Mit einem pünktlichen und problemlosen Start begann heute in den frühen Morgenstunden Chinas sechste bemannte Orbitalmission. Die beiden Taikonauten Jing Haipeng und Chen Dong verließen mit ihrem Raumschiff Shenzhou-11 die Startanlage 921 am Startkomplex 43 des chinesischen Weltraumbahnhof Jiuquan wenige Minuten vor Sonnenaufgang und begannen damit einne auf insgesamt 33 Tage Dauer angesetzten Einsatz, von denen 30 Tage an Bord der experimentellen Raumstation Tiangong 2 verbracht werden sollen. Der Flug dient als Vorläufer zur Errichtung der großen modularen Raumstation Chinas, mit deren Montage im Orbit im Jahre 2018 begonnen werden soll.

Tiangong-2 stellt eine Evolution gegenüber Tiangong-1 dar, die zwei chinesische Crews aufgenommen hatte. Im neuen Modul wurden insbesondere die Aspekte der "wohnfreundlichkeit" stärker betont. Die Kabine ist freundlicher eingerichtet, die Lebenserhaltungssysteme arbeiten leiser und es gibt Ausrüstung für die körperliche Ertüchtigung. Auch die technische und wissenschaftliche Ausstattung ist fortschrittlicher. So verfügt die Station jetzt beispielsweise über einen Robotarm, der sowohl vom Boden aus als auch von der Crew an Bord bedient werden kann.

Die Zündung der vier Erstststufen- und vier Boostertriebwerke erfolgte exakt um 01:30:31 Uhr Uhr mitteleuropäischer Zeit. 62 Sekunden später überschritt der Booster die Schallgeschwindigkeit. 75 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe durchflog die Rakete die Zone des maximalen Staudrucks. Zwei Minuten und eine Sekunde nach dem Verlassen der Startrampe wurde der Fluchtturm abgetrennt. Zwei Minuten und 35 Sekunden nach dem Liftoff wurden die vier Booster abgeworfen und weitere sechs Sekunden danach erfolgte die Zündung der zweiten Stufe und die Abtrennung der Erststufe. Drei Minuten 30 Sekunden in der Mission wurde die Nutzlastverkleidung abgetrennt. Die Brenndauer des YF-22B Haupttriebwerkes der zweiten Stufe betrug exakt 300 Sekunden. Danach wurde es stillgelegt und nur noch das YF-23B Vierkammer-Steuertriebwerk lief für weitere 114 Sekunden weiter.  Danach war eine Bahn mit einem Perigäum von 200 Kilometern, einem Apogäum von 330 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 42,8 Grad erreicht. Unmittelbar darauf trennte sich Shenzhou-11 vom Träger. Noch einmal drei Minuten später entfalteten sich die beiden Solargeneratoren des Raumfahrzeugs und die eigenständige Mission von Shenzhou-11 konnte beginnen.

Der Einsatz von Shenzhou-11 ist der erste bemannte chinesische Raumflug seit mehr als drei Jahren, und wird auch die einzige bemannte Mission zu Tiangong-2 bleiben. Erst im Jahre 2018 soll Shenzhou-12 zum Core-Modul der neuen Raumstation aufbrechen. Erst danach werden bemannte Raumflüge in China in wesentlich kürzeren Zeitabständen erfolgen als bisher.

Die Crew setzt sich aus dem Kommandanten, dem 50jährigen Jing Haipeng und dem 38jährigen Bordingenieur Chen Dong zusammen. Für Jing Haipeng ist die Mission bereits der dritte Raumflug. Er flog bereits als Bordingenieur an Bord von Shenzhou-7 (zwischen dem 25. und 28. September 2008) und als Kommandant von Shenzhou-9 (zwischen dem 16. und 29. Juni 2012). Er ist somit auch der erste Chinese, der einen dritten Raumflug absolviert. Für Chen Dong ist es dagegen der erste Orbitaleinsatz.

Bild: Missionslogo des Fluges von Shenzhou-11; Credit: ChinaNews