Der erste Fehlstart des Jahres geht auf das Konto der chinesischen Raumfahrt. Die Informationen über den Vorfall sind aber noch recht spärlich. Westliche Beobachter wunderten sich zunächst, warum der Start, dessen Zeitpunkt schon vor Tagen angekündigt worden war, in den chinesischen Medien ohne jede Erwähnung blieb. Als der Zeitpunkt kam und ging wurde weder eine Verschiebung noch irgendeine andere Informationen bekannt gegeben. Erst nach und nach sickerte durch, dass die Mission wohl gescheitert sei. Der Fehlschlag beendet eine Serie von 64 erfolgreichen Satelliten- und Sondenstarts in diesem Jahr. Das ist die längste Serie erfolgreicher Starts seit fast 30 Jahren.

Das völlige Fehlen von Informationen ist insofern ein wenig rätselhaft, als China für gewöhnlich auch über Misserfolge durchaus sachlich berichtet, schon um ausländische Kunden der eigenen Trägerraketen zu informieren.

Der Beginn der Startmission für den Erdbeobachtungssatelliten Gaofen-10 vom Startgelände Taiyuan in Nordchina verlief zunächst problemlos. Der Liftoff erfolgte um 20:53 Uhr mitteleuropäischer Zeit (2:55 Uhr Ortszeit am 1. September) von der Startanlage 9 des Raumfahrtzentrums. Booster und erste Stufe wurden in den vorgesehenen Abwurfzonen abgetrennt. Auch die zweite Stufe scheint nach bisherigen Berichten fehlerlos funktioniert zu haben. Gerüchte deuten inzwischen aber darauf hin, dass die Zündung für die zweite Brennphase der dritten Stufe nicht erfolgte, und die Stufe mit dem Satelliten somit nach einer halben Erdumkreisung wieder in die Erdatmosphäre eintrat und verglühte. Diese dritte Stufe ist an sich eine klassische Konstruktion, die mit hypergolen Treibstoffen arbeitet und als sehr betriebssicher gilt. Die Langer Marsch 4-Reihe ist auf Transporte in sonnensynchrone, polare Umlaufbahnen spezialisiert.

Bild: Start von Gaofen-10; Credit: ChinaNews