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AutoIch bin gefragt worden, warum ich an dieser Stelle nicht auch mal über den Google Lunar X-Price (LGXP) schreibe. Kann ich schon sagen: weil das eine Totgeburt ist und und deshalb keine Lust dazu hab. Aber wenn man mich schon fragt, will ich es also hiermit ein einziges Mal tun und dann nicht mehr, denn in seiner jetzigen Aufstellung der der GLXP ein völlig hoffnungsloses Unterfangen.

Der Google Lunar XPrice ist ein Beispiel dafür, dass Private Raumfahrt (in dem Fall sollte man allerdings eher von "Amateur-Raumfahrt" sprechen) eine Spielwiese ist, auf der durchaus auch Mist herauskommen kann. Gut, vielleicht sollte ich an der Metapher mit dem "Mist" noch ein wenig arbeiten, denn hier ist nicht zu viel sondern zu wenig Mist im Spiel, um die Sache prosperieren und wachsen zu lassen.

Ich hatte schon Gelegenheit mich mit einer der Gruppierungen näher und mit einigen anderen etwas entfernter zu befassen, und ich habe festgestellt: Das funktioniert nicht. Der ausgeschriebene Preis ist viel zu niedrig, die technischen Hürden sind viel zu hoch, und die meisten der Gruppen, die hier mitmachen, sind völlig verpeilt oder bezwecken mit ihrer Teilnahme in Wirklichkeit was anderes.

Allen gemeinsam aber ist, dass sie mit der Aufgabe, ein Raumfahrzeug auf dem Mond zu landen, heillos überfordert sind. Diese Aufgabe könnten heutzutage - theoretisch - vielleicht weltweit zehn Nationalstaaten, Institutionen oder Firmen mit all ihrer Finanzkraft und Expertise stemmen. Wie sollen das dann Gruppierungen, die in der Regel aus ein paar dutzend weltfremden Bastlern bestehen, jemals schaffen?

Die Gruppe, mit der ich mich intensiver beschäftigte, bosselt seit vielen Jahren liebevoll an ihrem Rover herum, hat aber sechs Jahre lang das eigentliche Problem, nämlich den Transport ihres Wägelchens zum Mond, praktisch nicht bearbeitet. Überhaupt ist den meisten von ihnen erst vor kurzem aufgegangen, dass das in erster Linie, und zwar zu 99,99 Prozent, eine astronautische Aufgabe ist und keine fahrzeugtechnische.

Dazu kommt, dass praktisch keine dieser Gruppen irgendeinen Dunst hat, wie ein mittelgroßes oder großes technisches Entwicklungsprojekt gemanagt werden muss.

Jede von ihnen hätte schon von der ersten Minute des Wettbewerbs (er lief 2007 an) mit dem Raumfahrzeug beginnen müssen. Gegenwärtig müssten, um die wieder einmal verlängerte Deadline (jetzt ende 2015) zu treffen, bereits die abschließenden Tests laufen und bald schon die Integration der Nutzlast mit dem Träger- und Landesystem beginnen. Ich habe aber nirgendwo auch nur irgendwelche Test-Rigs, Boilerplates, Prototypen oder Engineering Modelle gesehen, geschweige denn fix und fertige Hardware. Wohlgemerkt: Ich spreche hier von den Trägerraketen, Transfer- und Landestufen, denn - wie gesagt - Rover basteln machen sie alle mit großer Liebe und Detailverliebtheit. Angesichts der immensen astronautischen Aufgabe ist der aber ein lächerliches Nebenproblem.

Um die Sache ein wenig anzukurbeln und wie "Nature" kürzlich in einem etwas despektierlichen Artikel zu diesem Thema schrieb, den "Wettbewerbern eine Karotte vor die Nase zu hängen", schrieb Google jetzt auch noch so genannte „Milestone-Prices“ aus. Insgesamt sechs Millionen Dollar. Die Tests werden allerdings auf der Erde durchgeführt, und das ist der Ort, an dem auch all diese Rover am Ende bleiben werden. Keiner wird es jemals zum Mond schaffen.

Es gäbe gegenwärtig nur eine einzige Möglichkeit, diesen Wettbewerb innerhalb von - sagen wir mal – weiteren sechs bis sieben Jahren zu einem Erfolg zu verhelfeen. Und der sieht so aus:

1. Google kauft bei den Chinesen eine Trägerrakete und einen Lander der Chang'e 3 Klasse. Dieser Lander ist leistungsfähig genug, etwa eine halbe Tonne Material auf dem Mond zu landen. Das dürfte das Gesamtgewicht aller am GLXP gemeldeten Rover sein und könnte von daher funktionieren. Der Preis dafür dürfte etwa bei 300 Millionen Euro liegen. Ein Klacks für Google.

2. Alle Rover aller Wettbewerber werden auf den Lander gepackt und zum Mond geschafft. Dort werden sie allesamt ausgesetzt.

3. Und jetzt, aber erst jetzt, könnte man den Wettbewerb beginnen. Mit einer einzigen einfachen Regel: Wessen Rover es am weitesten schafft, hat gewonnen.

Also Google. Mal nicht Leute ausspionieren sondern was Nettes machen. Allez hop.