Die United Launch Alliance (ULA) brachte am 24. September einen klassifizierten Satelliten für das National Reconnaissance Office (NRO) der Vereinigten Staaten in eine Erdumlaufbahn. Als Trägerrakete wurde eine Atlas 5 in der Version 541 eingesetzt, eine der schwersten Varianten dieses Trägers. Es war der fünfte Start einer Atlas 5 in diesem Jahr, und der insgesamt 73. Einsatz dieses Trägers insgesamt. Es war auch der dritte Start in diesem Jahr für das NRO.

Die Startmission für NRO-L42 begann um 7:49 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Startkomplex 3E der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien. Wie üblich bei Starts von Geheimdienstnutzlasten wurden auch dieses Mal keinerlei Informationen über Typ und Aufgaben des Satelliten bekannt gegeben. Allerdings kann man aus der Version der eingesetzten Rakete und den Startparametern, sowie Informationen, die im Laufe der Zeit "geleaked" wurden, ziemlich sichere Rückschlüsse auf die Nutzlast ziehen.

So werden von Vandenberg zum einen Starts in polare, polnahe und retrograde Orbits durchgeführt. Solche Bahnen eignen sich gut für optische Aufklärer oder Radarsatelliten. Der zweite, recht seltene Bahntyp, der von Vandenberg aus angesteuert wird, sind die so genannten Molnija-Bahnen.

Tatsächlich flog die Atlas 5 mit NROL-42 eine süd-südöstliche Flugbahn entlang der Küste Kaliforniens und Mexikos ab, die in einer Inklination von 63,4 Grad resultiert. Das korrespondiert mit einem Molnija-Orbit, einer hochelliptischen Umlaufbahn mit - in diesem Fall - einem Scheitelpunkt der Bahnellipse über dem Nordpol und einer Umlaufdauer von fast genau 12 Stunden. Die meiste Zeit verbringt der Satellit dabei über den nördlichen Breiten der Erde. Satelliten auf solchen Bahnen können Kommunikationdienste und Beobachtungen (z.B. über Raketenstarts) damit auch in Breitengraden vornehmen, die mit geostationären Satelliten nicht oder nur begrenzt möglich sind.

Der eingesetzte Träger, die Version 541 der Atlas 5 (mit vier Aerojet AJ-60J Feststoffboostern und einer 5,4 Meter durchmessenden Fairing von fast 21 Metern Länge) lässt darauf schließen, dass die Nutzlast ein erhebliches Gewicht und relativ große Dimensionen aufweist. Damit bleiben nicht sehr viele Satellitenklassen übrig.  Molnija-Orbits wurden vom NRO in der Vergangenheit für die elektronischen Aufklärer der Jumpseat und Trumpet-Serie verwendet, sowie für die Kommunikationssatelliten der Quasar-Reihe. Quasar-Satelliten werden allerdings seit 10 Jahren schon nicht mehr auf Molnija-Bahnen gestartet, so dass damit eigentlich nur die Trumpet-Satelliten übrig bleiben, die das SBIR-System der USA bilden (SBIR = Space Based Infrared System) mit dem Starts von Lenkwaffen überwacht werden. Satelliten die sich auf ähnlichen Bahnen befinden sind NRO-L35, NRO-L28 und NRO-L22. Erfahrene Satellitenspotter gehen davon aus, dass es sich bei dem Satelliten somit um eine weitere Einheit der Trumpet-Reihe handelt.

Bild: Missionspatch NRO-L42; Credit: United Launch Alliance