Indien brachte am 12. April einen neuen Satelliten der IRNSS-Konstellation (Indian Regional Navigation Satelliten System) mit der Bezeichnung IRNSS-1I in den Orbit. Es ist das insgesamt neunte Raumfahrzeug für diese Konstellation und soll einen defekten älteren Satelliten ersetzen. Als Träger wurde eine Rakete des Typs PSLV-XL eingesetzt, der stärksten Variante der PSLV-Serie. Der Start erfolgte von der Startrampe 1 des Satish Dhawan Raumfahrtzentrum auf der ostindischen Insel Shriharikota. Startzeit war 0:34 Uhr mitteleuropäischer Zeit (entsprechend 4:04 Uhr ostindischer Ortszeit).

Der eigentlich für die Ersatzmission vorgesehene Satellit wurde allerdings bereits vor siebeneinhalb Monaten gestartet. Seinerzeit löste sich aber die Nutzlastverkleidung nicht von der Rakete, das Raumfahrzeugzeug blieb in der Hülle gefangen und konnte nicht abgesetzt werden. Glücklicherweise ging die Indische Raumfahrtagentur von vorneherein von Verlusten aus, und hatte zwei Reserveeinheiten gebaut, so dass nun verhältnismäßig schnell Ersatz geschaffen werden konnte.

Das IRNSS-System ist eine lokale Navigationslösung für Indien, mit Satelliten, die sich im geostationären Orbit über dem Land befinden. Es besteht aus sieben aktiven Satelliten, von denen sich drei auf fixen geostationären Positionen befinden und weiteren vier Einheiten, die auf um 28 Grad zum Äquator geneigten geostationären Bahnen unterwegs sind. Die Raumfahrzeuge auf den inklinierten Orbits sind dabei paarweise unterwegs, während die Vehikel auf den fixen Positionen jeweils über einen eigenen Slot verfügen.

Der beim Start 1.425 Kilogramm schwere IRNSS-1I soll auf einer inklinierten Bahn stationiert werden, auf der er den Äquator jeweils bei 55 Grad westlicher Länge kreuzt. Auf dieser Position befinden sich die beiden derzeit ältesten Satelliten der Konstellation, nämlich IRNSS-1A und 1B. IRNSS-1I basiert auf der I-7K Plattform der ISRO. IRNSS-1I wird den im Jahre 2013 gestartete IRNSS-1A ersetzen, bei dem alle drei Atomuhren an Bord inzwischen ausgefallen sind. Die beiden Solargeneratoren des Satelliten erbringen zum Ende ihrer Lebenszeit eine Leistung von 1.670 Watt.

Die bei diesem Start eingesetzte PSLV ist die 41. Einheit dieses Trägers. Es handelt sich dabei um eine vierstufige Rakete, die in der XL-Version beim Start zusätzlich von sechs Feststoff-Boostern unterstützt wird. Zwei davon zünden erst in der Luft, 25 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe, die vier anderen Booster zünden am Boden. Die Trennung des Satelliten von der vierten Stufe erfolgte 19 Minuten und 20 Sekunden nach dem Liftoff. Der Satellit wurde danach auf einem subsynchronen Transferorbit mit einem Perigäum von 271 Kilometern, einem Apogäum von 20.950 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 19,2 Grad abgesetzt. Den restlichen Geschwindigkeitsimpuls für die Zielbahn, etwa 1,89 Kilometer pro Sekunde, erreicht der Satellit mit seinem Bordantrieb in mehreren Brennperioden die über einige Tage verteilt sind.

Bild: Die PSLV-XL mit IRNSS-1I vor dem Start; Credit: ISRO