China arbeitet normalerweise seine Planziele im Weltraum nahe an den ursprünglich veranschlagten Zeitplänen ab. Diese Regel gilt aber nicht für das Röntgenteleskop HXMT (für: Hard X-ray Modulation Telescope), den dieser Forschungssatellit hätte nach den ursprünglichen Plänen bereits im Jahre 2010 zu seinem Einsatz starten sollen. Erst am 15. Juni 2017 war es nun tatsächlich so weit. An Bord einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 4B trat das 2.700 Kilogramm schwere Teleskop vom norchinesischen Startplatz Jiuquan aus seine Reise in den Orbit an.

Das Teleskop trägt auch eine “volksnähere” Bezeichnung “Huiyan”, was auf Chinesisch so viel wie “Erkenntnis” bedeuet. Es ist das erste weltraumbasierte Röntgenteleskop Chinas.  Die Mission begann um 5:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Rampe 603 der Startanlage 43 des südlich der Gobi gelegenen Weltraumbahnhofs. Das Raumfahrzeug wird in den kommenden Jahren kosmische Objekte im Bereich hochenergetischer Strahlung untersuchen, wie Pulsare, Neutronensterne und Schwarze Löcher.

Gebaut wurde der Satellit von der China Academy for Space Technology. An Bord des Vehikels befinden sich drei Teleskope: Ein “Hochenergie-Röntgenstrahlenteleskop für eine Beobachtungbereich zwischen 20 und 250 Kiloelektronenvolt (keV) und einer Kollektorfläche von 5.100 Quadratzentimetern, ein mittelenergetisches Röntgenteleskop mit 952 Quadratzentimeter Kollektorfläche für den Bereich zwischen 5 und 30 keV und ein Teleskop für niederenergetische Röntgenstrahlung zwischen  1-15 keV mit 384 Quadratzentimetern Beobachtungsfläche. Die Verbindung dieser drei Teleskope ergibt eine bislang einzigartige Kombination aus weitem Beobachtungswinkel, breitbandiger spektraler und zeitlicher Auflösung, sowie der Fähigkeit zum Scannen des gesamten Himmels bei der Suche nach Zielobjekten als auch zur gezielten punktförmigen Beobachtung von Einzelzielen.

Neben dieser röntgenastronomischen Plattform befanden sich noch drei kleinere Erdbeobachtungssatelliten mit an Bord, nämlich die jeweils etwa 50 Kilogramm schweren Zhuahi-1(01) und Zhuahi-1(02), die beide Bestandteil des chinesischen “Orbita” Erdbeobachtungssystems werden sollen, und der 37 Kilogramm schwere argentinische Satellit NuSat-3, der die dritte Einheit in der Aleph-1 Konstellation der Satellegic S.A. bildet. Diese Konstellation soll einmal 25 Raumfahrzeuge umfassen. Alle vier Objekte wurden in einer nahezu kreisförmigen Umlaufbahn in einer Höhe von 540 Kilometern mit einer Bahnneigung zum Äquator von 43,1 Grad abgesetzt.

 

Bild: Startanlage 43 in Jiuquan; Credit: chinaspaceflight