Eine russische Trägerrakete des Typs Rokot mit einer Briz-KM Oberstufe brachte am 4. Juni den Geodäsie-Satelliten Geo-IK-2 Nr. 2 in eine niedrige Erdumlaufbahn. Der Start erfolgte von der Anlage 133 in Plesetzk. Geo-IK-2 ist das Nachfolgesystem der Geo-IK Geodäsiesatelliten, von denen in den Jahren 1981 - 1994 insgesamt 14 Stück mit Raketen des Typs Tsiklon gestartet wurden.

Interessanterweise bekam dieser Start die besondere Aufmerksamkeit von Greenpeace. Die Öko-Aktivitsten forderten die Absage des Starts mit der Begründung, dass die zweite Stufe eine Kontaminierung des Meeres bewirken könnte. Die Sache ist ein wenig rätselhaft, denn dies war der schon 30. Start einer Rokot und es war etwa der 20. Start, bei der die ausgebrannte zweite Stufe in das Meer vor Nordkanada ins Meer fällt.

Die Rokot ist die weltweit kleinste Satellitenträgerrakete, die als Treibstoff die durchaus toxische Kombination aus Hyrazin und Stickstofftetroxid verwendet. Praktisch die gesamte chinesische Raketenflotte fliegt ausschließlich mit dieser Treibstoffkombination. Indien verwendet sie und auch Russland setzt mit der Proton einen Träger ein, der wesentlich öfter fliegt und bei jedem einzelnen Start die sechsfache Menge dieser Komponenten einsetzt. Wieso Greenpeace nun ausgerechnet bei diesem einen Start protestierte, bleibt ihr Geheimnis. Wie erwartet, wurde der Protest denn auch sowohl von russischer als auch von kanadischer Seite aus ignoriert.

Der Start erfolgte exakt um 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das Startverfahren sieht für den uninformierten Beobachter immer ein wenig befremdlich aus, denn bei der Rokot handelt es sich um eine ballistische Interkontinentalrakete, die dafür konstruiert ist, aus einem Silo abgefeuert zu werden. Demzufolge muss auch die Rokot einen Silostart vornehmen. Dieser Silo ist aber bei zivilen Einsätzen im Freien aufgestellt und nicht im Boden versenkt. Das Raumfahrzeug wurde etwa eineinhalb Stunden nach dem Verlassen der Startrampe in einem Orbit mit einem Perigäum von 935 Kilometern, einem Apogäum von 960 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 99,3 Grad abgesetzt.

Geo-IK-2 Nr. 12 wurde wie seine Vorgänger von Reshetnev entwickelt und gebaut. Das Raumfahrzeug wog beim Start 900 Kilogramm. Die beiden Solargeneratoren erzeugen zu Beginn der auf fünf Jahre ausgelegten Lebensdauer etwa 1000 Watt Leistung. Aufgabe des Forschungssatelliten ist es, eine Feinvermessung des irdischen Gravitationsfeldes vorzunehmen, Höhenunterschiede in den Weltmeeren zu erfassen und Gezeitenbewegungen zu messen. Geo-IK-2 Nummer 1 war im November 2011 gestartet worden.