Der fünfte Anlauf war endlich erfolgreich. Eine Falcon 9.1 FT von SpaceX brachte am 5. März um 0:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Kommunikationssatelliten SES-9 in einen supersynchronen Transferorbit. In Florida war es da aber noch sechs Stunden früher, nämlich erst 18:37 Uhr und damit erst wenige Minuten nach dem örtlichen Sonnenuntergang. Die Mission war zuvor über einen Zeitraum von neun Tagen insgesamt viermal aus unterschiedlichen Gründen verschoben worden. Am Starttag selbst drohte wegen starker Höhenwinde eine weitere Verschiebung. Doch dann lief alles fast perfekt ab.

Nur „fast“ perfekt deswegen, weil nach dem erfolgreichen Absetzen der zweiten Stufe der Falcon 9, die den Satelliten dann in der Folge auf den geplanten Orbit brachte, das Sekundärziel dieser Mission - eine Landung der Erststufe auf einer Barke 700 Kilometer östlich des Startplatzes - knapp misslang. Wegen der äußerst marginalen Bedingungen waren die Hoffnungen auf einen Erfolg allerdings von Anfang an nicht besonders hoch gewesen. SpaceX bezeichnete den Landeversuch denn auch als „Engineering Mission“, um wertvolle Daten für Landungen unter schwierigen Bedingungen zu bekommen und neue Verfahren zu testen. Elon Musk selbst twitterte zur Landung: „Rocket landed hard on droneship. Didn’t expect this one to work”.

Die erste Stufe brachte innerhalb von zwei Minuten und 37 Sekunden die zweite Stufe mit dem Satelliten zu einem virtuellen Absetzpunkt hoch über dem Atlantik und gab ihr eine Geschwindigkeit von etwa 8.500 Kilometer pro Stunde mit. Danach wurden die neun Triebwerke stillgelegt und vier Sekunden später trennten sich erste und zweite Stufe. Sieben Sekunden nach der Trennung zündete die zweite Antriebseinheit, während für die Erststufe eine ballistische Driftphase begann, nur vom Einsatz von Steuertriebwerken unterbrochen, in der sie sich dem Apogäum ihrer Flugbahn näherte. 55 Sekunden in der Brennphase der zweiten Stufe wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen.

Sechs Minuten und 14 Sekunden nach dem Beginn der Brennphase der zweiten Stufe erreichte sie einen Parkorbit. 27 Minuten und sieben Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe zündete das Zweitstufentriebwerk erneut für insgesamt 47 Sekunden und brachte sich selbst und den Satelliten auf ihre endgültige Absetzbahn. Die Freigabe des Satelliten erfolgte gut 32 Minuten nach dem Abheben und wurde von einer Fernsehkamera zur Erde übertragen. Wenig später meldete sich der Satellit bei der Bodenkontrolle von SES.

Das 5.270 Kilogramm schwere Raumfahrzeug war von Boeing auf Basis der BSS-702HP für den in Luxemburg ansässigen Telecom-Operator SES gebaut worden. Das Raumfahrzeug soll mindestens 15 Jahre lang für die Übermittlung von Kommunikationsdienstleistungen aller Art eingesetzt werden.

Der Start von SES-9 geschah mit einer Verzögerung von mehr als sechs Monaten. Dies ist auf den Fehlstart einer Falcon 9 im vergangenen Jahr zurückzuführen, was dazu führte, dass wegen der notwendigen technischen Überprüfungen alle weiteren Missionen für sechs Monate suspendiert waren. Seit dem Fehlstart hat SpaceX jetzt – inklusive des Fluges von SES-9 - schon wieder drei erfolgreiche Starts absolviert, davon zwei mit dem verbesserten Typ Falcon 9.1 FT (für „Full Thrust“). SES-9 ist der achte Satellit, den SpaceX auf einen geostationären Transferorbit brachte.

Als Ausgleich für die Startverzögerung sicherte SpaceX dem Kunden einen höheren Zielorbit zu, von dem aus der endgültige Transfer auf die geostationäre Arbeitsposition in kürzerer Zeit bewerkstelligt werden kann. Anstelle von zuvor in 93 Tagen kann SES-9 seinen Zielorbit jetzt in nur 45 Tagen ansteuern. Statt dem vorher zugesagten Zielorbit mit einem Apogäum von 36.000 Kilometern konnte eine Apogäumshöhe von 40.600 Kilometern erreicht werden. Ein höherer Scheitelpunkt der Bahnellipse ermöglicht bei Starts von Cape Canaveral aus dem Satelliten weniger energieaufwendige Inklinationswechsel. Allerdings führte das dazu, dass die ohnehin schon geringen Reserven für eine erfolgreiche Rückführung der ersten Stufe weiter begrenzt wurden.

SES-9 ist, was das bordeigene Antriebssystem betrifft, ein Hybridsatellit. Er hat ein verkleinertes klassisches chemisches Antriebssystem an Bord und verfügt zusätzlich über Ionentriebwerke. Der Satellit verfügt über 81 Ku-Band Transponder und soll über einer Äquatorposition von 108,2 Grad östlicher Länge stationiert werden. Auf dieser Position wird er NSS-1 ersetzen, der dort im Oktober 2000 von einer Proton M abgesetzt worden war. NSS-1 ist jedoch noch voll einsatzfähig und wird von SES lediglich auf eine andere Arbeitsposition transferiert. Derzeit sind weitere sechs Satelliten für SES in Produktion. Vier Startaufträge dafür gingen an SpaceX, zwei an Arianespace.

Der nächste Start einer Falcon 9 ist derzeit für den 1. April angesetzt. Dann soll eine Dragon-Versorgungskapsel zur Internationalen Raumstation entsendet werden.