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Ein russischer Träger des Typs Strela brachte am 19. Dezember einen Satelliten für einen ungenannten Kunden in den Orbit. Bei der Rakete handelt es sich um eine fast unveränderte Interkontinentalrakete des Typs UR-100NUTTKh. Bei der Nato, die sich offensichtlich nicht mit solch sperrigen Bezeichnungen herumplagen will, wird sie unter der Bezeichnung SS-19 „Stiletto“ geführt. Es gibt noch eine wesentlich bekanntere und auch wesentlich häufiger eingesetzte zweite Trägerversion der „Stiletto“, die unter der Bezeichnung „Rokot“ bekannt ist.

Im Gegensatz zu der Rokot, die von Chruntischew (für russische Inlandseinsätze) oder von Eurockot (für internationale Flüge) angeboten wird, wird die Strela (russisch für „Pfeil“) direkt vom Hersteller, dem NPO Maschinostrojenija (kurz: NPO Mash) vermarktet. Während bei der Rokot zur Leistungssteigerung eine mehrfach wiederzündbare Oberstufe des Typs Briz-KM und eine geräumige, gut schallgedämpfte Nutzlastverkleidung verwendet wird, setzt die Strela die Standardausrüstung der Interkontinentalrakete ein. In dieser Version kann sie daher zu wesentlich günstigeren Preisen angeboten werden, allerdings muss dann der Kunde auch mit den erheblichen Nachteilen dieses Trägers leben.

Dies scheint hier der Fall gewesen zu sein. In den letzten elf Jahren sind mit der Strela lediglich drei Starts durchgeführt worden. Zwei davon in den letzten 18 Monaten, offensichtlich für den selben Kunden (der aber nicht genannt werden will). In beiden Fällen dürfte es sich aber jeweils um einen Kondor-E Radaraufklärungssatelliten für die südafrikanischen Streitkräfte handeln. Nicht nur die Trägerrakete, sondern auch der Satellit wurden bei NPO Maschinostrojenija gebaut, so dass Südafrika hier ganz offensichtlich ein Gesamtpaket von diesem russischen Unternehmen geschnürt bekam.

Wie mit der Original-Interkontinentalrakete erfolgte auch hier der Start aus einem unterirdischen Silo, und zwar dem Startsilo 59 der Anlage 175 in Baikonur. Die hohe Zahl ist ein wenig irreführend. Tatsächlich gibt es für die UR-100NUTTKh lediglich zwei Startsilos in Baikonur.

Das Auflösungsvermögen des Kondor-E2 Satelliten dürfte bei einem Meter pro Bildpunkt liegen. Das Raumfahrzeug wurde in einem Orbit in 500 Kilometern Höhe mit einer Inklination zum Äquator von knapp 75 Grad abgeliefert.