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Julius Cäsar Kurze Kulturgeschichte zum Schalttag 2008

Cäsar wurde an den Iden des März ermordet. Er hätte vielleicht auch schon zwei Wochen früher, an den Kalenden des März, sterben können, aber da hatten seine Häscher vielleicht keine Zeit. An den Kalenden, dem ersten Tag des Monats im alten Rom, wurden nämlich die Schulden bezahlt. Und nachdem dieser Tag wichtig war, wurde er stets „ausgerufen“, im Lateinischen „calare“ – nur deshalb sprechen wir noch heute vom „Kalender“, nicht etwas vom „Ider“ oder gar „Idender“.

 Von Rom ins All. Mit einer Geschwindigkeit von rund 107.200 km/h rast unsere Erde um die Sonne. Sie tut das recht präzise, und benötigt für einen Umlauf 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden. Astronomen sprechen vom „Tropischen Jahr“ (das also nichts mit Urlaubsgefühlen zu tun hat). Die exakte Definition eines Tropischen Jahres ist kompliziert, außerdem gibt es mehr als eine, und zu allem Überfluss ändert sich auch – schleichend – seine exakte Dauer. Das Wort „Tropisch“ kommt aus dem Griechischen: „tropos“, Wechsel.

Wenn man die Römer erwähnt und die Griechen, muss man auch von den Ägyptern sprechen. Im alten Ägypten war nämlich bereits ein zwölf Monate dauerndes Sonnenjahr in Verwendung, zu 365 Tagen (bzw. zu 360 + 5 Tagen). Und am Nil wusste man vom Problem, dass die Erde für jeden Umlauf eigentlich knapp einen Viertel-Tag länger braucht. Dort findet sich daher auch bereits der Schalttag wieder – ein in regelmäßigen Abständen eingeschobener Tag, der die astronomische Dauer eines Sonnenumlaufs der Erde wieder mit der ästhetischen Ganzzahligkeit der Kalender-Rechnung in Einklang bringt.

Julius Cäsar, der bereits im ersten Absatz ermordet wurde, übernahm die Schalt-Idee für seinen Kalender. Man rechnete nun mit 365,25 Tagen Jahresdauer, alle vier Jahre ein Schalttag, und die Übereinstimmungs-Probleme – blieben. Warum? Weil man diesmal des Guten zu viel getan hatte und der Erde nun mehr Zeit gab, als sie tatsächlich für eine Sonnenumrundung braucht. 11 Minuten und ein paar Sekunden zu viel. So langsam war die Erde nun auch wieder nicht.

In der Renaissance modifizierte man daher die Regel ein wenig weiter (heute würde man sagen: fine-tuning), bis man zu folgender Logik kam: alle Jahre, die durch „4“ ohne Rest teilbar sind (z.B. 2008 geteilt durch 4 = 502, kein Rest), sind Schaltjahre – sie haben einen 366. Tag und sind daher kalendarisch einen Tag länger als die normalen Jahre (astronomisch natürlich hat jedes Jahr die gleiche Länge). Alle Jahre, die durch „100“ ohne Rest teilbar sind, sind aber dann doch keine Schaltjahre (z.B. 1900 geteilt durch 4 = 475, aber auch geteilt durch 100 = 19, kein Rest). Und als Draufgabe werden alle Jahre, die durch „400“ ohne Rest teilbar sind, dann doch wieder Schaltjahre (machen wir es kurz: das Jahr 2000 zum Beispiel). Und plötzlich weicht der Kalender vom Sonnenumlauf rechnerisch nur mehr 27 Sekunden ab.

Welche Persönlichkeit wurde am 9. Oktober 1582 geboren? Gar keine. Es wurde überhaupt niemand am 9. Oktober 1582 geboren, weltweit kein Mensch. Es gab den Tag nicht. Als Papst Gregor der 13. im Jahr 1582 die beschriebene Reform umsetzen lief, waren die Fehler des römischen Kalenders bereits auf über eine Woche angewachsen, und so wurde angeordnet, auf den 4. Oktober habe der 15. zu folgen. Dann war alles wieder im Lot.

Am Ende steht aber doch noch ein Irrtum. Der Schalttag selbst, der immer wieder kehrt – ist leider nicht der 29. Februar. Es ist streng historisch genommen der verdoppelte 24. Februar; der sechste Tag vor den Kalenden des März. Ein doppelter Sechster also – daher heißt das Schaltjahr noch heute im Italienischen „anno bisestile“ (und im Französischen „année bissextile“, usw.). Warum so und nicht anders, sollte man am besten Cäsar selbst fragen, aber der ist nun schon seit sechs Absätzen tot. Es lebe die Kalenderrechnung.

Doppler