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Ein typischer Chondrit Astronomen aus Brasilien und den USA ist es gelungen, die Quelle für die häufigsten auf der Erde gefundenen Meteoriten aufzuspüren. Mit dem Gemini-Zwillingsteleskop maßen sie das Spektrum von vier sehr jungen Asteroidengruppen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Der Vergleich mit auf der Erde gefundenen gewöhnlichen Chondriten zeigt eine deutliche Übereinstimmung. Diese Entdeckung stellt den ersten aus einer astronomischen Beobachtung gewonnenen Beleg für den Asteroidengürtel als Quelle der Steinmeteorite dar.

Thais Mothé-Diniz und David Nesvorný untersuchten die zwischen 50.000 und 600.000 Jahre alten Asteroidengruppen mit den 8,2-Meter Teleskopen des Gemini-Observatoriums auf Hawaii und in Chile. Die Gruppen sind durch Kollisionen im Asteroidengürtel entstanden. Das ist an sich nichts ungewöhnliches, besonders aber ist ihr Alter. Es handelt sich um sehr junge Asteroidengruppen, zumindest für kosmische Maßstäbe. Dadurch sind die Oberflächen der Kleinplaneten weniger stark der „Weltraum-Alterung“ zum Opfer gefallen. Bei diesem Prozess wirken die geladenen Teilchen des Sonnenwinds über auf das Gestein der Planetoiden ein und verändern langsam ihr spektrales Aussehen.

Bei Kollisionen, die zur Bildung von Asteroidengruppen führen, werden manchmal auch einige der Bruchstücke auf eine neue Umlaufbahn gelenkt, die sie in Richtung Erde führt. Hier können sie schließlich als Meteorite niedergehen. Da diese Fragmente weit weniger lange der Weltraumalterung ausgesetzt sind, unterscheiden sich ihre Spektren deutlich von denen ihrer Mutterkörper. In der Regel stehen den  Astronomen nur die Spektren als Vergleichsmöglichkeit zur Verfügung,  bislang war deshalb eine eindeutige Herkunftsbestimmung der Chondriten nicht möglich. Es fehlten einfach die „frischen“, vom Sonnenwind noch weitgehend unveränderten Asteroidenoberflächen.

Die im Jahr 2006 gefundenen jungen Asteroidengruppen weisen jedoch die gleichen Spektren auf wie 75% der auf der Erde gefundenen Meteorite, den gewöhnlichen Chondriten. Damit erhärtet sich der lange schwebende Verdacht, nachdem Chondrite Bruchstücke aus dem Asteroidengürtel sind. Außerdem helfen die Beobachtungen von Mothé-Diniz und Nesvorný, den Prozess der Weltraumalterung besser zu verstehen. Die Identifizierung des Mutterkörpers eines Meteoriten ist zudem besonders wertvoll für das Studium der Geschichte unseres Sonnensystems.

Die Ergebnisse von Thais Mothé-Diniz und David Nesvorný  wurden in den Astronomy & Astrophysics Letters, 2008, vol. 486-2, pp. L9-L12 veröffentlicht.

Das Bild zeigt einen Chondriten vom Typ H4/5, der am 15. September 2007 in Carancas, Peru niedergegangen ist. (Jan Hattenbach) 

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