Die Entwicklung sehr kleiner Trägerraketen ist problematisch. Sie werden in der Regel mit kleinen Budgets von kleinen Institutionen entwickelt und können häufig nicht die rigorosen Test- und Simulationsprogramme durchlaufen, denen Großträger vor ihrem Erstflug unterzogen werden. Praktisch alle Vorhaben dieser Art sind in der Vergangenheit gescheitert. Dies war vor gut einem Jahr bei der amerikanischen "Super Strypi" nicht anders, einem nur 28 Tonnen schweren Feststoffträger, und so war es auch am 14. Januar mit der japanischen SS-520, die im Erfolgsfalle mit einer Startmasse von nur 2,6 Tonnen zum kleinsten Satellitenträger aller Zeiten geworden wäre.

Dabei gilt festzuhalten, dass das SS-520 Projekt ein reines Experimentalvorhaben ist, bei dem nicht beabsichtig ist, ein serienreifes Fluggerät zu schaffen. Hier geht es eher darum, festzustellen, wie klein eine Trägerrakete überhaupt sein kann, um Mikrosatelliten der Cubesat-Klasse in den Orbit zu bringen. Die Nutzlastkapazität dieses Trägers liegt bei ganzen vier Kilogramm für einen niedrigen Erdorbit, was immerhin ausreichend ist, um einige wenige dieser nur Kubikdezimeter großen Kleinstsatelliten zu starten. Der Mini-Träger ist 9,54 Meter lang und weist einen Durchmesser von 54 Zentimetern auf.

Für die SS-520 war diese Mission im Übrigen schon der vierte Flug. Normalerweise wird diese Rakete als reine Höhenforschungsrakete eingesetzt, entweder ein- oder zweistufig. In ersterem Fall erreicht sie Höhen bis 400 Kilometer, in letzterem Fall kann sie Höhen bis 1.000 Kilometer erreichen. Für den Versuch eine Orbitalbahn zu erzielen, wurde die zweistufige Version mit einer dritten Stufe verstärkt.

Die SS-520 mit dem drei Kilogramm schweren Cubesat TRICOM-1 an Bord startete um 0:33 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom japanischen Weltraumzentrum Uchinoura, derselbe Startort, von dem auch die Missionen der Epsilon-Rakete beginnen. Die komplette Startsequenz der dreistufigen Rakete hätte sieben Minuten und 30 Sekunden dauern sollen. Die Brenndauer der ersten Stufe sollte 31,7 Sekunden betragen und die SS-520 auf eine Geschwindigkeit von zwei Kilometern pro Sekunde beschleunigen. Danach wäre eine Freiflugphase von etwa 33 Sekunden Dauer gefolgt. 65 Sekunden nach dem Abschuss hätte die Nutzlastverkleidung abgeworfen werden sollen. Ab der Flugsekunde 77 hätten kleine Feststoffmotoren die Rakete drallstabilisieren und für den Einsatz der zweiten Stufe ausrichten sollen. Dieser Prozess hätte bis zur Flugsekunden 170 dauern sollen.

Wäre dann alles in Ordnung gewesen, hätte (in der während dieser antriebslosen Aufstiegsbahn erreichten Höhe von 174 Kilometern) die zweite Stufe gezündet. Deren Brennphase war mit 24,4 Sekunden kalkuliert, und sie hätte das Vehikel auf 3,4 Kilometer pro Sekunden beschleunigt. 30 Sekunden danach wäre die zweite Stufe abgetrennt worden, drei Sekunden später gefolgt von der Zündung der Stufe drei. Die dritte Stufe schließlich sollte eine Brennzeit von 25,6 Sekunden aufweisen, und TRICOM-1 in einen Zielorbit von 180 zu 1.500 Kilometern, bei einer Bahnneigung zum Äquator von 31 Grad bringen.

Mit Ausnahme der Ereignisse der ersten Stufe war keiner der nachfolgenden Schritte zuvor getestet worden. Und so kam es, wie es kommen musste. Tatsächlich funktionierte nur die erste Flugphase. Die Ausrichtung der zweiten Stufe für deren Zündung war wegen eines Ausfalls der Telemetrieübertragung bereits 20 Sekunden nach dem Verlassen der Startlafette nicht möglich, Damit wurde auch die (funkgesteuerte) zweite Stufe nicht gezündet.

Bild: Die SS-520 vor dem Start; Credit: JIHI Aerospace and Canon