Die erste Mission vom neuen sibirischen Weltraumbahnhof in Wostotschny - am 28. April - war ein voller Erfolg. Drei wissenschaftliche Satelliten wurden präzise auf ihre vorgesehenen Umlaufbahnen befördert. Der russische Präsident Putin beobachtete das historische Ereignis vor Ort von einer Beobachtungsplattform aus. Es wird allerdings noch eine ganze Weile dauern, bis von hier aus regelmäßig Satelliten in den Orbit fliegen. Eines Tages – das dürfte aber noch mindestens sieben Jahre dauern - sollen von hier aus Kosmonauten in den Orbit aufbrechen. Der Start vom 28. April wird Russlands einzige Mission von Wostotschny aus in diesem Jahr bleiben. Der nächste Flug von der neuen Basis wird nicht vor Ende 2017 stattfinden. Der Start war eigentlich schon für den 27. April angesetzt gewesen, wurde aber wegen eines technischen Problems an der Trägerrakete verschoben.

Das 5.500 Kilometer von Moskau entfernte Wostotschny befindet sich an derselben Stelle, wo sich früher die militärische Raketenbasis Swobodny befand. Hier waren bis zum Abschluss des Start-II Vertrages zwischen der Sowjetunion und den USA Interkontinentalraketen des Typs UR-100K stationiert. Danach erfolgten von hier aus zwischen 1996 und 2007  insgesamt fünf Satellitenstarts, bei denen jeweils Träger des Typs „Start-1“ eingesetzt wurden. Dabei handelte es sich um eine Variante der Topol-Interkontinentalrakete. Die Anlage in Wostotschny ist jetzt der vierte aktive russische „Weltraumbahnhof“, nach Baikonur in Kasachstan, Plesetzk in Nordrussland und Dombarowski in Südrussland. Das ehemalige Satellitenstartzentrum in Kapustin Jar ist seit langem nicht mehr aktiv.

Die Konstruktion des neuen Raumfahrtzentrums hatte 2011 begonnen, vier Jahre nachdem der russische Präsident Putin die Schließung der militärischen Anlage angeordnet hatte. Für Russland ist der neue Startplatz von erheblicher Bedeutung, um das Land beim Zugriff auf den Weltraum von anderen Nationen unabhängig zu halten.

An der bislang einzigen Startanlage des neuen Spaceports können allerdings für eine ganze Reihe von Jahren zunächst nur Raketen der Sojus 2-Serie starten. Die Ehre des ersten Einsatzes vom neuen Raumflughafen war somit einer Trägerrakete des Typs Sojus 2.1a mit einer „Wolga“ Oberstufe vorbehalten. Sie begann ihre Mission um 4:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit und brachte drei wissenschaftliche Satelliten sicher in die vorgesehene Umlaufbahn. Der Bau der Startanlage 2 für Angara-Raketen wird erst im kommenden Jahr beginnen. Die russische Regierung hofft, dass diese Anlage ab 2021 betriebsbereit ist. Für bemannte Flüge der gegenwärtigen Sojus Träger - und Raumschiffkombination ist Wostotschny nicht geeignet. Das bewaldete Gelände wäre im Fall eines Startabbruchs bei einer Verwendung des Startrettungssystems zu gefährlich. Hier ist ein Start in der baumlosen Steppe von Baikonur die bessere Wahl.

Weltweit gesehen ist der neue Sojus-Komplex in Wostotschny schon der achte für die Träger dieser Serie. Bislang existieren zwei davon in Baikonur, vier in Plestzk und einer in Kourou. Die Anlage am neuen Spaceport entspricht ziemlich genau derjenigen der Startanlage in Kourou

Die drei Raumfahrzeuge an Bord der Sojus waren „Michael Lomonossow“, ein pyhsikalischer Forschungssatellit den die VNIIEM Corporation in Moskau auf Basis des Kanopus-Erdbeobachtungssatellitenbus gebaut hat, sowie Aist-2 und SamSat 218/D, die beide (mit Unterstützung des Satellitenherstellers Progress) von der Universität Samara entwickelt und gebaut wurden. Sie wurden auf einer Bahn mit einem Apogäum von 483 Kilometern, einem Perigäum bei 468 Kilometern einer Inklination zum Äquator von 97,3 Grad abgesetzt.

Hauptnutzlast der Mission war dabei der 620 Kilogramm schwere Forschungssatellit „Lomonossow“, der kosmische Strahlung untersuchen soll und dafür mit einem Gammastrahlen-Detektor ausgerüstet ist. Das Raumfahrzeug ist nach dem russischen Physiker Michael Lomonossow benannt, der im 18. Jahrhundert wirkte. Die ebenfalls nach ihm benannte physikalische Forschungsanstalt (die staatliche Lomononossow-Universität in Moskau) managt das Unternehmen. Das Raumfahrzeug soll neben der kosmischen Strahlung auch die geheimnisvollen „Transient Lumininous Events“ in der oberen Erdatmosphäre erforschen, die auch als „Sprites“ bezeichnet werden

Satellit Nummer zwei an Bord der Sojus ist der rund 500 Kilogramm schwere Aist 2D. Er wurde von TsSKB Progress in Zusammenarbeit mit der staatlichen Universität von Samara gebaut. Er soll einen neuen kleinen Satellitenbus erproben, der für Hyperspektralaufnahmen der Erde optimiert ist.. Er hat zusätzlich ein neues Radar an Bord, das im P-Band tätig ist und mit dem man den Boden durch Wälder hindurch beobachten oder auch in Tiefen von Bodenformationen eindringen kann.

Der kleinste Satellit an Bord ist der vier Kilogramm schwere Cubesat SamSat 218, welcher der Technischen Universität Samara für Technolgie- und Lehrzwecken dient.