Nur neun Tage nachdem der Start eines russischen Progress-Raumschiffes zur Versorgung der Internationalen Raumstation scheiterte, ist am 9. Dezember ein japanischer Raumfrachter nach einem problemlosen Start auf dem Weg zur ISS. Das als HTV-6 bezeichnete Vehikel startete um 22:27 Uhr japanischer Standardzeit (14:27 Uhr mitteleuropäischer Zeit) an der Spitze einer H-IIB Trägerrakete vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima.

Das HTV-6 (die Abkürzung steht für H-II Transfer Vehicle 6) ist das sechste Transportfahrzeug seiner Art, das die japanische Raumfahrtagentur JAXA zur Versorgung der Internationalen Raumstation entsendet. Die Versorgungsfahrzeuge haben neben ihrer technischen Bezeichnung noch einen weiteren Namen: Kounotori. Das bedeutet „Weißer Storch“. Die H-IIB Trägerrakete brachte das Vehikel auf eine Umlaufbahn mit einem Perigäum von 173 Kilometern, einem Apogäum von 297 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 51,63 Grad. Von dieser Anfangsbahn aus wird sich das Raumfahrzeug in den nächsten vier Tagen der Internationalen Raumstation annähern.

Jedes HTV besteht aus vier Hauptkomponenten: Dem „Pressurized Logistics Carrier“, einem druckbeaufschlagten Frachtmodul, dem „Unpressurized Logistics Carrier“, in dem Außenlasten transportiert werden können, die dem freien Weltraum ausgesetzt sind, einem Avionik-Modul und einem Antriebsmodul. Von den vier derzeit im Einsatz befindlichen Typen von Raumfrachtern zur Versorgung der ISS (Progress, Cygnus, Dragon und HTV) sind nur der Dragon und das HTV in der Lage große Außenlasten zur ISS zu bringen.

Kounotori 6 ist mit 2.750 Kilogramm interner Nutzlast, wie zum Beispiel Elektronikkomponenten, Experimente, 600 Liter Wasser, Kleidung und Hygieneartikel sowie 1.367 Kilogramm externen Nutzlasten bestückt. Den Großteil der externen Nutzlastmasse machen sechs massive Lithium-Ionen Batterien für die Pufferung der Energie aus den Solarzellen der ISS aus. Diese Einheiten sollen die 12 Batterien ersetzen, die seit den Anfangstagen der ISS an Bord sind und langsam alterschwach werden. Die neuen Batterien alleine beanspruchen fast das gesamte Massenbudget der externen Transportkapazität. Jede einzelne wiegt etwa 250 Kilogramm.

An Bord von Kounotori befinden sich auch insgesamt 15 Cubesats, die aber erst nach der Ankunft an der ISS von dort ausgesetzt werden. Es sind dies die jeweils eine Basiseinheit (eine Basiseinheit ist ein Würfel von 10 Zentimetern Kantenlänge und etwa einem Kilogramm Gewicht) großen ITF 2, FREEDOM und WASEDA-SAT3, die jeweils zwei Basiseinheiten großen Aoba-Velox III, TuPOD (der seinerseits aus zwei je ein Einheiten großen Cubsats besteht,  nämlich Tancredo 1 und OSNSAT) und STARS C und die jeweils drei Basiseinheiten großen EGG und vier neuen Einheiten der Lemur-Konstellation von Spire Global.

Bild: Logo der Mission von HTV-6/Kounotori-6. Credit: JAXA