Die letzte Orbitalmission des Jahres 2016 wurde von der Volksrepublik China durchgeführt. Das ergibt das erstaunliche Bild, dass die USA in diesem Jahr mit 23 Missionen im Ranking knapp vor China (22 Missionen) liegen, und danach erst Russland kommt, das in diesem Jahr nur 19 Flüge durchgeführt hat, und damit zum ersten Mal seit 17 Jahren nicht den ersten Platz in der Startstatistik einnimmt. China hätte beinahe ebenso viele Starts wie die USA zu verzeichnen gehabt, verschob aber eine zunächst für den 30. Dezember geplante Mission auf dem 5. Januar 2017. Allerdings gibt es für China einen kleinen Wermutstropfen in diesen an sich positiven Nachricht, denn die letzte Mission des Jahres kann nur als Teilerfolg gewertet werden, weil die drei Satelliten an Bord auf einer zu niedrigen Umlaufbahn abgeliefert wurden.

Der Start der beiden ersten Erdbeobachtungssatelliten der Superview-1 Reihe (chinesisch Gaojing-1) und eines Kleinsatelliten mit der Bezeichnung Bayi Kepu 1 (ein zwei Einheiten großer Cubesat) erfolgte am 28. Dezember um 4:24 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Startkomplex 9 des Weltraumbahnhofs Taiyuan. Als Träger wurde eine Langer Marsch 2D eingesetzt. Es war das erste Mal, dass eine Rakete dieses Typs von Taiyuan aus gestartet wurde. Die Mission war wetterbedingt zunächst um zwei Tage verschoben worden, schien dann aber planmäßig zu verlaufen. Angestrebt wurde eine kreisförmige sonnensynchrone Umlaufbahn in einer Höhe von 530 Kilometern.

Die Superview Satelliten stellen den groß angelegten Einstieg Chinas in den ständig wachsenden kommerziellen Markt mit Satellitenbildern und Bilddiensten dar. Am Ende sollen mehrere Dutzend Raumfahrzeuge betrieben werden, die in unterschiedlichen Spektralbereichen arbeiten. Für das Superview-Projekt wurde ein komplexer Unternehmensverbund aufgebaut, deren Fäden aus dem Hintergrund die staatliche China Aerospace and Technology Corporation (CASC) zieht.  CASC hat die China Siwei Surveying and Mapping Technology Co. Ltd gegründet, der wiederum die Siwei Star Corporation Ltd. In Peking gehört, die als Eigentümerin und Betreiberin der Superview-1 Satelliten fungiert. Für den globalen Vertrieb der Daten und die Vermarktung weiterer Produkte, die aus dem Betrieb der Satelliten resultiert, wurde die Beijing Space View Technology Co., Ltd. eingerichtet.

Die Superview-1 Konstellation stellt den Beginn dieses Verbundes dar. Sie  wird aus vier Satelliten bestehen, die auf sonnensynchronen, polaren Umlaufbahnen arbeiten. Sie sollen Bilder mit einem Auflösungsvermögen von 50 Zentimetern pro Bildpunkt zur Erde senden. Die Raumfahrzeuge basieren auf der Satellitenplattform CAST 3000B.

Der Beginn dieses groß angelegten Unternehmens verlief allerdings offensichtlich ein wenig holprig. Die NORAD-Bahndaten für alle drei Einheiten machten klar, dass offensichtlich das Zirkularisierungsmanöver scheiterte. Sie zeigen ein Perigäum von 214 Kilometern, ein Apogäum von 524 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 97,6 Grad. Weitere Hinweise weisen eine verlängerte Brenndauer der zweiten Stufe und einen um sieben Sekunden verspäteten Abwurf der Nutzlastverkleidung. Das deutet auf eine Minderleistung der ersten Stufe hin, den die zweite Stufe nicht mehr vollständig ausgleichen konnte. Es fehlten am Ende etwa 100 Meter pro Sekunde an Geschwindigkeit.

Zumindest die beiden Superview-1 Satelliten waren aber offensichtlich in der Lage, die zu niedrige Umlaufbahn mit Bordmitteln anzuheben. Der daraus resultierende Treibstoffverbrauch wird am Ende aber dazu führen, dass die Lebensdauer der beiden Einheiten deutlich verkürzt sein dürfte.

Bild: Superview 1A und 1B; Credit: CASC