Am 25. Mai, nur gut zwei Stunden nach dem Start der Rocketlab Electron, brachte Russland einen militärischen Aufklärungssatelliten der EKS-Baureihe in den Orbit. Das Raumfahrzeug ist die zweite Flugeinheit des neuen Tundra-Frühwarnsystems. Aufgabe des Satelliten ist das Aufspüren und die Bahnverfolgung von Raketenstarts weltweit. Als Träger wurde eine Sojus 2.1b "Fregat" eingesetzt. Die Mission war erst der fünfte Orbitalstarts Russlands in diesem Jahr, wenn man die beiden Sojus-Einsätze, die vom europäischen Raumfahrtgelände Kourou aus erfolgten, mitzählt. Das ist eine erheblich geringere Anzahl als in den vergangenen Jahren, wo zum selben Zeitpunkt im Jahr meist schon mindestens 10-12 Flüge durchgeführt worden waren.

Die Mission begann um 8:34 Uhr mitteleuropäischer Zeit am nordrussischen Raumfahrtzentrum Plesetzk. Es ist der erste militärische Start Russlands seit dem 4. Juni letzten Jahres. Eine Lücke in dieser Länge hat es in der Geschichte der sowjetisch/russischen Raumfahrt noch nie gegeben. Für den Startort Plesetzk war es die erste Mission des Jahres. Die EKS-Satelliten sollen das frühere Oko-Frühwarnsystem ersetzen. Die vollständige Konstellation wird aus acht Einheiten bestehen.

Die EKS-Satelliten werden von RKK Energia konstruiert und gefertigt. Sie basieren auf der Plattform der Yamal-Kommunikationssatelliten, die Energia in den 90iger und 2000er-Jahren  baute. Sie sind mit Infrarot-Teleskopen und optischen- und Ultraviolett-Sensoren ausgerüstet, um die Wärmesignaturen startender Raketen zu erfassen.

Der neue Satellit wurde auf einem Molnija-Orbit abgesetzt, einer speziellen Umlaufbahn, die bei russischen Satelliten öfter angewendet wird. Molnija-Orbits sind 12-Stunden-Bahnen mit einem Perigäum von etwa 1.650 Kilometern, einem Apogäum von 38.500 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 63,8 Grad. Solche Bahnen sind besonders gut geeignet, die nördlichen Breiten der Erde zu beobachten. Die Bahn ist so ausgelegt, dass das Apogäum jeweils am nördlichsten Bahnpunkt erreicht wird.

Bild: Die Sojus 2.1b vor dem Start. Credit: Russisches Internetforum