Am 17. Dezember brachte eine russische Trägerrakete des Typs Sojus ST-B Fregat die Flugeinheiten Nummer 11 und 12 des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo in den Orbit. Die Sojus ST-B ist eine tropentaugliche Variante dieses russischen Standardträgers, die im Auftrag von Arianespace von Kourou aus eingesetzt wird. Die Satelliten wurden von OHB in Bremen hergestellt, die Navigationsausrüstung stammt von der britischen Surrey Satellite Technology Ltd. Die beiden Raumfahrzeuge, es sind die Flugeinheiten FM-8 und FM-9 der Einsatzkonstellation (FOC = Full Operational Capability Satellites), tragen die Namen Andriana und Liene.

Der Liftoff erfolgte um 12:52 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana. Zunächst brachte die Sojus die Orbitaleinheit, bestehend aus der Fregat-Oberstufe und den beiden Satelliten innerhalb von neuneinhalb Minuten auf eine Übergangsbahn, bevor dann die Fregat die weitere Beschleunigung übernahm. 13 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe war ein hochelliptischer Orbit erreicht mit einem Apogäum von 23.500 Kilometern und einem Perigäum von 250 Kilometern. In den nachfolgenden drei Stunden und 15 Minuten stieg die Orbitaleinheit antriebslos auf die Apogäumshöhe um dort das Triebwerk der Fregat erneut für vier Minuten und 30 Sekunden zu zünden. Danach war ein kreisförmiger Orbit in der Zielhöhe, bei einer Bahnneigung zum Äquator von 55 Grad, erreicht.

Drei Stunden und 48 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe und fünfeinhalb Minuten nach dem zweiten Brennschluss gab schließlich die Fregat-Oberstufe die beiden Satelliten frei. Es war dies der dritte Einsatz der Sojus für das Galileo-Programm im laufenden Jahr und der 13. Einsatz einer Sojus von Kourou aus insgesamt. Jeder der Satelliten wog beim Start 717 Kilogramm. Zusammen mit den Nutzlastadaptern betrug das in diesen Orbit transportierte Gesamtgewicht 1.603 Kilogramm.

Bei diesem Flug wurde die Bahnebene C der Konstellation angesteuert. Dort sollen sie die beiden Einheiten die Positionen C2 und C7 einnehmen. Beim Start wurden sie übrigens im so genannten "Friedhofsorbit" abgeliefert, der etwa 300 Kilometer über der angestrebten Bahn liegt. Dies soll im Falle eines Absetzfehlers oder eines Aktivierungsproblems verhindern, dass sie ein Hindernis auf den Konstellationsbahnen darstellen. Sobald die Funktionalität der Raumfahrzeuge sichergestellt ist, werden sie sich mit den Bordtriebwerken auf den Arbeitsorbit hinunter begeben.

Drei der bislang gestarteten 10 Satelliten sind allerdings nur begrenzt verwendbar. Zwei wurden bei einer Startanomalie der Sojus-Fregat Kombination im August 2014 auf einem elliptischen Orbit mit falscher Inklination abgeliefert. Die Treibstoffvorräte an Bord der Raumfahrzeuge reichten nicht aus, um die erhebliche Bahnabweichung auszugleichen. Ein weiteres Raumfahrzeug, im Jahre 2012 als sogenannter In-Orbit Validationssatellit gestartet, hat Probleme mit seiner L-Band Navigationsantenne und wird wohl nicht in die operationelle Flotte mit einbezogen werden können.

Die nächsten vier Serieneinheiten sollen an Bord einer Ariane 5 ES im Oktober nächsten Jahres starten, gefolgt von zwei weiteren auf einer Sojus Fregat. 2017 und 2018 sollen dann wieder jeweils vier Stück auf je einer Ariane 5 starten. Danach sind die insgesamt 26 Satelliten der ersten Serie stationiert. Weitere acht Satelliten, darunter auch die vier Einheiten, die benötigt werden um die Erstkonstellation zu vervollständigen, werden in diesen Tagen ausgeschrieben.

 

Bild: Die Flugeinheiten 11 und 12 bei der Integration. Credit: OHB