Geheim ist nicht immer geheim, aber dieses Mal denn doch. Auch Tage nach dem Start von NRO-L37 diskutieren Experten, um welchen Satelliten es sich da wohl handelt, der am 11. Juni mit Amerikas schwerster Trägerrakete direkt in eine geostationäre Umlaufbahn gebracht worden ist. Bekannt sind nur die grundlegenden Parameter der Mission, die aus der eingesetzten Trägerrakete, der eingeschlagenen Flugbahn und der verwendeten Nutzlastverkleidung abzuleiten sind. Schon vor dem Start wurde allerdings vermutet, dass es sich bei dem Raumfahrzeug um einen elektronischen Funkaufklärer (ELINT) der Orion-Klasse handelt, doch kamen danach wieder Zweifel auf.

Der Flug wurde von der United Launch Alliance im Auftrag des National Reconnaissance Office, also des militärischen US-Geheimdienstes durchgeführt. Es ist bereits die zweite Mission der Organisation in diesem Jahr. Als Träger diente die nur selten verwendete Delta 4 "Heavy", die mit Abstand stärkste und teuerste Trägerrakete der USA. Was darauf hindeutet, dass es sich um eine massive Nutzlast gehandelt haben muss. Die Rakete ist in der Lage, Nutzlasten mit einem Gewicht von bis zu 6.750 Kilogramm direkt in den geostationären Orbit zu bringen und bis zu 14.000 Kilogramm in einen geostationären Transferorbit.

Die Mission begann - nach einer wetterbedingter Verschiebung wegen schwerer Gewitter am Vortag - um 19:51 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 37 der Luftwaffenbasis Cape Canaveral. Sieben Stunden nach dem Lift-off gab die ULA bekannt, dass die Startmission erfolgreich verlaufen sei. Aus dem Zeitpunkt dieser Verlautbarung kann geschlossen werden, dass es sich tatsächlich um einen Direkteinschuss in den geostationären Orbit handelt.

Wenn es sich wirklich um einen "Advanced Orion" handelt, dann wäre das die Nummer 7 dieser Reihe und der Neunte insgesamt. Die ersten beiden Orions der Basisversion wurden bereits in den achtziger Jahren vom Shuttle in den Orbit transportiert (bei den Missionen STS-51 und STS-33). Die neuen Satelliten dieser Baureihe sollen mit riesigen Entfaltantennen ausgerüstet sein. Einige Quellen vermuten eine Hauptantenne von 100 Metern Durchmesser.

Der nächste Einsatz einer Delta 4 "Heavy" dürfte nicht vor dem Jahre 2018 erfolgen, wenn die NASA die Sonnensonde "Solar Probe Plus" startet.

Bild: Missionslogo NRO-L37; Credit: ULA