SpaceX eröffnete am 31. März ein neues Kapitel in der Geschichte der Raumfahrt. An diesem Tag gelang zum ersten Mal der Einsatz einer klassischen Orbitalrakete, die bereits zuvor eine frühere Mission geflogen hatte. Zwar war auch der Space Shuttle zu großen Teilen wiederverwendbar, allerdings unter enormem Aufwand für die Wartung und die Infrastruktur, was dazu führte, dass jede Mission etwa 800 Millionen Dollar kostete. Dieser enorme Preis, zusammen mit der ungenügenden Sicherheit für die Besatzungen, waren der Grund dafür, dass dieses Programm eingestellt wurde.

Der neue Ansatz für Wiederverwendbarkeit ist das Schlüsselelement des Geschäftsmodells von SpaceX. Von seinem Erfolg oder Misserfolg hängt das Gedeihen oder das Scheitern des Unternehmens ab. Seit dem ersten Flug einer Falcon 1 im Mai 2006 experimentiert SpaceX damit und ist damit zunehmend erfolgreich.  Aus der einstigen vermeintlichen Lachnummer der etablierten Aerospace-Firmen ist SpaceX inzwischen zum gefürchteten Konkurrenten geworden.

Der Start der Falcon 9 erfolgte in der ersten Minute des verfügbaren Startfensters, um 0:27 Uhr mitteleuropäischer Zeit (entsprechend 18:27 Uhr US-Ostküstenzeit) von der historischen Startanlage 39A des Kennedy Space Centers. Die erste Stufe der eingesetzten Falcon 9 (sie trug die "Tail-Nummer" 21) hatte vor elf Monaten eine Versorgungsmission der NASA zur Internationalen Raumstation auf den Weg gebracht. Sie war nach der Stufentrennung auf einem Bergungsschiff von SpaceX im Atlantik gelandet und von diesem wieder nach Cape Canaveral zurückgebracht worden. Auf diese "Gebrauchtstufe" setzten die Ingenieure von SpaceX eine neue zweite Stufe. SpaceX bezeichnet seine wiederverwendeten Trägerraketen übrigens nicht als "gebraucht", sondern als "flugerprobt".

Bei der Nutzlast handelte es sich um den Kommunikationssatelliten SES 10 des Luxemburger Satellitendienstleisters SES. Das von Airbus gebaute Raumfahrzeug war beim Start 5.282 Kilogramm schwer und wurde von der zweiten Stufe der Falcon 9 (die derzeit noch nicht wiederverwendbar ist) 32 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe in einem Orbit mit einem Perigäum von 218 Kilometern, einem Apogäum von 35.410 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 26,2 Grad abgesetzt.

Nach der Freigabe der Orbitaleinheit, bestehend aus zweiter Stufe und dem Satelliten, führte die erste Stufe erneut eine Landung auf einem der "Drone-Ships" von SpaceX durch. Dieses Mal war die Eintrittsgeschwindigkeit erheblich höher als bei der Rückkehr vor einem Jahr. Dadurch wurde die Stufe einer intensiveren Reibungshitze und stärkeren strukturellen Belastungen ausgesetzt, was dem Unternehmen gute Hinweise auf die maximal möglichen Belastung der Einheit gibt. Trotz der härteren Bedingungen gelang erneut eine perfekte Landung. Die erste Stufe macht etwa 70 Prozent des Gesamtwertes des Trägers aus.

In der SpaceX-üblichen Weise wurde der Flug gleich noch für ein weiteres Experiment genutzt, wobei es erstmals gelang,  auch die Nutzlastverkleidung der Rakete zu bergen. Deren Wert macht immerhin weitere 10 Prozent des Gesamtwertes der Rakete aus. Die Halbschalen der Verkleidung schwebten an selbststeuernden Parawings dem Ozean entgegen.

Musk plant in diesem Jahr bis zu weitere sechs Raketen ein zweites Mal einzusetzen. Nächstes Jahr soll die Wiederverwendungsrate weiter steigen und dann sollen bis zu einem Dutzend Raketen ein zweites oder drittes Mal verwendet werden.

Der nächste Start einer Falcon 9 soll bereits in 17 Tagen erfolgen. Dann wird ein klassifiziertes Raumfahrzeug des National Reconnaissance Office der USA in den Orbit gebracht.

Bild: Die "Gebrauchsspuren" des Starts vom April 2016 sind kaum noch zu sehen. Credit: SpaceX