dimension geschuht. Ursprünglich fasste man Südafrika oder Namibia in Betracht entschied sich schließlich jedoch für die Nordküste Chiles. La Silla liegt auf 2400m Meereshöhe und 600 km nördlich von der Hauptstadt Santiago de Chile bzw. 230 km südlich jener Mine in San Jose über deren Grubenunglück in den vergangenen Wochen in den heimischen Medien häufig berichtet wurde und deren Rettungsaktion soeben in die heiße Phase getreten ist. La Silla bedeutet soviel wie der Sattel und wurde aufgrund jener so beschriebenen Bergrückenform von seinem ursprünglichen Namen ‚Cinchado’ geändert.

Der Bergücken ist überseht Teleskoptürmen, den so genannten Domes und den dazugehörigen Kontrollräumen. Im Laufe der Jahre ist die Zahl auf 18 gestiegen, von denen 10 Teleskope mit Durchmesern von 0.4 bis zu 1.5m jedoch mittlerweile wieder außer Betrieb genommen wurden, da sie zu alt sind und eine grundlegende Aufrüstung zu kostspielig wäre. Weiters wurde auch das 15 m Swedish ESO Submillimeter Telescope (SEST) dekommisioniert.

Dagegen sind noch 8 Teleskope mit Spiegeldurchmessern von 1 bis 3.6 m im Einsatz und mit modernster Technik ausgestattet. Während man an jenen Teleskopen die der ESO gehören mittels Beobachtungsanträgen sich um Teleskopzeit bewerben kann sind jene Teleskope die von gewissen Instituten erbaut und betrieben werden nicht öffentlich sondern nur duch wissenschaftliche Zusammenarbeit, sogenannten Collaborations zugänglich. Besonders zu erwähnen sind natürlich die großen 3 ESO Teleskope: 2.2m Max-Planck-ESO, gefolgt vom 3,5-Meter-New-Technology-Telescope (NTT).

Eine der Kennzahlen eines Teleskops in der Astronomie ist die sogenannte ‚Überzeichnung’. Diese beschreibt um wie viel mehr Zeit von Astronomen auf diesem Teleskop beantragt wurde als in einer Beobachtungssaison (bei der Eso von ? bis ? eines Jahres) überhaupt verfügbar ist. Mit eine Überzeichnungs-Faktor von 7.5(!) gehört das 3.6 m ESO-Teleskop hier in La Silla wahrscheinlich zu den begehrtesten Instrumenten überhaupt, da diesem stattlichen Spiegel Instrumente wie der Planetenjäger-Spektrograph HARPS angeschlossen sind. 3.6 ESO: http://www.eso.org/sci/facilities/lasilla/telescopes/3p6/index.html Man bekommt dann nach dem Ende der Begutachtungsfrist ein eMail, dass der Beobachtungsantrag zwar so gut war dass er nicht abgelehnt wurde, aber, leider nicht genügend zeit vorhanden ist um in die Planung mit aufgenommen zu werden. Nicht zuletzt steht das 3.6 auf dem höchsten Punkt des Sattels und überragt, dem Olymp gleich alle anderen Teleskope.

Nicht zu vergessen ist hier das 1,2-Meter-Euler -Teleskop (Geneva) auf dem ich im August und Oktober 2010 mehr als 4 Wochen lang beobachtet habe.

Wenn es Nacht wird über La Silla

Bei einer typischen Touristenführung die jeden Samstag (gegen Anmeldung, außer Juli August) gegen 14.00 beginnt werden den Touristen auch das 3.6 wowie das NTT hautnah gezeigt. Und es läuft einem der kalte Schauer über den Rücken – weil es in den klimatisierten Kuppeln so kalt ist. Mehr kann ein Tourist hier heroben jedoch nicht sehen. Da es außer den Teleskoptürmen nur noch die (beeindruckende) Kulisse der Anden und vereinzelten Bussarden und Eseln nichts mehr zu sehen gibt. Für wanderlustige Astronomen gibt es jedoch noch ein kleines Extra. Mehrere ???? Jahre alte, in Stein geritzte Zeichnungen von Hirten. Diese sogenannten Petroglyphen sind in der ganzen Region zu finden und zeigen verschiedene Szenen aus deren Alltag. Es darf jedoch angenommen werden, das Zeichen wir ein Mercedesstern eher der Phantasie gelangweilter Astronomen als der mythischen Symbolsprache eines Hiertenvolkes entsprangen. Wirklich spannend werden diese Berge jedoch erst wenn sich die Nacht über LaSilla legt und der Berg eigentlich erst jetzt zum Leben erwacht. Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen – man muss hier gewesen sein und es selbst erlebt haben. Aber vielleicht gelingt es mir mit meinen Aufnahmen einen Teil dieser Magie zu vermitteln.

Aber manchmal zieht es den Astronomen doch hinaus. Hinaus in die Abendstimmung oder die kalte, dunkle Nacht und man wirft einen, anfangs von dem grelle Bildschirmlicht geblendeten Blick hinauf. Nach ein paar Minuten jedoch hat man sich an die Dunkelheit gewöhnt und selbst in mondlosen Nächten reicht das Licht der Milchstraße aus, um ohne Probleme in der Wildnis gehen zu können.

Abgesehen von den Wundern einer sternklaren Nacht abgesehen, kann man mit etwas Glück besonders eindrucksvolle Momente auf dem dunklen Firmament entdecken. Ein solches war eine besondere Bahnstellung der Planeten, die dazu führte dass Venus, Saturn, Mars und Merkur am Westhorizont sichtbar ist waren – besonders eindrucksvoll arrangiert auf dem Hintergrund des Zodiakallichtes. Während der ersten Aufnahmen am Beginn der Nacht konnte ich diese Stimmung einfangen. Mit auf dem Bild sind das New technology Telescope und rechts ‚mein’ Turm des Euler Teleskops. Da für einen kurzen Moment zwischen den Belichtungen die (schwache) Kuppelbeleuchtung eingeschaltet wurde erscheint die Innenseite der Kuppel beleuchtet.

Ein weiterer spannender Moment war ein extrem heller Überflug (-3.5mag) der Internationalen Raumstation, ISS. Aufgrund der Karten von heavens-above.com wusste ich dass die ISS knapp über dem 3.6 m ESO Teleskop sichtbar sein sollte und habe mich im entsprechenden Zeitraum auf die Lauer gelegt. Ein abnehmender Halbmond erleuchtete die frühe Nacht und erzeugte ein Ambiente wie aus einem Science Fiction Film.

Da Astronomen die meiste Zeit der Nacht alleine im Kontrollraum ‚ihres’ Teleskops sitzen ist das Abendessen der Zeitpunkt wo man sich austauschen und plaudern kann. Zu einem regelrechten Sport entwickelt sich dabei die Jagd nach dem grünen Blitz – dem Green Flash. Sollte man rechtzeitig fertig werden versammeln sich die Enthusiasten (wahlweise mit einem Kaffee oder einer Fotokamera in der Hand) vor der Westfassade des Hotels und warten auf dieses atmosphärische Phänomen. Manchmal hat man Glück. Nicht ganz so bombastisch wie in Fluch der Karibik 3 gezeigt, dafür real:

   Astronomicus