Nach eine Pause von fast genau einem Jahr (tatsächlich ist es nur ein Tag weniger) wegen schwerer Qualitätsmängel in der Fertigung der Triebwerke, nahm die russische Proton-Trägerrakete am 8. Juni wieder ihren aktiven Dienst auf. Die Mission begann an der Startrampe 24 des Kosmodroms in Baikonur. Es war der 412. Start einer Proton-Rakete - gerechnet über alle Varianten - seit dem Erstflug dieses Trägers im Jahre 1965.

Den endgültigen Ausschlag für das "Grounding" hatte eine Minderleistung der zweiten Stufe beim Start von Intelsat 31 am 9. Juni 2017 gegeben. Das konnte damals die dritte Stufe zwar ausgleichen, aber nachdem die Proton zuvor fast jedes Jahr mindestens einen Fehlstart erlebt hatte, war dieses Ereignis letztendlich der Auslöser für eine tiefergehende Analyse der Qualitätsmängel. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass der Triebwerkshersteller hochwertiges Material durch Stoffe geringerer Qualität ersetzt hatte. Es zeigte sich auch, dass die nicht nur die Proton, sondern auch die Sojus-Trägerraketen betraf. Der bislang längste Zeitraum zwischen zwei Proton-Missionen hatte 247 Tage betragen. Sie verstrichen zwischen dem letzten der vier Erprobungsflüge der zweistufigen Original-Proton am 6. Juli 1966 und dem Jungfernflug der Variante Proton K am 10. März 1967.

Die Mission des 705 Tonnen schweren Trägers begann um 5:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit (entsprechend 9:45 Uhr kasachischer Ortszeit), und lief nach dem Proton M-üblichen Standardverfahren für den Transport geostationärer Satelliten ab. Die ersten drei Stufen brachten die Orbitaleinheit, bestehend aus der Briz M Oberstufe und dem Satelliten auf zunächst auf eine orbitnahe Suborbitalbahn. Sofort nach der Trennung von der dritten Stufe führte dann die Briz M ein erstes Brennmanöver durch, mit dem eine Parkbahn in etwa 200 Kilometern Höhe erzielt wurde.

Vier weitere Brennmanöver, verteilt über einen Zeitraum von neun Stunden sorgten dann dafür, dass die Briz M mit EchoStar XXI am Ende eine geostationäre Transferbahn mit einem Perigäum von 2.270 Kilometern, einem Apogäum von 35.800 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 30,6 Grad erzielte. Auf diesem Orbit gab die Stufe neun Stunden und 13 Minuten nach dem Verlassen der Startanlage den Satelliten frei, der sich nun in den nächsten Tagen mit den Bordtriebwerken auf seine endgültige geostationäre Position begeben wird.

Echostar XXI wurde von Space Systems Loral gebaut. Es ist ein massiver Satellit mit einem Startgewicht von 6.900 Kilogramm und das sechste Raumfahrzeug, das EchoStar von einer Proton M starten lässt. Echostar XXI basiert auf der Satellitenplattform 1300. Er wird auf 10,25 Grad östlicher Länge über dem Äquator stationiert werden.

Bild: Die Nutzlastverkleidung der Proton M wird geschlossen. Credit: Chrunitschew