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RD 0124 Triebwerk2011 ist ein wahrhaft rabenschwarzes Jahr für die russische Raumfahrt. Am 23. Dezember kam es beim Start einer Trägerrakete des Typ Sojus 2.1b schon wieder zu einer Fehlfunktion, die mit dem Absturz der Rakete und dem Verlust des Satelliten endete. Seit Dezember 2010 kam es damit zu insgesamt sechs Fehlschlägen, und man muss in der Raumfahrtgeschichte schon Jahrzehnte zurückgehen, um auf eine ähnliche schwarze Serie zu stoßen.

Dass sich innerhalb eines einzigen Jahres eine solche Anzahl von Fehlschlägen ereignete, war zuletzt im Jahre 1990 der Fall. Damals führte die damalige Sowjetunion aber nicht weniger als 72 Starts durch, also mehr als das doppelte der Anzahl dieses Jahres, selbst wenn man für dieses Jahr die beiden Starts in Kourou mitrechnet.

Seit dem Dezember 2010 kam es damit zu insgesamt sechs Fehlstarts und Missionsverlusten. Das prominenteste Opfer ist die Mars-Sonde Fobos-Grunt. Die Annahme eines massiven Qualitätsproblems liegt auf der Hand, und dieses Problem dürfte vor allem strukturelle  Ursachen haben. Grund: Der russischen Raumfahrtindustrie fehlen die mittleren Jahrgänge. Es gibt fast ausschließlich Mitarbeiter unter 35 Jahren und über 60 Jahren. Letztere Gruppe, die erfahrenen Mitarbeiter also, scheiden seit einigen Jahren in großen Zahlen aus und gehen in Rente. Zurück bleiben die jungen, unerfahrenen Kräfte. Fatal in einem Industriezweig, in dem Erfahrung und Know-How alles sind.

Hier die Übersicht der Missionsverluste seit Dezember 2010, die durch Fehlfunktionen der Trägerraketen oder Antriebssysteme verursacht wurden:

  • Am 5. Dezember 2010 stürzten drei Navigationssatelliten der Glonass-Konstellation ab, weil die Oberstufe falsch betankt wurde.
  • Am 1. Februar 2011 gelangte der Satellit Geo-IK 2 auf einen zu niedrigen Orbit. Als Ursache wird ein Fehler in der Flugsteuerung der Rockot-Oberstufe vermutet.
  • Am 17. August strandete Ekspress-AM 4 im falschen Orbit, nachdem ein Fehler im Steuerungssystem der Breeze-M-Oberstufe auftrat.
  • Am 24. August gelangte Progress-M 12M nicht in einen Erdorbit, weil der Gasgenerator in der 3. Stufe der Sojus-U-Trägerrakete versagte.
  • Am 8. November kam die Raumsonde Fobos-Grunt nicht über den niedrigen Erdorbit hinaus, da die Transferstufe in Richtung Mars nicht zündet. Die Ursache ist noch ungeklärt.

Und an diesem 23. Dezember ging nun auch Meridian 5 verloren.

Der Start erfolgte um 13:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Kosmodrom Plesezk. Meridian-Raumfahrzeuge operieren auf genannten „Molnija-Bahnen“, das sind stark elliptischen Orbits, mit niedrigsten Bahnpunkten von etwa 1.000 Kilometern über der Erde, einem höchsten Bahnpunkt von 40.000 Kilometern und einer Bahnneigung von 64 Grad gegen den Äquator. 

Die Fehlerursache ist noch nicht vollständig klar, doch könnte es sein, dass eine der vier Brennkammern der dritten Stufe durchbrannte. Die Telemetrie ergab, dass das RD-0124 Triebwerk planmäßig 288 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe zündete. Etwa 420 Sekunden nach dem Liftoff kam es jedoch zu einem rapiden Druckabfall und das Triebwerk stellte seinen Betrieb ein.