Die Mission vom 24. August 2017, bei der SpaceX den taiwanesischen Erdbeobachtungssatelliten Formosat 5 in eine sonnensynchrone Erdumlaufbahn transportierte, dürfte das schlechteste Geschäft gewesen sein, das Elon Musks Raumtransportunternehmen bis auf den heutigen Tag gemacht hat. Als der Startvertrag vor sieben Jahren abgeschlossen wurde, sollte das Raumfahrzeug eigentlich auf der wesentlich schwächeren Falcon 1e fliegen. Diesen Träger gab Elon Musk aber wieder auf, und versprach allen Kunden, die auf der Falcon 1e gebucht hatten, dafür einen Start auf der um ein vielfaches leistungsfähigeren Falcon 9. Wohl mit dem Hintergedanken, möglicherweise mehrere Nutzlasten miteinander kombinieren zu können und dann am Ende finanziell besser abzuschneiden.

Das ergab sich in diesem Fall aber nicht, und so wurde die Mission neben einem schlechten Geschäft auch gleich noch zu einer der größten Verschwendungen von Nutzlastkapazität in der gesamten Raumfahrtgeschichte. Bei einem Gewicht des Satelliten von gerade einmal 475 Kilogramm dürfte bei dem spezifischen Orbit, der für Formosat angeflogen wurde, nur etwa sieben Prozent der Nutzlastkapazität der Rakete genutzt worden sein. Die überschüssige Leistung der Rakete und der Umstand, dass die Flugbahn nirgendwo optimiert werden musste, war allein schon dadurch erkennbar, dass der polare Orbit einfach im Direktflug angesteuert wurde. Normalerweise sind für eine solche Bahn bei einer zweistufigen Rakete zwei um 45 Minuten voneinander getrennte Brennmanöver der Oberstufe notwendig.

Ein weiteres Anzeichen dafür, dass man mit allen Leistungsparametern extrem großzügig umging, war die ungewöhnliche Flugbahn der ersten Stufe. Die Stufentrennung erfolgte erst in etwa 90 Kilometern Höhe, und sie flog eine derart hohe Parabel ab (sie ging bis in 247 Kilometer Höhe), dass ihre Landung auf dem Bergungsschiff erst erfolgte, als die zweite Stufe gerade die Nutzlast bereits absetzte. Normalerweise erfolgt die Landung der ersten Stufe etwa zwei Minuten, bevor die zweite Stufe überhaupt den Orbit erreicht. Dieses Mal vergingen aber fast elf Minuten bis zur Landung. SpaceX nutzte die Gelegenheit, mit der Rückführung der Nutzlastverkleidungen zu experimentieren. Ob die unbeschädigte Bergung der teuren Schutzhüllen gelang, war unmittelbar nach der Mission noch nicht bekannt.

Der Einsatz, es war der 40. Flug einer Falcon 9, begann exakt zum Beginn des Startfensters um 20:51 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Es war bereits der 12. Falcon 9-Flug in diesem Jahr und es war die 11. erfolgreiche Landung der Erststufe in ununterbrochener Reihenfolge. Das Bergungsschiff war 344 Kilometer von der Startstelle entfernt im Pazifik positioniert. Die Stufe dürfte bei dieser Mission außergewöhnlich wenig belastet worden sein, und ist somit ein Prime-Kandidat für eine Wiederverwendung. Somit dürfte zumindest ein Teil des Verluster mit der erneuten Verwendung dieser Stufe kompensiert werden.

Der Startvertrag mit Taiwan wurde bereits im Jahre 2010 abgeschlossen, und zwar über eine Summe von 23 Millionen Dollar. Tatsächlich erhielt SpaceX nicht einmal diesen Betrag, denn das Unternehmen musste noch eine Vertragsstrafe an Formosat zahlen, weil der ursprüngliche Starttermin überschritten wurde. Am Ende erhielt SpaceX für diese Mission nur 21 Millionen Dollar. Der Listenpreis für den Start einer Falcon 9 beträgt derzeit 62 Millionen Dollar.

Bild: Die gelandete Erststufe der Falcon 9 auf dem Bergungsschiff "Just read the instructions" Credit: SpaceX