Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos brachte in den frühen Morgenstunden des 7. Juli ein bemanntes Raumschiff auf den Weg zur Internationalen Raumstation. Bei dem Fluggerät handelte es sich um Sojus MS-01, eine überarbeitete Version des bisher eingesetzten Sojus TMA-M Raumfahrzeugs. Um mit dem Vehikel einige Flugtests durchführen zu können, wird sich Sojus MS-01 der Raumstation auf dem klassischen Anflugprofil nähern, das zwei Tage in Anspruch nimmt. Üblich sind seit einigen Jahren die kurzen sechs-Stunden Transfers.

Der Start erfolgte um 3:36 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit einer Trägerrakete des Typs Sojus FG vom russischen (aber in Kasachstan gelegenen) Raumfahrtzentrum in Baikonur. Dabei wurde die legendäre Startrampe 1 benutzt, von der aus schon Juri Gagarin im April 1961 seinen Flug in den Erdorbit antrat. Neun Minuten später erreichte das Raumschiff die Umlaufbahn und entfaltete Solargeneratoren und Antennen.

Die dreiköpfige Besatzung wird zunächst die Expedition 48 verstärken und nach deren Abreise den Kern der Expedition 49 bilden. Sie besteht aus dem 47jährigen russischen Kosmonauten Anatoli Iwanischin, der gleichzeitig auch der Kommandant der Sojus ist. Mit dieser Mission unternimmt er seinen zweiten Raumflug. Bei seinem vorausgegangenen Flug (Sojus TMA-22) war er als Flugingenieur eingesetzt und  verbrachte mehr als 165 Tage im Orbit. Im September wird er das Kommando der ISS vom Amerikaner Jeffrey Williams übernehmen.

Der zweite Mann an Bord ist der Japaner Takaya Onishi, der seinen ersten Raumflug unternimmt. Das dritte Besatzungsmitglied an Bord ist nach längerer Zeit mal wieder eine Frau, und zwar die amerikanische Molekularbiologin Dr. Kathleen Rubins, die ihre erste Mission fliegt. Sie ist erst die 60. Frau überhaupt, die einen Raumflug unternimmt.

Der Flug von Sojus MS-01 ist die insgesamt 130. Mission eines Sojus-Raumschiffes. Die MS-Serie verfügt gegenüber der Vorgängerversion Sojus TMA-M über verbesserte Solargeneratoren, ein neues Rendezvous- und Dockingsystem, das weniger als die Hälfte seines Vorgängers wiegt und einen verstärkten Mikrometeoritenschutz. Auch der Hauptcomputer ist verbessert. In der neuen Variante kommen keine Bauteile aus der Ukraine mehr zum Einsatz und er wiegt nur noch ein Achtel seines Vorgängers. Die MS-Serie verfügt auch über ein neues Kommando- und Telemetrie-System, das jetzt über Relaysatelliten läuft und nicht mehr über Bodenstation. Zusätzlich werden zur Positionsbestimmung auch GPS-Satelliten mit eingebunden. Digitale Video-Transmitter statt der bisher üblichen analogen Einheiten sorgen für bessere Bildübertragungen vom Raumschiff.

Nachtrag: Das Andocken an die Internationale Raumstation erfolgte am 9. Juli um 6:12 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Bild: Missionslogo für den Start von Sojus MS-01; Credit: Roskosmos