China führte am 25. Juni den erfolgreichen Jungfernflug der Langer Marsch 7 (Long March 7) durch. Die Mission begann um exakt 12:00 Uhr Greenwich Mean Time am Startkomplex 201 des Raumflugzentrum Wenchan, das mit dieser Mission ebenfalls eingeweiht wurde. Die Nutzlast der komplexen Mission bestand aus einer Orbitaleinheit, bestehend aus einer YF-1A Oberstufe, dem verkleinerten Prototypen eines zukünftigen bemannten Raumschiffes mit der Bezeichnung DFFC, einem Ballastblock, einem 12 Einheiten großen Cubesat und zwei Kleinsatelliten mit der Bezeichnung Tiange-1 und Tiange-2

Wenchan liegt im Nordosten der südchinesischen Insel Hainan. Man geht davon aus, dass dieser Raumflughafen langfristig vor allem den in dicht besiedeltem Gebiet liegenden Raumflughafen Xichang in Zentralchina ersetzen soll.

Die Entwicklung des neuen Trägers begann im Jahre 2010. Die Rakete wird zukünftig Chinas mittelschwere Nutzlasten in den Orbit bringen, wie zum Beispiel das Tianzhou Frachtraumschiff, das die modulare Tiangong-Raumstation versorgen soll. Nach einer Reihe von Einsatzflügen soll die Langer Marsch 7 auch für bemannte Einsätze zugelassen werden.

Der Träger setzt in der Zentralstufe zwei der neu entwickelten YF-100 Triebwerke ein. Jeder der vier Booster wird von einer einzelnen dieser Einheiten angetrieben. Die zweite Stufe ist mit vier YF-100 Raketenmotoren ausgerüstet. Beide Stufen und die Booster verwenden als Treibstoff Kerosin und als Oxidator flüssigen Sauerstoff. Die Antriebsaggregate beider Stufen sind Hauptstromtriebwerke, die im so genannten Staged Combustion Cycle arbeiten. Das YF-100 leistet im Vakuum 1.340 Kilonewton Schub, das YF-115 175 Kilonewton. Das YF-100 wird auch in der Langer Marsch 5 verwendet. Es hatte seinen ersten Raumflugeinsatz bereits beim Erstflug der Langer Marsch 6 im September 2016. In diesem Kleinträger wird eine einzelne Einheit in der ersten Stufe verwendet.

Die Rakete ist in ihrer Basisversion zweistufig. Sie wiegt beim Start knapp unter 600 Tonnen und ist 53 Meter hoch und kann 13,5 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn mit einer Inklination von 40 Grad und einer Umlaufhöhe von 400 Kilometern befördern oder 5,5 Tonnen in einen sonnensynchronen Orbit in 700 Kilometern Höhe.

Alle neu entwickelten und mit flüssigen Treibstoffen betriebenen Trägerraketen Chinas setzen als Treibstoffe entweder Kerosin oder flüssigen Wasserstoff ein und als Oxidator flüssigen Sauerstoff. Die bisherigen Träger Chinas verwendeten als Treibstoff Hydrazin und als Oxidator Stickstofftetroxid, beides  relativ  toxische Komponenten. Entwickelt wurde der neue Träger von der China Academy of Launch Vehicle Technology (CALT).

Die Brenndauer der Booster betrug zwei Minuten 54 Sekunden. Die Zentralstufe wurde nach drei Minuten und zehn Sekunden stillgelegt. Der Abwurf der Nutzlastverkleidung erfolgte drei Minuten und 33 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe. Der Brennschluss der zweiten Stufe erfolgte nach neun Minuten und 52 Sekunden. Die ersten Orbitdaten ergaben ein Perigäum von  288 Kilometer, ein Apogäum von 380 Kilometer und eine Bahnneigung zum Äquator von 40,8 Grad. Die zweite Stufe ist mehrfach wiederzündbar. Sie führte bei diesem Jungfernflug aber nur eine Brennsequenz durch.

Zehn Minuten und drei Sekunden nach dem Abheben gab die zweite Stufe die Orbitaleinheit frei, die aus einer bis zu neunmal wiederzündbaren dritten Stufe mit der Bezeichnung YF-1A und fünf der sechs Nutzlasten bestand. Die YF-1A wird als einzige der drei Antriebseinheiten mit den „traditionellen“ Treibstoffen Hydrazin und Stickstofftetroxid betrieben. Sie führte in den nächsten Stunden fünf weitere Brennmanöver durch, nach denen jeweils Nutzlasten und Adapter abgetrennt, Satelliten ausgesetzt, das Wiedereintrittsmodell in die richtige Abstiegsbahn platziert und schließlich die Stufe selbst auf eine Absturzbahn gebracht wurde. Bereits beim Absetzen der NGCV-Kapsel hatte sie sich kurzzeitig auf eine suborbitale Bahn begeben, aus der sie sich unmittelbar danach aber mit einem weiteren Brennmanöver wieder in einen niedrigen Erdorbit bewegte.

Bei den Nutzlasten handelt es sich um ein verkleinertes Funktionsmodell des zukünftigen chinesischen bemannten Raumschiffes im Maßstab 0,6 : 1. Das Raumfahrzeug trug die Bezeichnung DFFC (für: Duoyongtu Feichuan Fanhui Cang). Es ist 2,3 Meter hoch, hat einen Basisdurchmesser von 2,6 Metern und wiegt 2,6 Tonnen. Dieses Raumfahrzeug blieb für den Verlauf der Mission mit der YF-1A Stufe verbunden und landete 19 Stunden und 41 Minuten nach dem Start in der Nähe des Raumfahrtzentrums Jiuquan. Dort herrschte zum  Zeitpunkt der Landung eine steife Brise was zur Folge hatte, dass der Fallschirm die Kapsel am Boden noch mehr als 100 Meter weit mit sich schleifte.

Die weiteren Nutzlasten an Bord waren ein Technologie-Demonstrator namens Aolong-1, mit dem Bergungstechniken im Weltraum erprobt werden sollen, zwei Satelliten mit der Bezeichnung „Tiange-1" und "Tiange-2“ die für Kommunikationsexperimente bestimmt sind, einen 12-Einheiten großen Cubsat mit der Bezeichnung „Stern von Aoxiang“ der ein Technologie-Demonstrator für optische Navigation ist, und eine Nutzlast, die Betankungstechnologien im Weltraum erproben soll und die an der zweiten Stufe des Trägers befestigt blieb. Das gesamte Nutzlastgewicht der Langer Marsch 7 bei dieser Mission einschließlich der YF-1A Stufe wird auf zwölf Tonnen geschätzt.

Bild: Start der Langer Marsch 7; Credit: ChinaNews