Nur drei Tage nach dem erfolgreichen Transport des Huiyan-Röntgenteleskops in den Orbit startete China den Kommunikationssatelliten Chinasat 9A, der auf einer geostationären Transferbahn abgesetzt werden sollte. Dies gelang aber nur teilweise. Während der zweiten Brennphase der dritten Stufe der Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 3B/G2 kam es zu einer Anomalie in der Flugsteuerung, wodurch das Raumfahrzeug am Ende auf einer wesentlich zu niedrigen Bahn strandete. Möglicherweise kann der Satellit dieses Defizit ausgleichen, und sich selbst auf die vorgesehene Bahn bringen. Dies wird aber sehr zu Lasten seiner Einsatzlebensdauer gehen, da die für Orbitmanöver vorgesehenen Treibstoffvorräte zu einem erheblichen Teil in die "Rettungsbemühungen" mit einbezogen werden müssen. Derzeitige Schätzungen laufen darauf hinaus, dass der Satellit dann nur etwa 5 Jahre statt der vorgesehenen 15 Jahre Dienst tun kann.

Die Startmission für Chinasat 9A begann um 18:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit (0:10 Uhr am 19. Juni in Zentralchina) am Startkomplex 2 des Xichang-Raumfahrtbahnhofs in Zentralchina. Der 5.100 Kilogramm schwere Kommunikationssatellit wurde von der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) für die China Satellite Communications Co. Ltd. gebaut.

Die erzielten Bahnparameter weisen ein Perigäum von 193 Kilometer auf, ein Apogäum von 16.360 Kilometer und eine Bahnneigung zum Äquator von 25,7 Grad. Angestrebt war offensichtlich eine supersynchrone Transferbahn mit einem Apogäum von über 40.000 Kilometer. Damit muss der Satellit nun eine um etwa 550 Meter pro Sekunde höhere Geschwindigkeit selbst aufbringen, um den vorgesehenen Ausgangstransfer-Orbit zu erreichen, als unter normalen Bedingungen. Der Geschwindigkeitsbedarf insgesamt beträgt etwa 2.300 Meter pro Sekunde anstelle der normal üblichen etwa 1.775 Meter pro Sekunde bei einem Start von Xichang. Die Einheit befindet sich nun zwar auf einer falschen Bahn, ist aber ansonsten in perfektem Zustand.

Chinasat 9A basiert auf der DFH-4 Plattform von CASC und war für eine Einsatzlebensdauer von mindestens 15 Jahren ausgelegt. Stationiert werden soll der Satellit auf 101,4 Grad östlicher Länge über dem Äquator und mit seinen insgesamt 22 Ku-Band Transpondern Radio-, TV-, und Multimedia-Anwendungen ausstrahlen. Die Plattform kann eine elektrische Leistung von insgesamt 10,4 Kilowatt für die Betriebssysteme und die Kommunikationsnutzlast zur Verfügung zu stellen.

Der Fehler für den unkorrekten Bahneinschuss war offensichtlich schon unmittelbar nach dem Start bekannt. Er scheint in der GNC (Guidance, Navigation, Control)-Software zu liegen, die der Raketenstufe für deren zweite Zündung falsche Rollsignale gab.

Bild: Die Langer Marsch 3B-Trägerrakete einige Stunden vor dem Start. Credit: ChinaNews