Beim dritten Start am 12. Januar brachte eine Trägerrakete des Typs Delta 4 einen Spionagesatelliten des National Reconnaissance Office (NRO) in eine retrograde Erdumlaufbahn. Der Start erfolgte von der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien aus. Der Einsatzzweck des Satelliten ist geheim, und das Raumfahrzeug erhielt auch keine offizielle Bezeichnung, von der Zählnummer des NRO einmal abgesehen. Diese "Zählnummer" lautet: NRO-L47 (National Reconnaissance Office Launch No. 47). Als Träger wurde eine Rakete des Typs Delta 4 Medium eingesetzt. Die Mission war der insgesamt 36. Einsatz einer Delta 4.

Der Start erfolgte, nach einer Reihe von technischen und meteorologischen Verschiebungen, um 23:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit und verlief offensichtlich problemlos, obwohl auch dieses Mal, wie schon vor wenigen Tagen beim Start von "Zuma", durchgeführt von SpaceX, die TV-Übertragung auf Betreiben des Auftraggebers wenige Minuten nach dem Liftoff endete. Allerdings war es in diesem Fall für professionelle Beobachter möglich, aus der eingesetzten Trägervariante, dem Startort, den so genannten NOTAMs (Notice to Airmen) und dem eingeschlagenen Bahnwinkel Rückschlüsse auf die Art der Nutzlast zu ziehen.

In diesem Fall flog die Rakete in einen retrograden Orbit, wurde also gegen die Rotationsrichtung der Erde gestartet. Diese spezielle Art von Erdumlaufbahn wird in den USA ausschließlich von einem einzigen Satellitentyp benutzt, und das sind die Radaraufklärer  der Topaz-Serie. Retrograde Orbits sind aus Sicherheitsgründen nur von Vandenberg aus zu erreichen. Auch die  Art der eingesetzten Rakete deutet auf einen Topaz-Satelliten hin, denn die verwendete Variante der Delta 4 (Delta 4 Medium + 5,2 - also mit einer Fünf-Meter-Nutzlastverkleidung und zwei Feststoffboostern zur Startunterstützung) wurde in der Vergangenheit ausschließlich für diesen Satellitentyp eingesetzt. Die Existenz der Topaz-Raumfahrzeuge wurde im Jahre 2013 durch Edward Snowden aufgedeckt. Die im Missions-Patch dargestellten symbolischen Lilien - es sind fünf Stück - deuten ebenfalls auf eine fünfte Einheit der Topaz-Reihe hin. Der Schwung des Schwertes im Missionsemblem belegt den retrograden Orbit. Dieser Orbit befindet sich in einer Höhe von 1.100 Kilometern.

Topaz ist das Nachfolgeprogramm der Onyx-Reihe, für die zwischen 1998 und 2005 fünf Radarsatelliten stationiert wurden, von denen drei auf einer Bahn mit einer Inklination von 57 Grad, und zwei mit einer Bahn von 68 Grad stationiert worden. Bislang wurden vier Topaz gestartet, allesamt auf einer Bahn mit einer Inklination von 123 Grad, dem retrograden Analogon zur 57 Grad-Inklination. Die bisherigen vier Satelliten sind jeweils um 90 Grad in der Rektaszension voneinander getrennt. Beim aktuellen Start wurde allerdings eine  Bahn von 108,6 Grad eingeschlagen, was einer prograden Inklination von 71,4 Grad entspricht. Das neue Raumfahrzeug kann damit höhere nördliche Breiten erreichen, als die vier bisherigen Topaz-Satelliten.

Bild: Mission-Patch des Fluges NRO-L47; Credit: ULA