Die indische Raumfahrtagentur ISRO erlebte am 31. August einen besonders ärgerlichen Fehlschlag. Die erste Startphase für den Navigationssatelliten IRNSS-1H klappte einwandfrei. In der dritten Flugminute löste sich aber die Nutzlastverkleidung nicht, so dass die Kombination aus Nutzlastverkleidung, vierter Stufe und Satellit schließlich in einem zu niedrigen Erdorbit strandete, und der Satellit in der Fairing eingeschlossen blieb. Das ist umso ärgerlicher, als ansonsten alle vier Stufen des Trägers perfekt arbeiteten. Fehler bei der Abtrennung von Nutzlastverkleidungen sind seit dem Beginn des Raumfahrtzeitalters eine der häufigeren Ursachen für Fehlstarts. Fast nie erreicht aber ein Träger in so einem Fall dann noch eine Umlaufbahn, weil das massive Mehrgewicht die Rakete abstürzen lässt, bevor sie in den Orbit gelangt.

Der Start der PSLV-XL Trägerrakete begann um 15:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 19:00 Uhr Ortszeit am Satish Dhawan Raumfahrtzentrum auf der ostindischen Insel Shriharikota. Die Nutzlast, die bei dieser 41. Mission einer PSLV-Trägerrakete eigentlich in den Orbit gebracht werden sollte, war die achte Einheit des regionalen indischen Navigationssatellitensystems IRNSS. Es handelt sich dabei um eine der beiden bislang am Boden eingelagerten Reserve-Einheiten, die man schon bei der Planung des Systems vorgesehen hatte. An sich ist die Konstellation mit sieben Satelliten voll bestückt, aber der erste Satellit dieser Reihe, IRNSS-1A, war nach dem Ausfall aller drei Atom-Uhren an Bord nicht mehr einsatzfähig. Diese Einheit war 2013 gestartet worden und sollte mindestens 10 Jahre in Betrieb bleiben. Auch die zweite Ersatzeinheit sollte schon in wenigen Wochen gestartet werden. Das wird jetzt aber nur dann möglich sein, wenn man die Ursache des Fehlers beim aktuellen Start schnell findet. IRNSS-1H wog beim Start 1.425 Kilogramm. Er sollte auf einem inklinierten geostationären Orbit bei einer Position von 55 Grad östlicher Länge über dem Äquator stationiert werden.

Der Fehlstart war in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. Er begann damit, dass 93 Sekunden in der Brennphase der zweiten Stufe die Nutzlastverkleidung abgeworfen werden sollte, was aber nicht geschah. Die Brenndauer der zweiten Stufe verlief planmäßig und dauerte 150 Sekunden. Stufentrennung und die Zündung der dritten Stufe erfolgten ebenfalls planmäßig, sieht man davon ab, dass die mehrere hundert Kilogramm schwere Nutzlastverkleidung weiterhin an der Spitze der Rakete verblieb. Die Brenndauer der dritten Stufe, eines Feststoffmotors, dauerte 70 Sekunden. Danach erfolgte eine Phase freier Drift, bis zehn Minuten und 17 Sekunden nach dem Liftoff die vierte Stufe zündete (nachdem Stufe drei zehn Sekunden zuvor abgetrennt worden war). Dass die vierte Stufe nicht nur planmäßig funktionierte, sondern auch das Mehrgewicht in den Orbit schaffte, ist insofern bemerkenswert, weil die Nutzlastverkleidung diese vierte Stufe und die Nutzlast fast vollständig einhüllt. Besonders grotesk wurde die Sache, als eine Videoübertragung den eingeschlossenen Satelliten zeigte, der sich von der vierten Stufe trennte, und im inneren der Nutzlastverkleidung an die Wand der Fairing schlägt. Der Satellit übertrug trotzdem Telemetriewerte. Er wird aber bald verstummen, denn die Solargeneratoren können die Batterien nicht aufladen, da er seinem Gefängnis im Orbit nicht entkommen kann.

Die geplante Umlaufbahn sollte ein Perigäum von 284 Kilometern aufweisen und ein Apogäum von 20.650 Kilometern. Die Bildschirme des Kontrollzentrums zeigten bei Brennschluss ein Perigäum von 167 Kilometern und ein Apogäum von 6.555 Kilometern an. Wegen des sehr niedrigen Perigäums wird die unglückliche Kombination nur wenige Wochen im Orbit bleiben und dann in der oberen Atmosphäre verglühen.

Bild: Satellit auf vierter Stufe wird mit dem Träger integriert. Die Nutzlastverkleidung fehlt hier noch. Credit: ISRO