China hat am 15. August den weltweit ersten Forschungssatelliten gestartet, der für Experimente mit Quantenkommunikation bestimmt ist. Der Satellit trägt den Namen Mozi, firmiert offensichtlich aber auch unter den Bezeichnungen „Quantum“ oder „QUESS“ (für Quantum Experiments at Space Scale). Mit diesem Start hat China innerhalb von nur 10 Tagen drei Orbitalmissionen auf den Weg gebracht.

Der Start erfolgte um 18:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit von der Startanlage 603 des Startkomplexes 43 in Jiuquan in Nordchina. Als Träger wurde eine Rakete des Typs Langer Marsch 2D eingesetzt. Wenige Minuten nach dem Verlassen der Startrampe erreichte das Raumfahrzeug einen sonnensynchronen Orbit in einer Höhe von 600 Kilometern.

Das etwa 600 Kilogramm schwere Raumfahrzeug wird von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften betrieben. Den Namen Mozi hat es übrigens von einem chinesischen Philosophen des fünften Jahrhunderts. Der Satellit verfügt unter anderem über so exotische Experimentiereinrichtungen wie einen Quantenschlüssel-Emitter, einen Quantenverschränkungs-Emitter, eine Verschränkungsquelle, eine Repeater-Einheit für Quantenkommunikation und eine Laserkommunikationseinrichtung tragen. Mit dem Satelliten soll erstmals die Möglichkeit von Quantenkommunikation über mehr als 300 Kilometer und Quantenteleportation über mehr als 1.200 Kilometer nachgewiesen werden.

Mozi wird seine Experimente mit verschiedenen Bodenstationen in China und Europa durchführen. Vor allem die Österreichische Akademie der Wissenschaften unter Anton Zeilinger ist wesentlich an den Experimenten beteiligt. Im Rahmen der Versuche soll auch Quantenteleportation zwischen terrestrischen Stationen und dem Satelliten durchgeführt werden.

Das ungewöhnliche Raumfahrzeug ist seit fünf Jahren in Planung und Bau. Entwickelt wurde der Satellit von der Chinese Academy of Sciences (CAS). Der Quantum Satellite ist Teil des Strategischen Prioritätenprogramms für Weltraumwissenschaften, bei dem in schneller Folge Raumfahrzeuge gestartet werden, die sich mit Grundlagenforschung beschäftigen. Der erste Satellit des Programms, er beschäftigt sich mit der Erforschung der dunklen Materie, wurde im Dezember letzten Jahres gestartet. Der zweite, ein Forschungssatellit zur Mikrogravitationsforschung ging am 6. April in die Umlaufbahn. Der nächste Satellit der Serien nach Quantum/Micius wird gegen Ende des Jahres der Start eines Röntgenstrahlungs-Teleskops für die Erforschung schwarzer Löcher und Elektronensterne sein. 

Mit an Bord waren noch zwei wissenschaftliche Kleinsatelliten: Lixing-1, dessen Aufgabe die Erforschung der oberen Atmosphäre ist und ebenfalls vom CAS stammt. Er soll auf einem Orbit mit einem extrem niedrigen Perigäum fliegen, das nur zwischen 100 und 150 Kilometern liegt. Der zweite Co-Passagiert ist der spanische Cat-2, ein sechs Einheiten großer Cubesat der Universitat Politècnica de Catalunya der sich mit GNSS Reflektrometrie beschäftigt.

Start des Satelliten Mozi auf einer Langer Marsch 2D. Credit: ChinaNews