Obwohl es sich um einen unbemannten Start handelt, stellt die am 20. April gestartete Mission von Tianzhou-1 (TZ-1) die Weichen für die zukünftigen bemannten Raumfahrtaktivitäten Chinas. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Tianzhou ist das chinesische Äquivalent der ISS-Versorgungsraumschiffe. Es wird zukünftig für die Versorgung der großen modularen chinesischen Raumstation eingesetzt, deren Errichtung im kommenden Jahr beginnt und etwa fünf Jahre dauern soll.

Die Mission begann um 13:41 Uhr mitteleuropäischer Zeit (entsprechend 19:41 Uhr Pekinger Zeit) am neuen Raumfahrtzentrum Wenchang mit einem perfekten Start. Dabei wurde die erst zweite Einheit der neuen mittelschweren Trägerrakete Langer Marsch 7 eingesetzt. Dieser Träger wiegt beim Start etwa 600 Tonnen und ist in der Lage, Nutzlasten bis zu etwa 13,5 Tonnen Gewicht in eine niedrige Erdumlaufbahn zu befördern. Ziemlich genau zehn Minuten nach dem Verlassen der Startrampe trennte sich TZ-1 von der dritten Stufe und begann ihre eigenständige Mission.

TZ-1 wird eine unbemannte Erprobungsmission mit der im letzten Jahr gestarteten kleinen Tiangong-2 Versuchsraumstation durchführen. Zu dieser experimentellen Einheit war 2016 bereits das bemannte Raumschiff Shenzhou 11 zu einer 30tägigen Mission gestartet. Beim TZ-1 Flug geht es nun vor allem um die Erprobung verschiedener Arten von Rendezvous-Techniken, um Versuche mit dem automatischen Treibstofftransfer von einer Einheit zur anderen und um die Durchführung gemeinsamer Manöver mit der Station. Insgesamt soll TZ-1 etwa drei Monate angedockt an Tiangong-2 verbringen und danach mindestens zwei weitere Monate im Soloflug erprobt werden. Während der Mission soll auch mindestens ein Cubesat freigegeben werden.

Tianzhou ist 10,6 Meter lang, hat einen Durchmesser von 3,35 Metern und eine Masse von 12.910 Kilogramm. Sie ist damit die schwerste Nutzlast, die je von einer chinesischen Rakete in den Orbit transportiert wurde.

Die Tianzhou-Versorgungsschiffe können bis zu 6,5 Tonnen Fracht zur zukünftigen chinesischen Station bringen, einschließlich 2.000 Kilogramm Treibstoff. Und sie können, einmal angedockt, auch Bahnveränderungen der Station durchführen. Sie sind leistungsfähiger und größer als die Progress-, Dragon- und Cygnus-Raumschiffe, welche die ISS bislang versorgen, aber kleiner als das europäische ATV, das allerdings nicht mehr verwendet wird. Auch das japanische HTV ist geringfügig größer als Tianzhou. Von all diesen Typen dürfte jedoch die Flexibilität des Tianzhou-Raumschiffes am größten sein, denn neben einer eigenständigen Kopplungsfähigkeit (welche Dragon, Cygnus und HTV beispielsweise nicht haben) ist Tianzhou auch in der Lage, Bahnanhebungen zusammen mit der angekoppelten Station vorzunehmen und sie könnte auch als eigenständiger "man-tended-freeflyer" eingesetzt werden.  

Bild: Die Trägerrakete wird am neuen Startzentrum in Wenchang zur Startrampe gefahren; Credit: @ZT_WHU