Nach einer ganzen Reihe von Jahren brachte China am 5. April wieder einen rückführbaren Forschungssatelliten der Shijian-Reihe in der Orbit. Shijian-10, so der Name des Raumfahrzeugs,  ist eine verbesserte Version des Shijian-8 Satelliten, der im Jahre 2006 gestartet wurde und 15 Tage später wieder zur Erde zurückkehrte. Shijian-10 ist aber insgesamt schon der insgesamt 24. unbemannte rückkehrfähige Satellit Chinas. Wie sein Vorgänger Shijian-8 soll er etwa zwei Wochen auf einer Umlaufbahn mit einem Perigäum von 232 Kilometern, einem Apogäum von 268 Kilometern und einer Bahnneigung von 42,9 Grad zum Äquator verbleiben, und danach am Fallschirm in Inneren Mongolei landen.

Die Mission begann um 19:38 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Rampe 603 der Startanlage 43 im Raumfahrtzentrum Jiuquan in Nordchina. Als Trägerrakete wurde eine Langer Marsch 2D eingesetzt. Die Shijian-Missionen sind der Physik und der Mikrogravitationsforschung gewidmet und haben oft internationale Beteiligung.

Die Startmasse des Raumfahrzeugs betrug 3.600 Kilogramm. Es basiert auf der FSW-Satellitenplattform, die ursprünglich für militärische Aufklärungszwecke verwendet worden war. Die Landung ist für den 18. April gegen 15:00 Uhr Pekinger Zeit in der Region Siziwang-Banner in der Inneren Mongolei geplant.

An Bord von Shijian-10 befinden sich insgesamt 20 Experimente die sich mit einer bunten Mischung verschiedener Themen beschäftigen, angefangen von der Physik von Flüssigkeiten, dem Verbrennungsverhalten verschiedener Materialien in der Schwerelosigkeit, der Erforschung der Auswirkung von Weltraumstrahlung auf biologische Spezimen oder deren Verhalten in der Schwerelosigkeit bis hin zur reinen physikalischen Grundlagenforschung.

Auch die ESA hat ein Experiment an Bord des Satelliten. Die 8,5 Kilogramm schwere Anordnung soll das Bewegungsverhalten von Rohöl-Molekülen erforschen. Dazu sind sechs Proben auf einen Druck von über 400 Atmosphären komprimiert (wie er in mehr als vier Kilometern Tiefe herrscht) die an einem Ende erhitzt und am anderen gekühlt werden. Mit diesem Versuch in der Schwerelosigkeit hofft man Computermodelle zu schaffen, die das Diffusionsverhalten von Rohöl in großen Tiefen wiedergeben. Man erhofft sich davon eine verbesserte Ausbeute von Erdölvorkommen auf der Erde.

Sehr ungewöhnlich für eine Mikrogravitationsmission ist die Tatsache, dass Shijian 10 am 10. Und am 13. April die Umlaufbahn jeweils leicht verändert hat. Normalerweise vermeidet man bei Flügen dieser Art jegliche Störung der Versuchsbedingungen durch das Feuern von Triebwerken. Es wir daher vermutet, dass der Bahneinschuss nicht so präzise war, wie er es eigentlich hätte sein sollen.

Bild: Shijian-10 in der Echokammer. Credit: ChinaNews